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Analyse

5:0-Auswärtserfolg in Berlin: Umschaltgelegenheiten, Debütanten und Doppelpacker

Trotz einiger Veränderungen in der Startelf landet der 1. FC Köln einen hohen Sieg bei Hertha BSC. Unsere Analyse erklärt, was am Karnevalssamstag den Unterschied machte.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Einen überraschend hohen 5:0-Auswärtssieg landete der 1. FC Köln am Samstag bei Hertha BSC – mit nunmehr 26 Punkten aus 22 Spielen ist das Polster auf die Abstiegsränge noch komfortabler für die „Geißböcke“ geworden. Nach der 1:4-Niederlage gegen den FC Bayern München, bei dem die Kölner in der ersten Halbzeit komplett chancenlos waren, setzten die Schützlinge von Markus Gisdol nun ein Ausrufezeichen, mit dem nicht unbedingt viele gerechnet hatten. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Partie gegen den Rekordmeister zwischenzeitlich in ein Debakel auszuarten drohte, überrascht das deutliche Ergebnis dann doch – denn auch aus personeller Natur gab es beim FC einige Änderungen. Dass Noah Katterbach und Sebastiaan Bornauw fehlen würden, war klar – beim Warmmachen signalisierte dann auch noch Jonas Hector, dass er aufgrund von muskulären Problemen nicht spielfit sein würde.

Somit rückten mit Toni Leistner und Elvis Rexhbecaj zwei Winterneuzugänge für ihr Startelfdebüt in die Mannschaft. Auch Florian Kainz als rechter Mittelfeldspieler und Benno Schmitz als linker Außenverteidiger kamen zu Einsätzen. Insofern war es für den 1. FC Köln schon ein Stresstest, denn gerade das Mittelfeldzentrum um Jonas Hector und Ellyes Skhiri hatte in der jüngeren Vergangenheit als ein entscheidender Faktor zum Formaufschwung beigetragen. Auch auf den Außenbahnen gab es Veränderungen, mit Florian Kainz rückte ein offensiv denkender Flügelspieler herein, der seine Position anders interpretiert als Dominick Drexler – eher vertikal, eher abschlussorientiert, beidfüßig und mit ein wenig mehr Tempo.

Hertha BSC in der ersten Halbzeit nicht konkurrenzfähig

Bei den Berlinern, die am letzten Spieltag nach turbulenten Rücktritten und Pressekonferenzen durch eine allenfalls solide Leistung mit 2:1 in Paderborn gewannen, setzte der neue Cheftrainer Alexander Nouri auf Altbewährtes und das Duo Cunha und Piatek in der Spitze. Vor der Fünferkette agierten mit Santiago Ascasibar, Arne Maier und Marko Grujic ein Trio, bei dem der Stuttgarter Neuzugang aus dem Winter den tiefen Part gab. Wie zuletzt auch kümmerte sich Mark Uth als hängende Spitze im gegnerischen Spielaufbau um Ascasibar, der als Aufbauspieler der Herthaner agierte. Grundsätzlich überließ der FC den Herthanern über weite Strecken der Partie den Ballbesitz und setzte auf Umschaltmomente – ein Plan, der vollends aufging.

Im Gegensatz zur Partie gegen den FCB verpennte der FC die Anfangsphase dieses Mal nicht – es war eher die Hertha, die in den ersten 45 Minuten gar nicht ins Spiel fand. Die Gastgeber verzeichneten keinen einzigen Torschuss und offenbarten im Defensivverhalten eklatante Schwächen. Das erste Zeugnis davon war das 1:0 für den FC durch Jhon Cordoba in der vierten Minute – im Anschluss an eine Standardsituation gewann der 1. FC Köln durch Rexhbecaj den Ball, der ihn nach vorne auf Kainz weiterleitete. In einer Vier-gegen-Zwei-Situation spielte der Österreicher den Ball Cordoba in den Lauf, der unter Mithilfe von Mittelstädt, der den Ball abfälschte, zum Führungstreffer einschoss.

Starke Startelf-Debütanten beim 1. FC Köln

In der Folge verteidigte der FC kompakt und nach vorne, immer wieder war das typische Herausstoßen der Außenspieler Ismail Jakobs und Kainz zu beobachten, die beim Pass auf die Außenbahn für Druck sorgten. Gerade Jakobs hatte am Ende beeindruckende Werte zu verzeichnen: Der Linksfuß ging in 48 Sprints. Die Hertha bekam den Ball nicht stabil über die erste Angriffslinie gespielt, der Zehnerraum blieb komplett verwaist, weil Cunha und Piatek häufig in der letzten Linie auf Bälle warteten und daher komplett aus dem Spiel waren.

