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Meinung

„Finanzielle Situation schwierig, aber beherrschbar“

Der effzeh möchte seine Fans ins Boot holen, um Gelder zu generieren. Spinner, Horstmann und Leki über Liebe, Geromel und den Status Quo.

Seit gestern ist es Anhängern des effzeh durch eine Fan-Anleihe möglich, aktiv zu einer größeren finanziellen Entlastung des Vereins  beizutragen. Nachdem die erste Anleihe aus dem Jahr 2005 im vergangenen Jahr fristgerecht zurückgezahlt wurde (und nach Clubangaben viele positive Rückmeldungen nach sich zog), startete der effzeh nun einen neuen Versuch, auf diesem Weg Gelder zu generieren, um letztlich „eine Umschuldung vorzunehmen, die weitere Unabhängigkeit schafft“, wie Präsident Spinner mitteilte. Dabei setze man auf die „unglaubliche Fan- und Mitgliederbasis“ des effzeh, die etwas besonderes in Deutschland sei und ohne deren Hilfe der groß angelegte Umbruch im Verein nicht zu bewerkstelligen wäre.

Ziel sei es also vor allem, Darlehen von Banken und Privatpersonen durch die Anleihen zurückzuzahlen und weniger, damit den generellen Schuldenstand zu senken, wie Werner Spinner, Claus Horstmann und Oliver Leki auf der feierlichen Präsentations-PK betonten.

Die Anleihe ist über einen Zeitraum von fünf Jahren mit einer 5%igen jährlichen Verzinsung zu zeichnen. Es gibt dabei eine Deckelung von 10 Mio Euro, wobei sich Leki (Geschäftsführer Finanzen) zuversichtlich zeigte, diese Grenze tatsächlich zu erreichen. Schließlich habe man bei der letzten Anleihe eine Grenze von 5 Mio. gesetzt, die bereits nach knapp zwei Wochen fast überzeichnet worden sei, wie  auch Claus Horstmann ihm beipflichtete. Bei der zweiten Auflage der Anleihe habe man nun die Frist verdoppelt: Bis zum 31. Oktober ist es möglich, online, auf der Geschäftsstelle oder in den Fanshops Anleihen in Form von Schmuckurkunden oder Depotverwahrung zu einem Stücksatz von 100 Euro, 1.000 Euro oder 1.948 Euro zu zeichnen (letztgenannte Summe verweist auf ein im Zusammenhang mit dem effzeh nicht ganz unwichtiges Datum).

Weitere Informationen sind der offiziellen Homepage fc-anleihe.de zu entnehmen.

©effzeh.com

 

Lagebericht

Deutlich wurde im Rahmen der Pressekonferenz, die unter dem Motto „Liebe verzinst sich“ lief und auf der der symbolische Startschuss für die Anleihe durch Betätigung eines Online-Buttons gegeben wurde, dass die Anleihe als Teil eines Gesamtumbruchs zu betrachten ist, der sich auf die Strukturen des Vereins, den Kader und eben die Finanzprozesse und -systematiken des effzeh bezieht. Horstmann berichtete erneut, dass man in der Vergangenheit bei der Finanzierung des Spielerkaders ein sehr hohes Risiko gegangen sei, das sich letztlich nicht im sportlichen Erfolg widerspiegelte, durch den im Umkehrschluss ein teurer Kader zu refinanzieren gewesen wäre. Die daraus entstandene Soll-/Ist-Lücke habe zu der Situation geführt, in der man sich derzeit befinde. Um daraus resultierende Risiken rückwirkend zu minimieren, wurden Sondermaßnahmen wie u.a. die vorzeitige Verlängerung des IMG-Vermarktungsvertrages getroffen. Dadurch habe man zwar das Ergebnis des Spieljahres 2011/12 ausgeglichen gestalten können, für die kommende Saison und die darauf folgenden Jahre sei allerdings durch diese Quasi-Vorwegnahme von Signing Fees gezwungenermaßen eine neue Belastung entstanden, die den Umbruch in finanzieller Hinsicht notwendig werden ließ, zumal durch den Abstieg insgesamt mit etwa 20 Mio. weniger Einnahmen zu rechnen sei (man geht nun von einem Ergebnis von rund 50 Mio. Euro Einnahmen aus).

