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Druck von Wolf, Wehrle und Altinternationalen: Müller-Römer tritt als MR-Vorsitzender zurück

Der Mitgliederrat des 1. FC Köln muss sich einen neuen Vorsitzenden suchen. Nach einer langen Sitzung am Mittwochabend erklärte Stefan Müller-Römer seinen Rücktritt.

Werner Wolf mit Stefan Müller-Römer (Archivbild) | Foto: imago images / Herbert Bucco

Stefan Müller-Römer ist nicht mehr länger Vorsitzender des Mitgliederrats des 1. FC Köln. Der Entscheidung vorangegangen waren Diskussionen um Emails des 52-Jährigen, die auf fragwürdige Weise an den Kölner Stadt-Anzeiger durchgesteckt wurden, und deren Inhalt, den das Dumont-Blatt bereitwillig weiterverbreitete, obwohl die Mails zum einen vertraulich waren und zum anderen inhaltlich kaum Anlass dazu boten. Die Wortwahl Müller-Römers hingegen war durchaus diskutabel. Der Jurist bezeichnete eine kleine Gruppe von FC-Anhängern, die vor allem in Sozialen Netzwerken in teilweise beleidigender Form kommentieren, als „AfD-artig“, „Verlierer“ oder „Motzkis“. Zudem erklärte Müller-Römer in dem Briefwechsel mit einem 67-jährigen FC-Mitglied, der sich zunächst um die Möglichkeit einer digitalen Mitgliederversammlung gedreht hatte, der alte Vereinsvorstand und die Geschäftsführung seien für die „katastrophale“ Finanzsituation der „Geißböcke“ verantwortlich.

Die Berichterstattung im KStA zeigte schnell Wirkung: Zunächst suchten die Geschäftsführer Alexander Wehrle und Horst Heldt laut Medienberichten das Gespräch mit dem Vereinsvorstand und erklärten ihrerseits, eine weitere Zusammenarbeit mit Müller-Römer im „Gemeinsamen Ausschuss“ – dort werden beim 1. FC Köln die wichtigen Entscheidungen getroffen – sei für sie nicht mehr denkbar. Wenig später nutzte auch eine Gruppe ehemaliger FC-Spieler, die sich selbst „Altinternationale“ getauft hat, die Gunst der Stunde und forderte bei Präsident Werner Wolf ungeachtet der Absenz jeglicher eigener Ämter beim 1. FC Köln den Rücktritt Müller-Römers.

Mitgliederrat entscheidet sich für Müller-Römer-Rücktritt

Mit dem ehemaligen Vizepräsidenten Toni Schumacher, dem ehemaligen Präsidenten Wolfgang Overath und dem zuletzt angeblich am Vizepräsidentenamt interessierten Stephan Engels gehören mindestens drei bekannte Widersacher des nunmehr ehemaligen Mitgliederratchefs zu der Fraktion, die sich in den letzten Jahren mehrfach sowohl innerhalb der jeweils bekleideten Ämter (Overath, Schumacher) als auch mit öffentlicher Einmischung (Engels) grundsätzlich gegen die Kontrollfunktion des Mitgliederrats oder Müller-Römer als Person gestellt hatten. Beim 1. FC Köln übernimmt der von den Vereinsmitgliedern gewählte Mitgliederrat die Aufgaben eines Aufsichtsrats – soll also den Vereinsvorstand beraten und überwachen.

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Dass das Präsidium hingegen in die Personalentscheidungen dieses Gremiums einzugreifen versucht, ist mindestens außergewöhnlich. Doch Werner Wolf, Eckhard Sauren und der Interimsvizepräsident Carsten Wettich knickten vor Geschäftsführung, Altinternationalen und öffentlichem Druck ein – und forderten Müller-Römer schließlich wie von Angestellten und Vereinslegenden gewünscht zum Rücktritt auf. Diesem Wunsch kam der Mitgliederratsvorsitzende jedoch nicht sofort nach, sondern suchte zunächst die Diskussion im eigenen Gremium.

Von den Mitgliederräten bekam Müller-Römer im Vorfeld der Entscheidung effzeh.com-Informationen zufolge positive Signale, vereinzelt aber auch Gegenwind. Am Mittwochabend diskutierte das Gremium schließlich lange Stunden und sprach sich nach interner Abstimmung für einen Rücktritt des Vorsitzenden aus. Müller-Römer trug die Entscheidung mit und zog sich daraufhin von seinem Amt zurück. Ganz aus dem Mitgliederrat ausscheiden wird der 52-Jährige allerdings nicht, er bleibt dem Gremium als ordentliches Mitglied erhalten.

Der Mitgliederrat (ohne Stefan Müller-Römer) | Foto: 1. FC Köln

Mit dem Abstimmungsergebnis beugte sich das Gremium jedoch nicht nur dem Druck von Vorstand, Geschäftsführung und Altinternationalen, sondern reagierte mit der Entscheidung auch auf interne Uneinigkeit. effzeh.com-Informationen zufolge drohten mindestens zwei Mitgliederräte am Mittwochabend mit ihrem Rücktritt, sollte Müller-Römer weiterhin im Vorsitz verbleiben, darunter Walther Boecker und Engelbert Fassbender. Beide waren Teil der Findungskommission, die das Vorstandsteam um Werner Wolf ins Rennen geschickt hatte. Angesichts dieser schwierigen Lage entschied sich das Gremium bei der finalen Abstimmung mehrheitlich für den Rücktritt Müller-Römers.

