ANZEIGE

Nach dem 1:1-Unentschieden gegen den 1. FSV Mainz 05 schwinden die Hoffnungen auf den Klassenerhalt des 1. FC Köln immer weiter – dieses Mal fehlte es auch an Aggressivität.

Mit Eigen- und Fremdwahrnehmung ist das ja immer so eine Sache. Viele effzeh-Fans mögen denken, der 1. FC Köln sei der großartigste Verein im Universum und die aktuelle Schwächephase auf Tabellenrang 18 (danke dafür, Schalke!) läge einzig und allein daran, dass sich alle sichtbaren und unsichtbaren Mächte des Fußball-Kosmos (VAR, Gegner, DFB, UEFA, Pablo De Blasis) gegen den ersten deutschen Bundesliga-Meister verschworen hätten. Nur ein Sieg, dann wäre man wieder dran – und man würde es allen zeigen mit einer Last-Minute-Rettung und dem bis dato größten Wunder im Klassenkampf der Fußball-Bundesliga.

Aus einer ferneren Perspektive sieht die ganze Geschichte dann schon wieder ein wenig anders aus: Für den 1. FSV Mainz 05 beispielsweise, selbst wahrlich kein Verein, dessen Mannschaft in der Bundesliga alles in Grund und Boden spielt, war die Aufgabe in Köln am Samstag nun auch keine leichte. Mit einer Niederlage wären die Kölner bedenklich nahe gekommen, weswegen es das Ziel von Sandro Schwarz war, in der Domstadt zumindest nicht zu verlieren und im besten Fall dreifach zu punkten. In der Länderspielpause hatten die Mainzer eine Endrunde ausgerufen, in der es nur um den Klassenerhalt geht – mit dem Spiel gegen den effzeh wurde diese jetzt eingeläutet. Auch nicht schlecht, die letzten sechs Spiele als solche zu titulieren – das ist wenigstens ein überschaubarer und begrenzter zeitlicher Rahmen. In Köln ging man jedenfalls direkt die ganze Rückrunde mit 17 „Endspielen“ an.

Mentalität als Faustpfand im Abstiegskampf

Nun wurde die Partie zwischen den beiden Karnevalsvereinen noch ein wenig „endspieliger“ als sonst, weil es eben ein Sechs-Punkte-Spiel war – und dementsprechend forderte Schwarz, dass seine Mannschaft die nötige „Mentalität“ auf den Platz bringen müsse. Im Kampf um den Klassenerhalt kann Mentalität nämlich vielleicht etwas häufiger Talent schlagen, als dass vielleicht sonst der Fall ist. Und die größere Mentalität schienen die Mainzer dann auch mitzubringen: Gewiss, Pablo De Blasis‘ Schwalbe im Hinspiel hat einen faden Beigeschmack hinterlassen und auch Giulio Donati ist sicherlich kein Sympathieträger. Die Art und Weise allerdings, wie beide den unbedingten Willen ausstrahlen, ihrer Mannschaft helfen zu wollen, nötigt Respekt ab.

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Donati und De Blasis: Aggressive Mainzer Leader

Das zeigte sich in mehreren Szenen: Zuerst natürlich bei De Blasis‘ Ausgleichstor und dem leidenschaftlichen Jubel, bei dem es kurzzeitig so aussah, als würden sich beide an die Gurgel gehen wollen. Später flog Donati dann völlig zurecht vom Platz, war aber wenigstens so clever, seiner Mannschaft ein wenig Ruhe zu verschaffen, in dem er demonstrativ langsam vom Platz schritt und so (zurecht) die Kölner Seele zum Kochen brachte. Zwischenzeitlich gifteten sich im Mainzer Team dann Quaison und Adler an, weil Ersterer zwar noch gerade so gegen Bittencourt klären konnte, zuvor allerdings nicht intensiv genug verteidigt hatte – es war deutlich zu spüren, dass der Aggressions-Level bei den Gästen hoch war.

Auf der nächsten Seite: Woran es dem 1. FC Köln fehlt

1 2
Teilen:

Der Kommentarbereich ist geschlossen.