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Analyse

Heimniederlage gegen Berlin: Defensive des 1. FC Köln wirft Fragen auf

Viel lief nicht zusammen beim 1. FC Köln am Sonntag gegen Hertha BSC. Hinzu kamen noch erhebliche defensive Schwächen, die besorgniserregend wirken.

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Im Vorfeld der Partie gegen Hertha BSC herrschte beim 1. FC Köln so etwas wie eine leichte Aufbruchstimmung – die vermeintlich schwierigeren Spiele lagen, so die allgemeine Lesart, hinter dem Aufsteiger. Mit den Hauptstädtern kam eine Mannschaft in die Domstadt, die auch holprig in die Saison gestartet war, zuletzt aber gegen Paderborn einen kleinen Befreiungsschlag landen konnte. Insgesamt war für das Spiel im Rahmen des exponierten Sendetermins am Sonntagnachmittag jedoch kein Spektakel zu erwarten gewesen, bei dem beide Mannschaften die Sterne vom Himmel spielen würden.

Die „Geißböcke“ mussten für das dritte Heimspiel der Saison gar einige wichtige Figuren ersetzen: In der Viererkette fehlten Kingsley Ehizibue (gesperrt) und Rafael Czichos (noch geschwächt nach Krankheit), für sie rückte Benno Schmitz bei seinem Saisondebüt ebenso in die Startelf wie Jorge Meré. In der Viererreihe im Mittelfeld starteten Ellyes Skhiri und Marco Höger auf der Doppelsechs, die Außenbahnen besetzten Dominick Drexler und Florian Kainz. Neben Modeste stürmte Jhon Cordoba.

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Das Spiel selbst begann dann denkbar unglücklich für den FC: Kreativspieler Drexler, eminent wichtig für das ohnehin noch lahmende Offensivspiel des Aufsteigers, verletzte sich in einer Aktion nach zwei Minuten und musste daher ausgetauscht werden. Für ihn kam Kingsley Schindler, ein Spieler mit sehr viel Tempo und Drang nach vorne. Eine weitere Alternative wäre Louis Schaub gewesen. Vielleicht lässt sich Beierlorzers Entscheidung durch die höhere Endgeschwindigkeit von Schindler erklären, der gegen Herthas Dilrosun verteidigen sollte.

Drexlers Ausfall lähmt Kölner Angriffsspiel

Zu Beginn der Partie überließ die Hertha dem FC den Ball und spielte Mittelfeldpressing, bei dem sich die vordersten Offensivspieler im 4-4-2 der Hauptstädter etwa 15 Meter jenseits der Mittellinie positionierten. Davie Selke und Vladimir Darida liefen an, wobei gerade der Tscheche sich verstärkt um Ellyes Skhiri kümmerte. Die Gäste versuchten durch einen Dreieraufbau den Ball ins Mittelfeld zu tragen, Per Skjelbred oder Marko Grujic ließen sich fallen. Wie auch in den letzten Spielen orientierte sich Skhiri in höhere Räume, um dort gleich gegen einen der Herthaner Aufbauspieler zu pressen.

Dadurch, dass mit Drexler die Anlaufstation für die Kombinationen in der Offensive früh ausgewechselt werden musste, entwickelte sich ein sehr eindimensionales Angriffsspiel des 1. FC Köln. Wie bereits häufig in dieser Saison zu erkennen war, lag das Mittel der Wahl in Durchbrüchen und Flanken von außen. Nach 14 Minuten hatte Cordoba die beste Gelegenheit, als er eine Flanke von Hector nicht gut verwertete und Jarstein noch eingreifen konnte. Unruhe entstand eigentlich nur, wenn Hector zwischen den Linien anspielbar war und von dort aus mit Gesicht zum gegnerischen Tor aufdrehen konnte.

Verteidigung des 1. FC Köln: Ist das noch Bundesliga-tauglich?

Den Gästen gelang zu Beginn wenig, erst eine Hereingabe von Mittelstädt nach etwas mehr als 20 Minuten sorgte für etwas Gefahr. Mit dem ersten Schuss aufs Tor ging der Berliner Sport-Club dann in Führung: es war ein Tor, wie es in der Bundesliga eigentlich nicht fallen darf. Bei einem ungefährlichen Einwurf auf der rechten Seite in etwa 20 Meter vor der Torauslinie stand die Defensive des 1. FC Köln zu tief, wenngleich Selke und Wolf ausnutzen wollten, dass es bei dieser Standardsituation kein Abseits gibt.

