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Analyse

Heimniederlage gegen den FC Bayern: Eklatanter Unterschied in der ersten Halbzeit

Gegen den FC Bayern München bekommt der 1. FC Köln speziell in der Anfangsphase die Grenzen aufgezeigt – ein echtes Debakel stand im Raum.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Mit einem Punktgewinn oder gar einem Sieg gegen den Rekordmeister aus München hätten im Vorfeld nur die Wenigsten gerechnet, die es mit dem 1. FC Köln halten – analog zum Saisonbeginn galt das Spiel gegen den FCB als Höhepunkt eines schwierigen Auftaktprogramms für die „Geißböcke“. Nun stehen aus beiden Partien null Punkte und 1:8 Tore zu Buche, denn auch am Sonntag unterlag der 1. FC Köln dem FC Bayern mit 1:4. Dabei hätte die Partie durchaus auch noch einen anderen Verlauf nehmen können, wenn Thomas Müller und Co. in der Anfangsphase der Partie konsequenter im Torabschluss gewesen wären. Bereits nach zwölf Minuten stand es 0:3, bis zur Pause hatten die Gäste noch weitere Möglichkeiten, um das Ergebnis noch weiter in die Höhe zu schrauben.

Die Spieldynamik veränderte sich erst im zweiten Durchgang, als das Kind ergebnistechnisch aus Sicht des 1. FC Köln bereits in den Brunnen gefallen war – der Ehrentreffer durch Mark Uth, mehrere gute Torchancen  und zwei Abseitstore durch Jhon Cordoba machten den Umgang mit der immer noch deutlichen Niederlage am Ende ein wenig leichter. Doch augenfällig wurde etwas anderes: wie bereits in anderen Spielen brauchte der 1. FC Köln lange, um im Spiel anzukommen. Bereits zum Rückrundenauftakt gegen den VfL Wolfsburg konnte sich das Team von Markus Gisdol glücklich schätzen, dass die Gastmannschaft ihre guten Abschlüsse nicht in Tore ummünzen konnte. Gegen Borussia Dortmund lag Gisdols Team nach einer halben Stunde bereits mit zwei Toren zurück.

Ein Muster: Schwierigkeiten in der Anfangsphase beim 1. FC Köln

Es scheint sich daher ein wenig zum Muster zu entwickeln, dass die Mannschaft des FC damit Probleme hat, von der ersten Minute an diejenige Intensität aufs Feld zu bringen, die es für das intensive und körperlich anspruchsvolle Spiel braucht. Kleine Abstände, kurze Wege im Verteidigen, um sich gegenseitig schnellstmöglich unterstützen zu können – diese Voraussetzung ist notwendig, dass der FC überhaupt Zweikämpfe führen kann. Hinzu kommt, dass gerade beim 0:1 auch aus taktischer Sicht einiges nicht passte. Nach Bornauws Herausrücken – der Belgier verließ seine Position, um den ballführenden Münchner unter Druck zu setzen, entstand ein Raum, den die verbleibenden drei Spieler der Viererkette gemeinsam hätten schließen müssen. Rafael Czichos sicherte aber eher die Mitte, als den möglichen Laufweg von Lewandowski zu versperren – der Pole nutzte den sich ihm bietenden Raum und traf nach drei Minuten zum ersten Mal.

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Auch danach wurde es nicht viel besser: Beim 0:2 war der Sechserraum des FC verwaist, danach konnte die Defensive die Münchner Kombination nicht mehr verhindern. Ohne großen Druck oder körperliche Beeinflussung durch einen zweikampfführenden Kölner passten sich die Bajuwaren den Ball hin und her, sodass Coman schließlich aus zwölf Metern das zweite Tor erzielte. Symptomatisch war auch das dritte Gegentor: Einen Kimmich-Eckball konnte Gnabry in aller Ruhe annehmen, sich den Ball zurechtlegen und schließlich ins Tor schießen – die gesammelte Kölner Defensive konnte diesen Abschluss nicht verhindern. Und auch jenseits der Tore war es den Gästen zu leicht möglich, zu Torgelegenheiten zu kommen: Kimmich prüfte Horn aus der Distanz, ein weiteres Mal traf er den Pfosten. Timo Horn verhinderte im Eins-gegen-Eins das nächste Gegentor gegen Gnabry, auch Thiago versuchte es. Zwischenzeitlich stand es wirklich schlimm um den 1. FC Köln.

