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Spielerportraits

Kölns neuer Sechser: Ellyes Skhiri, der tunesische Busquets

Mit Ellyes Skhiri hat der 1. FC Köln den nächsten Sechser verpflichtet und damit eine weitere Baustelle geschlossen. Doch wer ist dieser Tunesier, der den FC verstärkt? Unser Porträt.

Foto: FRANCK FIFE/AFP/Getty Images

Der 1. FC Köln ist auf der Suche nach einem neuen defensiven Mittelfeldspieler fündig geworden: Aus Frankreich wechselt mit Ellyes Skhiri ein tunesischer Nationalspieler in die Domstadt und soll dort mithelfen, die Mannschaft wieder in der Bundesliga zu etablieren. Zuvor hatte es lange Gerüchte um eine mögliche Verpflichtung von Marvelous Nakamba vom FC Brügge gegeben, der dem Vernehmen nach auch bereits seinen Wechselwunsch nach Köln kundgetan hatte. Durch die Verpflichtung des 24-jährigen tunesischen Nationalspielers sind die Planungen für das Mittelfeld nun abgeschlossen, gesucht wird bei den „Geißböcken“ nun nur noch ein Innenverteidiger. Die bisherigen externen Neuzugänge Kingsley Schindler, Julian Krahl, Kingsley Ehizibue und Birger Verstraete hatten in der Vorbereitung bis dato durchaus einen guten Eindruck hinterlassen.

Doch wer ist eigentlich der zweite defensive Mittelfeldspieler, der im präferierten 4-4-2-System von Trainer Achim Beierlorzer den defensiven Part übernehmen soll? Ellyes Skhiri wurde 1995 in Lunel in der Nähe von Montpellier in Südfrankreich geboren. Er ist der Sohn eines ehemaligen Profifußballers, der lange Jahre in der zweiten französischen Liga, vor allem bei Béziers, aktiv war.

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Als kleiner Steppke wurde der Neuzugang des 1. FC Köln auf diese Weise mit dem Profifußball sozialisiert – in einem Porträt auf der Homepage seines ehemaligen Clubs HSC Montpellier sagte er später: „Ich habe den Fußball gelernt, als ich bei Auswärtsspielen mitgereist bin. Und natürlich auch im Garten und beim Spielen mit den Nachbarn.“ Seine Ausbildung begann dann im Alter von sieben Jahren bei seinem Heimatverein in Lunel, den er erst 2010 Richtung Montpellier verlassen sollte.

Ellyes Skhiri verlässt seinen Herzensklub aus Montpellier

Skhiri hatte dabei eigentlich als offensiver Mittelfeldspieler angefangen, aber aufgrund seiner Ausdauer und Athletik setzten ihn die Jugendtrainer bei Montpellier zunehmend in einer defensiveren Position ein. Im März 2015 gab der Franko-Tunesier dann sein Debüt als Profi bei Montpellier, damals noch als Außenverteidiger. Das Aufnahmeritual in den Kreis der Profis erledigte Skhiri zwar nicht ganz fehlerfrei, seine Interpretation des Liedes „Formidable“ des belgischen Musikers Stromae besiegelte dann aber seinen Status als feste Figur im Kader des französischen Meisters von 2012.

Ellyes Skhiri bei einer Pressekonferenz Tunesiens während der WM 2018 | Foto: FADEL SENNA/AFP/Getty Images

Seit seinem ersten Einsatz kommt er auf insgesamt 123 Spiele in der Ligue 1, bei denen er zehn Tore erzielen und fünf Vorlagen beisteuern konnte. In dieser Zeit entwickelte sich die Integrationsfigur auch zum Vizekapitän. Über seinen „Herzensklub“, für den er bereits als Kind spielte und dessen Partien er früher aus der Fankurve verfolgte, sagte er bereits vor einigen Jahren: „Hier bin ich zuhause, hier habe ich alles erlebt.“

Vorrangig in der Defensive mit Akzenten nach vorne

Seinen Spielstil beschrieb er gegenüber der vereinseigenen Homepage wie folgt: „Ich mag es gerne, mit nach vorne zu gehen, selbst wenn ich vor allem defensiv arbeiten und die Abwehr schützen muss. Aber es macht auch Spaß, am Offensivspiel teilzunehmen“, so Skhiri. Er ergänzte: „Ich unternehme viele Anstrengungen, um möglichst viele Bälle zu erobern.“ Aber auch einen Entwicklungsbedarf hatte er bei sich ausgemacht: „Ich muss mich weiterentwickeln in der Entscheidungsfindung, schneller das Spiel lesen und den Ball sauberer weiterspielen.“ Auch in der offensiven Spielphase gute Aktionen zu liefern und das Spiel von dort aus anzukurbeln, gehörte daher zu seinen großen Entwicklungsaufgaben. Ultimativ, so gestand er dem Internetportal „Goal“ im November 2017, wolle er auch mehr Tore und Assists beisteuern.