Kritik am KStA: FC-Vorstand nimmt Stellung

Der Kölner Vorstand, der zunächst keinerlei kritische Worte für die illegitime Berichterstattung des Kölner Stadt-Anzeigers gefunden und Müller-Römer – im Gegensatz zum Umgang mit der Geschäftsführung – jegliche öffentliche Unterstützung verweigert hatte, reagierte auf die Entscheidung des Mitgliederrats am Donnerstag, noch bevor das Gremium sie öffentlich erklärt hatte. „Der Vorstand des 1. FC Köln hat mit dem Vorsitzenden des Mitgliederrates, Stefan Müller-Römer, über die Hintergründe des am 15. September in einer Zeitung in Ausschnitten veröffentlichten Mailverkehrs mit einem FC-Mitglied gesprochen“, beginnt die Stellungnahme von Wolf, Sauren und Wettich. „Alle waren sich einig, dass es sich um einen vertraulichen Mail-Verkehr handelt. Aufgrund der Vertraulichkeit hätten diese Mails nicht veröffentlicht werden dürfen. Der Vorstand kritisiert, dass diese Mails dennoch von einer Zeitung veröffentlicht wurden.“ Diese Zeitung, deren Vorgehen der Vorstand missbilligte, veröffentlichte vor wenigen Tagen ein Exklusivinterview mit Werner Wolf und Alexander Wehrle.

FC-Vorstand: Wettich, Wolf, Sauren | Foto: imago images / Herbert Bucco

Auch gegen Beleidigungen in den sozialen Medien und manchen Kommentarbereichen, die Müller-Römer schließlich zu seinen harten Kommentaren über Teile der FC-Fans verleiteten, möchte der Vorstand den ehemaligen Mitgliederratsvorsitzen nun – nachdem ihrem Rücktrittswunsch entsprochen wurde – offenbar doch schützen. „Die vielen Verunglimpfungen, die insbesondere in den sozialen Medien in den vergangenen Wochen und Monaten über Gremienmitglieder, namentlich Stefan Müller-Römer, geschrieben worden sind, verurteilt der Vorstand aufs Schärfste. Für Beleidigungen, Drohungen und Aufrufe zur Gewalt haben wir null Toleranz. Der Vorstand hat beschlossen, alle derartigen Äußerungen auf ihre strafrechtliche Relevanz hin zu prüfen und wenn notwendig, Strafanzeige zu stellen.“ Dessen ungeachtet seien „bestimmte Aussagen“ in den Mails von Müller-Römer für den Vorstand „nicht akzeptabel“. Welche genau damit gemeint sind, ließ die Vereinsführung offen.

Mitgliederrat: „Verunglimpfende Artikel in Boulevardmedien sowie vermeintlichen Fachmagazinen“

Die Stellungnahme des Mitgliederrats folgte schließlich wenig später – und fiel durchaus deutlich aus. „Allein die Tatsache, dass der Inhalt einer vertraulichen E-Mail an die Presse durchgesteckt wurde, belegt vor dem Hintergrund der mittlerweile bekannten Hintergründe ein kampagnenartiges Vorgehen der Veranlasser“, bemängelt das Gremium die unsaubere Attacke auf Müller-Römer, aber auch die Diskussionskultur im und um den Club herum. „Stefan Müller-Römer war, in den letzten Monaten verstärkt, Opfer übelster Hetze in den sozialen Medien und verunglimpfender Artikel in mehreren Boulevardmedien sowie vermeintlichen Fachmagazinen.“ Die „daraus entstandenen Verletzungen“ könne das Gremium nachvollziehen. Müller-Römer sei ein leidenschaftlicher Mensch und diese machten Fehler, heißt es weiter. „Mutige und aufrechte Menschen entschuldigen sich für eben diese. Und das hat Stefan Müller-Römer stets getan und er tut es auch in diesem Fall. Er bedauert die unglücklichen Formulierungen in seiner Mail.“

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Der Mitgliederrat hebt zudem ebenso wie der Vorstand in seiner Stellungnahme die Verdienste Müller-Römers hervor. Der Jurist habe sich „immer vorbehaltlos für die demokratische Kultur in unserem Verein eingesetzt, weil der 1. FC Köln den Mitgliedern gehört und nicht an Investoren verkauft werden soll, auch nicht teilweise.“ Diese Bestrebungen werde man sich auch in Zukunft energisch entgegenstellen, kündigt das Gremium an und dürfte damit nicht nur grundsätzlich Stellung beziehen, sondern auch ganz konkret Volker Struth öffentlich Einhalt gebieten wollen. Der prominente Spielerberater, der seit Jahren eine ausgeprägte Zusammenarbeit mit dem 1. FC Köln pflegt, hatte in mehreren Interviews in den letzten Tagen die demokratische Struktur des Vereins attackiert.

Nachfolge im MR-Vorsitz noch offen

Nun gehe es darum, die „sachliche Zusammenarbeit der verschiedenen Vereinsgremien fortzusetzen und weiter zu verbessern, damit diejenigen die das Wohl des Vereins permanent von außen diskreditieren wollen, keine Chance haben“, erklärte der Mitgliederrat weiterhin. Diese Zeilen dürften sich wohl auch an so manche „Altinternationale“ richten. Dass Müller-Römer weiterhin als ordentliches Mitglied verbleiben werde, begrüßt das Gremium in seiner Stellungnahme derweil explizit.

Der stellvertretende Vorsitzende Ho-Yeon Kim, Nicole Bender, Walther Boecker, Josef Derkum, Engelbert Fassbender, Fritz Guckuk, Christian Hoheisel, Frank Leifer, Fabian Schwab, Michael Trippel und das nun mehr ordentliche Mitglied Stefan Müller-Römer müssen nun bei der nächsten Sitzung des Mitgliederrats am 5. Oktober einen neuen Vorsitzenden benennen. Bis dahin bleibt Müller-Römer zunächst noch im Amt.

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