Steigerung des FC, Nachlassen des FCB nach der Pause

In eigenem Ballbesitz hatte der FC auch große Schwierigkeiten, seinen Plan umzusetzen. Die erste Umschaltgelegenheit nach etwa elf Minuten war im Grunde relativ aussichtsreich, das lange Zögern Hectors bis zum Pass und die letztliche Ausführung (halbhoch) verhinderten, dass Cordoba mehr Tempo aufnehmen konnte. Ansonsten sah es so aus wie häufig zuletzt beim FC: Vier Spieler in letzter Linie, dann lange Bälle hinter die Abwehr des Gegners. Durch die individuelle Qualität der Münchner Verteidiger hatte Cordoba an diesem Tag wenig Möglichkeiten, seine Fähigkeiten in der Ballbehauptung zur Geltung zu bringen. Insgesamt kam der FC im ersten Durchgang zu genau einem Abschluss – die Bayern versuchten es 18 Mal.

Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

 

Besser wurde es dann erst nach der Pause: Woran das nun genau lag, lässt sich schwerlich rekonstruieren. Fest steht, dass die Bayern im Gefühl des sicheren Sieges ein paar Gänge zurückschalteten, während der FC fortan endlich die notwendige Intensität aufs Feld brachte. Cordobas Tor nach 46 Minuten wurde wegen Abseits zurückgenommen, der aktive Kainz (der Österreicher kam für den verletzten Noah Katterbach) versuchte sich immer wieder an Hereingaben und Abschlüssen. Zudem verschob der FC ein paar Meter nach vorne und setzte die Bayern nun mit einem Angriffspressing unter Druck, was insgesamt mehr Ballgewinne zur Folge hatte. Nach dem 0:4 durch Gnabry (66. Minute) erzielte der FC nach 70 Minuten den Ehrentreffer durch Uth nach einem guten Ballvortrag über Cordoba und einer passenden Kainz-Hereingabe.

Bonusspiel verloren, Probleme aufgezeigt bekommen

Und auch danach gab es noch Chancen, weil die bayerische Defensive nach einigen Wechseln nicht mehr so konsequent agierte wie zuvor. Cordoba und Modeste hätten durchaus noch weitere Treffer für den FC erzielen können. Am Ende jedoch stand der verdiente Sieg der Bayern, die den Kölner Gastgebern speziell am Anfang die Grenzen aufzeigten. Die psychologische Komponente in der Beurteilung dieser Partie darf nicht ausgeklammert werden, weil der FCB im zweiten Durchgang in den Entspannungsmodus schaltete – auch wenn der FC dort viele Dinge besser machte. In der Analyse muss daher dringend darüber gesprochen werden, wieso es wiederholt passiert, dass der FC die Anfangsphase nicht konzentriert gestalten kann.

Gegen Gegner wie den VfL Wolfsburg mag das nicht so schwer ins Gewicht fallen, gegen die Top-Teams der Liga hingegen schon – jedes Mal einer Hypothek aus den Anfangsminuten hinterherzurennen, darf daher keine Gewohnheit werden. Erst, als der FC diejenigen Dinge umsetzte, die ihn zuletzt so stark machten (Aggressivität, Intensität im Anlaufen, Tempohärte), wurde es besser. Diese Take-Aways sind speziell für die kommende Aufgabe in Berlin von Interesse, weil der 1. FC Köln dort wieder auf einen Gegner auf Augenhöhe trifft. Am Samstag muss Markus Gisdol aber auf die Dienste von Noah Katterbach (verletzt) und Sebastiaan Bornauw (gesperrt) verzichten – daher bietet sich für zwei Spieler die Möglichkeit, die Mannschaft zu unterstützen.

Hinweis: Autor Arne Steinberg war in der Rasenfunk-Schlusskonferenz zu Gast, um über den 1. FC Köln und das Spiel gegen Bayern München zu sprechen. Hier geht es zum Podcast.

 

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