Da allerdings weder Cordoba noch Modeste zurück verteidigten, war der gesamte Raum im Mittelfeld offen und nicht durch einen verteidigenden Spieler des 1. FC Köln besetzt. Grujic konnte nach dem Einwurf in aller Ruhe den Ball kontrollieren und zwischen den Linien Darida finden, der 18 Meter vor dem Tor unbedrängt dribbeln konnte. Es war kein sonderlich gutes Dribbling des Tschechen, der den freien Raum nicht wirklich ausnutzte. Höger entschied sich dann, einen Zweikampf zu führen, den er verlor – in seinem Rücken war Dilrosun frei und schoss aus der Distanz das 0:1 (23.)

Acht Kölner verteidigen den Raum und lassen das Zentrum offen| Foto: Screenshot Sky

Die nächsten torgefährlichen Szenen nach dem Führungstor der Gäste waren Konter, die der FC nicht absichern konnte: Erst verpasste Selke eine Hereingabe von Wolf, dann schickte Jarstein mit einem Abschlag Dilrosun auf die Reise, der erst Schmitz ausspielte und dann den Ball auf die Latte setzte (36.). Nach dem Platzverweis gegen Meré musste der FC erneut umstellen, Höger wurde linker Innenverteidiger.

Die Gegner kommen zu einfach zu Torerfolgen

Die Grundordnung für die restliche Spielzeit war dann ein 4-2-3 mit Kainz und Skhiri auf der Sechs, Cordoba übernahm die linke Offensivseite. Mit Beginn der zweiten Halbzeit überließ die Hertha den Kölnern wieder den Ballbesitz, die allerdings bis auf einen Abschluss von Modeste nach 49 Minuten nicht viel zustande brachten. Das Spiel entschied sich dann schnell, innerhalb von fünf Minuten traf der eingewechselte Ibisevic doppelt. Und auch hier kamen die Gäste zu leicht zu Abschlusssituationen.

Vor dem 0:2: Bornauw hat nur Augen für den Ball, Ibisevic zeigt bereits vor der Hereingabe seinen Laufweg an | Foto: Screenshot Sky

Beim 0:2 nach 58 Minuten orientierte sich Bornauw nur im Raum, ohne den in seinem Rücken lauernden Ibisevic im Auge zu behalten. Der Bosnier wählte einen Stürmer-typischen Laufweg und wurde von Klünter mit einem Rückpass bedient, den er trocken verwertete. Beim 0:3 nahmen weder Cordoba noch Kainz einen simplen Laufweg des Ex-Kölners auf, der sich erneut in deren Rücken freispielte und mit einem Pass auf Außen Darida einsetzte. Bei der Flanke des Tschechen hatte wieder Bornauw nur Augen für den Ball, Ibisevic spritzte dazwischen und markierte das 0:3 aus Kölner Sicht.

„Alls, was schieflaufen kann, ist heute schiefgelaufen“

In Unterzahl war das Spiel natürlich gelaufen, die Gäste setzten durch Boyata nach einem Eckball in der 83. Minute noch einen drauf. „Alles, was schieflaufen kann, ist heute schiefgelaufen. Es fängt in der zweiten Minute an, wo Dominick Drexler sich in der ersten Aktion verletzt“, bedauerte FC-Keeper Timo Horn nach der Partie. Er bemängelte, dass seine Mannschaft sich nicht gewehrt und das Tor nicht verteidigt habe. „Ibisevic kommt rein, hat zwei Aktionen und macht zwei Tore, aber einfacher als wir kann man es ihm nicht machen in diesen Situationen. Da müssen wir viel aggressiver dranbleiben und verteidigen“, lautete sein Fazit.

Gerade diese beiden Tore werfen viele Fragezeichen auf, weil sie in ihrer Entstehung aufzeigen, dass viele Aspekte im Spiel des 1. FC Köln aktuell nicht bundesliga-tauglich erscheinen. Faktoren wie Spielpech (Drexlers Verletzung und Merés Platzverweis) dürfen natürlich in der Analyse nicht ausgeklammert werden, aber wenn eine bestenfalls durchschnittliche Mannschaft wie Hertha BSC so einfach zu vier Toren in Müngersdorf kommt, fällt es schwer, sich vorzustellen, dass es langfristig zu mehr Punktgewinnen für den 1. FC Köln reicht.

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