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Analyse

Niederlage in München: Verprügelt worden, aber gute Phasen

Der 1. FC Köln verliert in München mit 0:4, präsentiert sich aber insbesondere in der ersten Halbzeit durchaus konkurrenzfähig. Unsere Analyse darüber, warum das Spiel trotzdem verloren ging.

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Zugegeben: Mit einem einem und deutlichen Auswärtssieg des 1. FC Köln hatte im Vorfeld wahrscheinlich niemand gerechnet. Das Ergebnis des Auswärtsauftritts beim Rekordmeister ist in Vor- und Nachbereitung nicht das Einzige, worauf sich Trainerteam und Mannschaft fokussieren sollten – vielmehr geht es bei einem Spiel gegen eine Mannschaft, die individuell und mannschaftlich derart überlegen ist, um die Art und Weise. Dass es für einen Punktgewinn beim FCB einen absoluten Ausnahme-Tag braucht, zeigte sich in dieser Saison bereits bei einem anderen Spiel: Der 1. FSV Mainz 05, eine Mannschaft aus demselben Regal wie der 1. FC Köln, zeigte gegen den Branchenprimus am 3. Spieltag eine gute Leistung in den ersten 30 Minuten, ging sogar in Führung – das Endergebnis lautete allerdings 6:1 für die Münchner. Eine normale und durchschnittliche Bundesliga-Mannschaft kann gegen Kovac‘ Mannschaft nur über einen begrenzen Zeitraum mithalten, den Mainzern gelang das über eine halbe Stunde lang.

Vielleicht hatte sich Achim Beierlorzer im Vorfeld der Partie die Mainzer auch als Vorbild genommen, die mutig und mit hoher Laufintensität dafür sorgten, dass das bayerische Kombinationsspiel nicht wirklich ins Laufen kam. Diese Elemente zeigten sich auch beim 1. FC Köln, der personell leicht verändert im Schlauchboot-Stadion antrat. Marco Höger komplettierte neben Ellyes Skhiri die Doppelsechs, über die offensiven Außen sollten Kainz und Schindler ihr Tempo einbringen. Im Sturm spielten Cordoba und Drexler. Der Plan der Kölner ging speziell in der ersten Halbzeit ganz gut auf, wenn man vom Ergebnis mal absieht: insbesondere im Zeitraum nach etwa einer Viertelstunde kamen die Gäste gut ins Spiel, verhinderten Torabschlüsse der Bayern und hatten selbst Möglichkeiten auf einen Torerfolg.

Gutes Kölner Gegenpressing in einigen Momenten

In dieser Phase war am besten zu erkennen, wie Beierlorzer dem Münchner Starensemble entgegentreten wollte: der laufstarke Skhiri kümmerte sich um einen der beiden Achter (Tolisso oder Coutinho, meistens aber der Franzose), während Dominick Drexler mannorientiert gegen Joshua Kimmich verteidigte. In der Folge ergab sich meistens eine 4-1-4-1-Staffelung, die als durchaus mutig bezeichnet werden kann. Zudem gelang es dem Bundesliga-Aufsteiger in dieser Phase ganz gut, die hohe Laufintensität auf den Außenbahnen zu nutzen, um Entlastung zu schaffen. Kingsley Ehizibue versuchte sich immer wieder im Eins-gegen-Eins, auf der anderen Seite war es Florian Kainz, der in erster Linie durch Flanken versuchte, Torgefahr heraufzubeschwören.

Durch die hohe Positionierung der Kölner Sechser ergab sich allerdings meistens eine Konstellation, in der auch die Kölner Innenverteidiger im Gegenpressing weit weg vom eigenen Tor verteidigen mussten. Denn wenn in diesem Stil zwei Spieler absolut entscheidend sind, dann sind es die Innenverteidiger. Sie müssen während des Gegenpressings nachrücken und verhindern, dass sie die Offensivspieler (in diesem Fall sowieso keine schlechten) aufdrehen und mit Tempo Richtung Kölner Tor dribbeln konnten. Bornauw und Czichos hatten in dieser Phase einige Zweikämpfe, die sie für sich entschieden und somit den Druck auf das Aufbauspiel der Bayern aufrechterhielten. Fairerweise sei aber auch dazu gesagt, dass diese Art zu verteidigen nicht zu Unrecht als Harakiri bezeichnet wird, wenn sie schiefgeht.