Vor diesem Hintergrund ist vor allem die große Veränderung im Kader des effzeh sowie die Entscheidung, zahlreiche gestandene Spieler zu veräußern, zu werten. Hier habe man sportliche, aber vor allem auch finanzielle Gesichtspunkte berücksichtigen müssen. Letztlich führe diese Konstellation zu der „Quadratur des Kreises“ (Horstmann), wenn man versuche, der Mannschaft ein neues Gesicht zu geben und gleichzeitig eine wirtschaftliche Konsolidierung herbeizuführen.

Dennoch ist es bis heute gelungen, rund 50% des durch den Lizenzspieleretat entstandenen Risikoanteils zu verringern, wie Horstmann nicht ohne Stolz betonte. Ein Kerntransfer für eine weitere Entspannung sei dabei die Personalie Geromel, wobei man sich in dieser Hinsicht in guten Gesprächen befinde. Nachdem Lanig, Nova, Riether und weitere Spieler den Verein verließen, hätte sich lediglich für Rensing noch kein konkreteres Wechselszenario ergeben.

Neben der Entschlackung des Spielerkaders seien Unternehmensberater derzeit (pro bono) damit beschäftigt, die Strukturen des Vereins und seiner Verwaltung zu durchleuchten, um auch hier Einsparungspotenziale zu identifizieren.

Auch wenn man in sportlicher Hinsicht noch kein Ziel ausrufen wolle, um keinen unnötigen Druck auf die sich im Umbruch und Aufbau befindliche Mannschaft auszuüben, nannte Horstmann in finanzieller Hinsicht ein klares Ziel für dieses Geschäftsjahr: Der effzeh wolle die Saison 2012/13 operativ mit einem ausgeglichenen Ergebnis abschließen. Vor diesem Hintergrund zeigte Horstmann sich sehr zufrieden darüber, dass man zahlreiche Sponsoren halten, neue Partner finden und vor allem statt der kalkulierten 23.000 rund 25.000 Dauerkarten absetzen konnte. 

Insgesamt, so Horstmann, sei die finanzielle Lage „schwierig, aber beherrschbar“, wobei er sich von den Untergangsszenarien, die in manchen Zeitungen gezeichnet wurden, klar distanzierte.

 

Persönliche Einschätzung

Der effzeh öffnet den Klingelbeutel und bittet die Fans, die jahrelang von den Darbietungen des Clubs enttäuscht wurden, jetzt auch noch zusätzlich zur Kasse – auf derartige Zusammenfassungen warte ich in den kommenden Tagen. Es ist damit zu rechnen, dass dem effzeh negativ ausgelegt wird, dass er auf das Geld seiner Fans und Anhänger setzt, um aus dem Schlamassel herauszukommen, den man sich ja selbst eingebrockt hat. Diese Auffassung werden jedenfalls Zyniker vor sich hertragen, die sich mit dem, was sich da gestern auf der Pressekonferenz abspielte und mit dem eigentlichen Hintergrund der Fan-Anleihe nicht weiter beschäftigen. Denn halten wir einmal die Fakten zusammen:

1) Der effzeh geht den Weg größtmöglicher Transparenz. Dies hatte der neue Vorstand bei seiner Wahl versprochen und es ist vorbildlich, wie ernst man dieses Versprechen einhält.

2) Die Fan-Anleihe ist ein freiwilliges Angebot an die Fans und keineswegs ein gezwungenes Zur Kasse-Bitten, wie etwa durch eine Erhöhung des Mitgliederbeitrags o.ä.

3) Die Beteiligung bietet dem Fan die Möglichkeit, Geld zu einem aus heutiger Sicht attraktiven Zinssatz anzulegen.

Neben diesen klaren Fakten überzeugte die Führungsriege gestern durch die richtigen Worte. Zudem bedienten die drei Verantwortlichen unterschiedliche Ebenen: Leki konzentrierte sich mehr auf die finanziellen Details, Spinner sprach das Herz an („Beim Geld hört die Freundschaft beim effzeh nicht auf“) und Horstmann spannte einen plausiblen Bogen zwischen sportlichen und finanziellen Komponenten.

Man kann nur hoffen, dass der effzeh an dem eingeschlagenen Weg des Umbruchs und der Transparenz festhält und das Anleihe-Projekt ein Erfolg wird. Denn wie singt es sich so schön: „Nur zesamme simmer stark – effzeh Kölle“!

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