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Analyse

Fünf Erkenntnisse aus dem Sandhausen-Sieg: Heldenfußball aus Hollywood

Der 1. FC Köln schlägt mit viel Mühe Kellerkind Sandhausen mit 3:1. Ein Befreiungsschlag war der hart erarbeitete Heimsieg aber für Trainer und Team nicht.

COLOGNE, GERMANY - FEBRUARY 08: Markus Anfang head coach of Koeln looks on prior to the Second Bundesliga match between 1. FC Koeln and FC St. Pauli at RheinEnergieStadion on February 08, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)
Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Das Durchatmen im Müngersdorfer Stadion schien spürbar zu sein. Gegen einen aufmüpfigen Gast aus Sandhausen hatte sich der 1. FC Köln enorm schwer getan und kam nach frühem Rückstand in der Partie erst in der Schlussphase zu den entscheidenden Treffern. Der umjubelte Held: Rückkehrer Anthony Modeste, der als Einwechselspieler mit einem Doppelpack den wichtigen Erfolg sicherte und somit etwas Druck vom kölschen Kessel nahm. Vor dem Nachholspiel in Aue am Mittwoch katapultierte sich der effzeh somit auf Rang zwei der 2. Bundesliga – ein direkter Aufstiegsplatz!

Überzeugend war die Vorstellung der „Geißböcke“ allerdings über weite Strecken nicht: Besonders in der ersten Hälfte, als der Tabellenvorletzte es sehr gut verstand, das Spiel des Kölner Aufstiegsfavoriten im Keime zu ersticken, war der Auftritt der Mannschaft von Trainer Markus Anfang eine Zumutung. Die Quittung dafür gab es mit dem Halbzeitpfiff, dem ein gellendes Pfeifkonzert des bis dato angesichts der äußerst bescheidenen Vorstellung erstaunlich ruhig gebliebenen Publikums folgte.

Kein Befreiungsschlag – weder für Trainer noch Team

Ein richtig gutes Spiel machen: Das war der Auftrag, den effzeh-Coach Markus Anfang seinen Schützlingen vor der Partie öffentlich auf den Weg gegeben hatte. Das war auch sicherlich die Erwartungshaltung der wieder einmal zahlreich gekommenen Fans, die beim Heimspiel gegen den Tabellenvorletzten einen Pflichtsieg erwarteten. Trotz des Endspurts, trotz drei Punkten, trotz Modeste-Doppelpack: Die äußerst schwache erste Halbzeit war nicht dazu angetan, die Zweifel zu zerstreuen. Defensiv wieder einmal wacklig, nach vorne ideenlos und ohne Tempo. Das alles gegen einen perfekt eingestellten Gegner, der sein Herz auf dem Platz ließ. Ein Gegensatz wie Tag und Nacht – bis auf einen starken Jhon Cordoba, der sich in jeden Zweikampf warf und diese zumeist gewann, war kein effzeh-Spieler in Normalform zugegen.

Wieder einmal gab es alle Schwächen der Kölner Spielweise zu bewundern: Gegen ein hoch und aggressiv anlaufendes Team tut sich der effzeh enorm schwer – eine Kanonade an langen Bällen, die häufig ihre Endstation bei den körperlich präsenten Defensivspielern der Sandhäuser fanden, war die Folge. Das wurde erst im Laufe des Spiels besser, aber nie gänzlich abgestellt. Darüber darf auch nicht die bessere zweite Halbzeit, die letztlich zu einem verdienten Arbeitssieg führte, hinwegtäuschen. Auch deshalb war der Erfolg zwar extrem wichtig für das Punktekonto, kann aber im Gegensatz zum 8:1 gegen Dresden nicht als Befreiungsschlag gelten. Nicht für den Trainer, dessen taktisch recht einsilbige Marschroute vom Gegner einmal mehr zertrümmert wurde. Nicht für das Team, das wieder einmal seinem Anspruch über weite Strecken nicht gerecht wurde.

Der 1. FC Köln spielt zunehmend Heldenfußball

Ohne individuelle Klasse nutzt dir auch ein Konzept nichts – beim 1. FC Köln scheint es derzeit eher andersherum zu sein. Trotz einer hochkarätig besetzten Mannschaft gelang es den „Geißböcken“ einmal mehr über weite Strecken nicht, den Gegner derart zu dominieren, dass dabei auch dem Aufwand entsprechend Torchancen heraussprangen. Viel Ballbesitz für den effzeh, doch die gefährlichen Räume waren mangels Tempo, Genauigkeit oder zündenden Ideen No-Go-Areas. Die Folge daraus: Die Anfang-Elf, die eigentlich ein Konzept verfolgen soll, spielt zunehmend Heldenfußball, wie ihn einst Volker Finke charakterisiert. Jhon Cordobas kaum fair zu verteidigende Wucht, später Louis Schaubs spielerische Finesse und Anthony Modestes Torjägerqualitäten: Dieser 1. FC Köln ist von seiner individueller Klasse so abhängig wie selten zuvor.

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