Zweite Halbzeit: Beginn verschlafen, dann in Unterzahl

Der größte Erfolg für die Kölner an diesem Nachmittag war die Tatsache, dass die Bayern nicht zu ihrem strukturieren Spiel fanden. Das Endergebnis von 0:4 aus Kölner Sicht steht dem natürlich gegenüber, aber auch das lässt sich erklären. Bereits nach drei Minuten rutschte Skhiri im Pressing gegen Tolisso weg, Aufbauspieler Kimmich hatte zwischenzeitlich einen Laufweg in die Tiefe gewählt. Tolisso passte den Ball ins Zentrum zu Tolisso, der von vorne durch Drexler und von hinten durch Czichos gepresst wurde – der Brasilianer ließ allerdings das Tempo im Pass und den Ball auf Kimmich durch. Der deutsche Nationalspieler konnte dann auf die Dreierkette Ehizibue, Bornauw und Hector zudribbeln, die die Mitte nicht mehr geschlossen bekamen. Der Pass auf Lewandowski endete im achten Saisontor des Polen – der FC lag nach drei Minuten zurück. Der Plan, lange auf 0:0 zu spielen, war bis dato ganz gut aufgegangen.

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Auch danach kamen die Bayern zu Abschlüssen, Coutinho traf beispielsweise den Pfosten. Auch Perisic zeigte sich immer wieder gefährlich. In der Nachspielzeit hätte Lewandowski dann auch schon auf 2:0 erhöhen müssen. Doch es ging zuerst noch mit dem knappen Ergebnis in die Pause. Und auch im zweiten Durchgang sollte ein frühes Tor entscheidend sein: Aus einer vermeidbaren Ecke setzte sich Lewandowski gegen Czichos durch und köpfte zum 2:0 ein – spätestens ab hier ging es nur noch um Schadensbegrenzung für die Kölner. Einen tiefen Laufweg von Coutinho, der Höger entwischte, bekamen die Kölner nicht vertedigte – Ehizibues leichter Einsatz gegen den Brasilianer war der Grund für einen Strafstoß-Pfiff und den Platzverweis gegen den Kölner Rechtsverteidiger. Barcelonas Leihgabe, der an diesem Tag starke sieben key passes spielte, verwandelte zum 3:0.

Art und Weise insgesamt okay

Die Folgezeit von einer halben Stunde verbrachte der FC dann in Unterzahl und mit einem deutlichen Rückstand im Rücken. Bemerkenswert: Beierlorzer forderte von seiner Mannschaft nach wie Aktivität. Ein Ballverlust von Höger und Skhiri sorgte dann für das 0:4, weil Coutinho den startenden Perisic einsetzte, der Horn keine Chance ließ. Die restliche Spielzeit überstand der FC dann schadlos. Und wie gesagt: Es ging an diesem Tag nicht wirklich um das Ergebnis, sondern um die Art und Weise, wie sich die Mannschaft präsentierte. Und wenn dann etwa eine halbe Stunde positiv bewertet wird, ist für eine Mannschaft wie den 1. FC Köln schon fast das Maximum. „Wir konnten immer mehr das Spiel spielen, das wir spielen wollten und mit guten Kombinationen raus aus dem Druck kommen und zu Chancen kommen. Ich kann der Mannschaft gar keinen Vorwurf machen. Sie hat es versucht. Sie war mutig und engagiert“, konstatierte Achim Beierlorzer nach der Partie insbesondere in Bezug auf die erste Halbzeit.

Die übliche Ohrfeige abgeholt, aber durchaus mit guten Phasen – nicht mehr und nicht weniger ist die Erkenntnis aus diesem Spiel. Nächste Woche wartet für den FC dann mit Berlin ein Gegner, der auf einem ähnlichen Niveau agiert.

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