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Frauenfußball beim 1. FC Köln: „Wir verbessern unsere Strukturen langsam, aber stetig“

Wie steht es um den Frauenfußball beim 1. FC Köln? Dazu waren wir zum Ortsbesuch am Geißbockheim – und haben mit Nicole Bender gesprochen.

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Nicole Bender erinnert sich an ein Spiel des effzeh in Wolfsburg, das diesen Unterschied besonders verdeutlichte: “Beim Einlaufen beider Mannschaften dachte ich, dass da eine Schülermannschaft auf Lizenzspielerinnen treffen würde.” Der Blick auf die aktuelle Tabelle der Bundesliga bestätigt ihren Eindruck: Der VfL Wolfsburg steht mit 41 Punkten aus 16 Spielen mit einem Torverhältnis von 66:11 auf Platz eins, Borussia Mönchengladbach ist das Schlusslicht mit einem Punkt und einem Torverhältnis von 7:74 auf Platz 12 – eine große Diskrepanz. Warum das so ist? “Geld schießt eben Tore. So einfach ist das. Im Frauenfußball ist das noch extremer als bei den Männern.”

Die FC-Frauen wollen sich nächste Saison, genau wie die erste Herrenmannschaft, wieder mit den Besten messen. Derzeit stehen sie auf einem Aufstiegsrang – dem sechsten Platz der zweiten Liga. “Weil die zweiten Mannschaften von Hoffenheim, Bayern und Wolfsburg die Liga komplett dominieren, aber nicht aufsteigen dürfen, würde es momentan reichen. Das ist eine total kuriose Situation” so Bender.

Die Entwicklung beim effzeh ist zunehmend besser

In diesem Jahr feiert die Damenabteilung des 1.FC Köln ihr zehnjähriges Bestehen. Damals war sie an das Nachwuchsleistungszentrum angegliedert, nachdem der Verein zuvor die Mannschaft aus Brauweiler übernommen hatte. Er tat das aus einem einfachen Grund: 2011 stand die Frauen-WM in Deutschland an, viele großen Vereine gründeten eher aus Imagegründen als aus Überzeugung Damenmannschaften. Ein Hype wie 2006 entstand jedoch nicht, die Nationalelf schied bereits im Viertelfinale gegen Japan aus. Frauenfußball blieb eine Randnotiz – bundesweit genauso wie in Köln. Hier lässt Toni Schumacher sich beim jährlichen Pokalfinale als Schirmherr des Frauenfußballs feiern. Und sonst? Die Damenmannschaft degradierte er einst auf einer Mitgliederversammlung mit den Worten “Das ist das Schönste, was unser Verein zu bieten hat!” chauvinistisch zu Modepüppchen. Was er sonst für den Frauenfußball tut, ist nicht bekannt.

Nicole Bender in Aktion 2012 | Foto: Friedemann Vogel/Bongarts/Getty Images

Bis zum Amtsantritt Alexander Wehrles war Frank Schaefer der Ansprechpartner der Abteilung. Nun ist es der Finanzchef. Der Geschäftsführer “unterstützt uns immer und interessiert sich für unsere Entwicklung” sagt Nicole Bender. Er war es auch, der die Mannschaft auf Nachfrage zur Karnevalssitzung einlud – offenbar vergaßen die Organisatoren des Klubs das im Vorfeld. Es sind diese kleinen Gesten, die große Wirkung erzielen. Sie häuften sich während der letzten Jahre.

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Bender beurteilt die Situation auch als zunehmend besser. “Vor fünf bis zehn Jahren gab es für uns quasi keine Perspektive. Das ist jetzt anders. Wir verbessern uns und unsere Strukturen langsam, aber stetig.” Seit Saisonbeginn betreut ein Physiotherapeut die Damenmannschaft und die B-Jugend (A-Jugenden gibt es im Frauenfußball nicht), zudem arbeitet das Trainerteam schon lange zusammen. Klar ist aber: Für den effzeh ist der Frauenfußball bislang kein Gewinngeschäft. Ohne ehrenamtliche Aktive und wenige Sponsoren wäre die Abteilung kaum überlebensfähig. Der ehemalige Vizepräsident Friedrich Neukirch war früher mit der Firma „Klosterfrau“ ein starker Förderer des Kölner Frauenfußballs, heutzutage ist es Heiko Hünemeyer mit „Schaebens“.

Das Ziel? “Alle sollen vom Sport leben können”

Der effzeh könnte dennoch mehr zur Weiterentwicklung beitragen. Insbesondere bei der Werbung. Während der Klub auf seinen Social-Media-Kanälen zuletzt vor allem die E-Sports-Abteilung anpries, sind Hinweise auf anstehende Spiele der Frauen kaum vorhanden. “Derzeit haben wir einen Zuschauerschnitt von 150 bis 200 Leuten pro Spiel. Die kenne ich aber, platt gesagt, alle persönlich” sagt Nicole Bender. Hinweise auf anstehende Heimspiele wären eine Möglichkeit, um mehr Leute anzulocken. Als das Spiel der Herrenmannschaft gegen Duisburg ausfiel, setzte der Klub einen Tweet ab – ein fast einmaliges Ereignis. “Es motiviert Sportler unglaublich stark, wenn ihnen mehr Leute zuschauen. Wir spielten vor Jahren mal gegen die Bayern, aber vor 1000 Leuten. Das hat uns so gepusht, dass wir das Spiel sogar gewannen” fügt sie hinzu.

Ich möchte, dass bei uns alle Spielerinnen vom Sport leben können.

Auf ihr persönliches Ziel angesprochen, sagt sie: “Ich möchte, dass bei uns alle Spielerinnen vom Sport leben können. Es geht nicht darum, dass sie am Ende ausgesorgt haben. Sondern darum, dass sie sich komplett auf den Fußball konzentrieren können.” Sie ist überzeugt: “Wenn wir das umsetzen, würden viele Nationalspielerinnen sofort zu uns kommen. Das würde mehr Erfolg, mehr Aufmerksamkeit und mehr Einnahmen bedeuten.” Vergleiche mit dem Männerfußball weist sie zurück. “Das kann man nicht vergleichen, das sind letztlich zwei verschiedene Sportarten. So viel Geld wird im Frauenfußball nie unterwegs sein.”

Beim Gang durch die Kabinen und Katakomben ist trotzdem schnell klar: Diesen Bedingungen würde sich kein ambitionierter männlicher Fußballspieler freiwillig für eine Aufwandsentschädigung aussetzen. Im Frauenfußball gelten sie dagegen als fortschrittliche Basis.

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