Das lag auch an den starken Leistungen der Kölner Startelfdebütanten Leistner und Rexhbecaj – der Innenverteidiger überzeugte auf ganzer Linie, am Ende wies die Statistik 7 Ballgewinne und 9 Klärungsaktionen für den ehemaligen Unioner aus. Rexhbecaj knackte die 12-Kilometer-Marke, wurde vier Mal durch geschicktes Zweikampfverhalten gefoult und lieferte zudem wichtige Impulse im Spiel nach vorne. Beiden gelang auf Anhieb, ihre Leistungsfähigkeit in den mannschaftlichen Kontext einzuordnen – und das gewinnbringend.

Vorentscheidung bereits nach 38 Minuten

Den Break schaffte der FC dann nach 22 Minuten: Das Lob geht an dieser Stelle erneut an Rexhbecaj und den Schiedsrichter, der trotz eines Foulspiels den Vorteil liefen ließ. In dessen Folge hatte Jakobs nach Uth-Pass jede Menge Raum auf der letzten Seite und es war schon abzusehen, dass eine gute Flanke auf den zweiten Pfosten den Torerfolg bringen würde – dort standen Cordoba und auch Kainz bereit. Der Kolumbianer hechtete per Flugkopfball zum zweiten Tor. Auch in der Folge hatte der FC mehrere gute Umschaltgelegenheiten, in denen allerdings manchmal die Entscheidungsfindung und manchmal die Ausführung nicht passten. Kainz‘ Schuss nach etwas mehr als halben Stunde wurde von Hertha-Keeper Jarstein pariert.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Das 3:0 und damit die Vorentscheidung fiel dann nach 38 Minuten: Ein langer Ball von Rafael Czichos über die Berliner Abwehr brachte Cordoba in Position, der sich im Eins-gegen-Eins erst etwas verzettelte und dann Kainz bediente – der Flügelspieler erzielte seinen ersten Saisontreffer. Durch die Verletzung von Rafael Czichos kam nach der Pause Jorge Meré, bei den Herthanern ersetzten Lukebakio und Darida die ausgewechselten Cunha und Maier. Der frühere Düsseldorfer Lukebakio brachte auch gleich Tempo und Zug in die Berliner Offensivaktionen, weil er mehrfach in Laufduelle mit Meré geschickt wurde. Der Spanier war zuerst halblinker Innenverteidiger, nach wenigen Minuten wechselte er mit dem schnelleren Leistner die Position.

Umschaltaktionen machen den Unterschied

Nach einem Freistoß kam die Hertha dann zum ersten Torschuss durch Grujic, den Kopfball parierte Horn stark. Wenig später jagte der serbische Mittelfeldspieler eine Lukebakio-Ablage übers Tor. Nach 55 Minuten funktionierte die Abseitsfalle der Kölner dann nicht, sodass Piatek nach einem langen Ball über die Abwehr alleine vor Timo Horn stand – der Keeper antizipierte aber dessen Querpass und verhinderte Schlimmeres. In der Viertelstunde nach der Pause sah man, was möglich gewesen wäre, wenn die Hertha an diesem Tag eine normale Leistung erreicht hätte – das Spiel wäre für den FC deutlich schwieriger geworden.

Nach 62 Minuten erstickten die Gäste aber durch das 4:0 jegliche Hoffnungen der Hauptstädter. Cordoba machte einen Ball stark in der Luft und eigenen Hälfte fest, Rexhbecaj nahm den Ball auf, wählte den idealen Laufweg und passte den Ball in den freien Raum zu Kainz. Diesen hatte Mark Uth durch einen guten Antritt erst geöffnet. Der ehemalige Bremer traf überlegt zum zweitem Mal in diesem Spiel. Danach war das Spiel weitestgehend gegessen, der FC cruiste mit der vollen Spielkontrolle dem Abpfiff entgegen. Nach 69 Minuten entschied sich Uth in einer weiteren Umschaltgelegenheit falsch, wählte den Schuss anstatt den Pass, bekam aber von Schiedsrichter Schlager einen Freistoß zugesprochen. Diesen zirkelte er zum 5:0 ins Netz.

Gegen einen erschreckend schwachen Gegner reichte dem FC eine stabile Leistung mit guter Ausführung von Umschaltgelegenheiten – gerade die Debütanten Leistner und Rexhbecaj machten ihre Sache wirklich gut. Am kommenden Samstagabend besteht für den 1. FC Köln gegen aktuell kriselnde Schalker die Chance, mit einem weiteren Erfolg noch mehr Raum zwischen sich und die Abstiegsränge zu bringen.

 

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