Folge uns
.

Meinung

Fanartikelkatalog des 1. FC Köln: Maßlos in die Vollen

Der neue Fanartikelkatalog des 1. FC Köln sorgt bei unserem Autor für viel Kopfschütteln – Geschmäcker sind zwar verschieden, aber irgendwo reicht’s dann doch.

Foto: effzeh.com/Fanartikelkatalog 1. FC Köln

Am 1.FC Köln kommt niemand vorbei. Das dürfte klar sein. Wir sind unschlagbar, auf Jahre hinaus. Mehr geht nicht. Was sonst sollen uns diese 103 bunt bedruckten Seiten sagen, die sich da „Fanartikelkatalog“ nennen? Eine kleine Reise durch geschmackliche Verirrungen, Absurditäten und unangebrachte Maßlosigkeit. Geschmäcker sind verschieden, das muss ich ja am Anfang dieses Textes schreiben. Denn einerseits ist es wahr und andererseits fühlt sich sonst womöglich der ein oder andere angegriffen, den ich gar nicht meine. Es ist völlig in Ordnung, sich den neuen Fanartikelkatalog des glorreichen 1.FC Köln zu schnappen und sich für die neue Saison auszustatten oder dem Neffen etwas Nettes zum Geburtstag auszusuchen. Doch so richtig gelungen ist das Teil aus meiner Sicht eben nicht. Gehört auch zur Wahrheit.

Mit dem Heimtrikot beginnt das Elend

Und das geht natürlich los mit diesem Heimtrikot. Liebe Designer von Uhlsport, ich weiß auch nicht. Wie soll ich es sagen, es irgendwie ausdrücken, ohne knapp daneben zu liegen – wobei genau das habt ihr ja auch gemacht. Irgendwie schräg, leicht schief, nicht ganz genau. So hängt er da, der rote Strich. Aber wo überhaupt? So richtig auf der Brust hängt er ja nicht, irgendwie darüber, aber doch noch unter dem Schlüsselbein von Marcel Risse, der das Teil im Katalog präsentieren darf.

Wenn ich mir Risses Blick so ansehe, habe ich das Gefühl, dass er auch nicht so richtig weiß, was das soll. Andererseits, kann ihm ja egal sein. Solange das Trikot gut sitzt und ihm genügend Bewegungsfreiheit zum Jubeln nach Freistoßtoren aus 40 Metern lässt. Was solls.

Nun ist das Merchandising des effzeh aber ja hochprofessionell. Europäisch geradezu. Also ist es nur konsequent, die schiefe Linie auch gnadenlos durchzuziehen. Eine Wiedererkennbarkeit schaffen, nennt man das wohl. Ja, Jungs und Mädels aus dem Marketing, das hat geklappt. Glückwunsch. Denn der schiefe Strich, über welchem auf dem Trikot wasserzeichenartig das effzeh-Logo prangt (zusätzlich zum wie immer gestickten Logo natürlich, doppelt hält besser), dieser Strich existiert auf der Freizeitbekleidung der Profis – so nennt sich das – dann erneut. Mal als Strich, wie auf dem Trikot, mal als Grenze zwischen zwei Farben. In den klassischen effzeh-Farben navyblau und hellblau nämlich. Diese völlig verunglückte Kombination soll ich jetzt wo genau anziehen?

Muss man wirklich jeden Scheiß mitmachen?

Leider sind wir jetzt bereits auf Seite 35 angelangt. Denn da geht es endlich in die Männerabteilung. Shirts für echte Männer. Mit Drucken aus der Hölle. Dieter Bohlen ist Botschafter der an Hässlichkeit kaum zu überbietenden Marke „Camp David“. Der effzeh hat versucht, es zu überbieten. In Teilen kann man hier durchaus Erfolge verzeichnen. Niemand reicht dem glorreichen 1.FC Köln das Wasser. Niemand.

Auch interessant
Der 1. FC Köln zwischen Karnevalsverein und Krisenherd: "Wollen Sie sich mit mir auf Fußball konzentrieren?"

Aber genug der visuellen Verirrungen. Da kann man ja, wie gesagt, durchaus anderer Meinung sein. Dann polarisieren die Produkte eben, das ist doch was. Trotzdem bleibe ich kritisch. Denn wer „spürbar anders“ sein will, der hat auch mit so etwas recht banalem wie einem Fanartikelkatalog eine Chance. Ein Club kann sich über Fanartikel Meriten erwerben. Wenn er wirklich spürbar anders ist. Wenn er eben nicht jeden Scheiß mitmacht. Wenn er eben nicht alles anbietet, was man anbieten kann.

Manchmal ist weniger mehr – auch bei Fanartikeln

Es ist ja noch völlig in Ordnung einen Hennes „in Originialgröße“ von Steiff im Programm zu haben. Das hat ja beinahe Klasse. Immerhin ist das ein traditionsreiches Unternehmen – was allerdings eben stolze Preise verlangt. Der Hennes kostet folgerichtig 1948 €. Auch andere Dinge auf den Kinderseiten haben stolze Preise, etwa das Laufrad „Üvverhole unzolässig“ und das Schaukelpferd für je 99,95 €. Doch muss man wirklich alles anbieten? Pappteller, Partypicker, Muffinförmchen? Nichts gegen eine effzeh-Tasse, gerne, wem’s gefällt, aber man hätte eben auch mal ein Statement setzen können.

Alles, was zu viel Müll macht: raus.

Alles, was nicht fair produziert wird: raus.

Alles, was einfach nur Schrott ist: raus.

Es würden immer noch 30 Seiten bleiben. Von mir aus auch mit hässlichen Heimtrikots und Auswärtstrikots mit Kragen, denen man mal zeigen müsste, was ein echter Kragen ist. Aber dann könnte man wenigstens sagen, hey, wir senden eine Botschaft. Gegen zu viel Müll, für faire Arbeitsbedingungen. Aber diese über 100 Seiten lassen mich einfach nur rat- und lustlos zurück. Davon will ich nichts, davon spricht mich nichts an, davon ist nichts spürbar anders. Nichts. Ich will doch meinen effzeh unterstützen. Ich mache doch jeden Quatsch mit und spende für den Pixel-Poldi. Aber das hier? Das hat meinen Papiermüll soeben 2 Zentimeter mehr gefüllt.

Mehr aus Meinung

.