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Auch als Nationalspieler Tunesiens kann Skhiri bereits von einigen Erfahrungen profitieren: Im vergangenen Jahr nahm er an der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland teil und spielte dort in der Gruppenphase gegen England, Belgien und Panama jeweils über 90 Minuten. „Es war eine sehr schöne Erinnerung, eine Weltmeisterschaft liefert unvergessliche Momente in einer Karriere. Diese gewisse Atmosphäre macht es zu etwas ganz Besonderem“, schwärmte er nach der Rückkehr aus Russland. Er hätte auch für Frankreichs Nationalmannschaft auflaufen können, was bei der Leistungsdichte aber durchaus schwierig hätte werden können, weswegen er sich im Frühjahr 2018 letztlich für Tunesien entschied.

Bis Mitte Juli beim Afrika-Cup aktiv

Auch beim Afrika-Cup in diesem Jahr gehörte er zu den absoluten Stammspielern und verpasste keine Sekunde. In der Gruppenphase spielte Tunesien dreimal Unentschieden, im Achtelfinale gewannen die „Adler von Karthago“ nach Elfmeterschießen gegen Ghana. Den ersten wirklichen Sieg gab es dann im Viertelfinale gegen Madagaskar. Das Halbfinale gegen den Senegal ging in der Verlängerung verloren, auch im Spiel um Platz drei waren die Tunesier dann gegen Nigeria unterlegen. Nach einer langen Saison mit 37 Ligaspielen (nur einmal nicht im Kader) und mehr als 3.000 Spielminuten war Skhiri somit bis Mitte Juli voll beansprucht, sodass er erst wieder im August die Vorbereitung auf die neue Saison aufnehmen dürfte und daher ein wenig Rückstand mitbringen könnte, wenn er beim 1. FC Köln in den Pflichtspielbetrieb einsteigt.

Bald auch in der Bundesliga ein Duell: Skhiri gegen Witsel | Foto: Catherine Ivill/Getty Images

Aktuell liegen seine Stärken darin, im Raum vor der Viererkette Bälle zu erobern. Dabei verlässt er sich auf seine Fähigkeiten in der klassischen „Interception“, dem Abfangen des Balles aus dynamischen Aktionen durch die Antizipation eines Pass- oder Laufwegs. Im direkten Zweikampf erinnert Skhiri ein wenig an Sergio Busquets, weil auch der spanische Nationalspieler durch sein „langes Bein“ immer wieder Bälle gewinnt – Skhiri gewinnt auf diese Weise auch viele Bälle im Tackling. Was man bisher von ihm sehen konnte, legt auch nahe, dass seine Folgeaktionen in der Spielauslösung durchaus zu gefallen wissen: Der 23-malige tunesische Nationalspieler spielt meistens mit einem oder zwei Kontakten den Ball weiter und verstrickt sich nicht in unnötigen Zweikämpfen.

Eine sinnvolle Verpflichtung für geringes Geld

Mit einem Ballgewinner dieser Art, der in der Lage ist, den Sechserraum durch seine Athletik zu schützen und seine Fähigkeiten in der Balleroberung einzubringen, kann der 1. FC Köln eine bereits seit langer Zeit existierende Problemstelle schließen. Der letzte Sechser dieser Art war wohl Kevin Vogt, der den FC dann nach Hoffenheim verließ. Zusammen mit dem etwas offensiver agierenden, spielmachenden Birger Verstraete könnte das neue Duo des Bundesligaaufsteigers berechtige Ambitionen anmelden, um in der kommenden Saison den Großteil der Spiele in dieser Konstellation zu bestreiten.

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Dass Skhiri für den 1. FC Köln finanzierbar war, lag in erster Linie daran, dass sich der 24-Jährige mit seinem Ausbildungsverein Montpellier nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen konnten. Laurent Nicollin, Sohn des früheren charismatischen Vereinspräsidenten Louis Nicollin, sagte im April: „Wenn es ein finanzielles Modell gibt, das uns interessiert, könnte er gehen. Ansonsten absolviert er sein letztes Jahr im Vertrag bei uns. Das wollen aber weder wir noch er.“

Durch diese Konstellation war es dem Bundesliga-Aufsteiger möglich, Skhiri zu verpflichten. Mit ihm hat der 1. FC Köln einen guten und fähigen Spieler verpflichtet, der eine Baustelle füllt und gleichzeitig noch einen guten Charakter mitzubringen scheint. Diskret, geradlinig und ehrlich – so wird er beschrieben. Wenn er seine Qualitäten auch in Köln zeigen kann, dann dürfte sein Weg auch hier ein erfolgreicher sein.

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