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Meinung

Die verpasste Chance

Reinhold Yabo verlässt den 1. FC Köln am Saisonende und wechselt zum KSC. Dabei hätte er in Köln ein Großer werden können, findet Martin Grabmann.

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Yabo Trikot

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Für die anhaltende Talentflut in Deutschland gab es keinen festen Startpunkt, denn sie entwickelte sich langsam. Was es gab, war ein wichtiger Meilenstein: Im Mai 2009 gewann die deutsche U17-Nationalmannschaft im eigenen Land erstmals die Europameisterschaft.

Die heutigen Bundesligaspieler Marc-Andre ter Stegen und Marvin Plattenhardt standen genauso im Kader, wie Supertalent Mario Götze. Dominierende Gestalt der Mannschaft war aber nicht der Dortmunder, obwohl er auch damals in jedem Spiel zeigte, wofür der FC Bayern München vier Jahre später 37 Millionen Euro zahlen würde. Zentrale Figur und Herz der Mannschaft war Kapitän Reinhold Yabo.

„Reinhold Yabo ist mein verlängerter Arm. Er ist schon jetzt eine absolute Persönlichkeit, die im deutschen Fußball bislang oft vermisst wird“, sagte der damalige U17-Nationaltrainer Marco Pezzaiuoli nach dem Turnier. Ich stimmte ihm zu. Der 17-jährige zentrale Mittelfeldspieler hatte mich begeistert, mit seinem Spiel und seiner Art. Ich war begeistert, dass dieser Spieler beim 1. FC Köln spielte.

Zweifacher Gewinner der Fritz-Walter-Medaille in Silber

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Für seine Leistung bei der U17-Europameisterschaft zeichnete der DFB Yabo, der neben seiner Übersicht und seiner Führungsstärke auch Torinstinkt bewiesen und den Finaleinzug mit seinem Treffer zum 1:0 im Halbfinale (Endstand 2:0) überhaupt erst eingeleitet hatte, mit der Fritz-Walter-Medaille in Silber aus.

Ein Jahr später erhielt Yabo die Auszeichnung als 18-Jähriger erneut und es schien, als würde sich die Prognose des damaligen Kölner U17-Trainers Dirk Lottner bestätigen: „Ben Basala, Reinhold Yabo und Adam Matuschyk werden es packen. Die Frage ist nur, wie schnell.“

Bereits im April 2010 spielte der gebürtige Aldenhovener zum ersten Mal in der Bundesliga. Drei Minuten, nach einer Einwechslung gegen den VfL Bochum. Es sah aus wie der normale Beginn einer Spielerkarriere in Deutschlands höchster Spielklasse. Doch es kam anders.

Nur zwei längere Bundesligaeinsätze für den effzeh

Yabo spielte erst im Januar 2011 zum zweiten Mal in der Bundesliga, 45 Minuten gegen den 1. FC Kaiserslautern für den Verletzten Petit. Nach einer unterdurchschnittlichen Leistung in einer Rolle, die nicht seine ist, dauerte es wieder drei Monate bis zum nächsten Einsatz. Im April 2011 stand der 19-Jährige in der Startelf gegen den VfL Wolfsburg, erneut als defensiver Mittelfeldspieler. Erneut konnte Yabo im Spiel nicht zeigen, was ihn in den vergangenen Jahren ausgezeichnet hatte.

Es folgte eine Leihe zu Alemannia Aachen und ich hoffte, dass Ray dort die Chance bekommen würde, die ihm in Köln verwehrt blieb. Er bekam sie, doch das Schicksal wollte es anders.

Nach 17 Spielen in der Hinrunde verletzte Yabo sich am Knie und verpasste die komplette Rückrunde. Aachen stieg ab, Yabo kam

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zurück nach Köln. Zunächst in den Profikader aufgenommen musste der junge Mittelfeldspieler schnell wieder zur U21. „Wir planen weiter mit Ray, aber er war lange verletzt und jetzt ist Spielpraxis für ihn wichtig“, versicherte mir ein Verantwortlicher des Vereins im privaten Gespräch.

Yabo will nicht weiter warten

Trotz überzeugender Leistungen in der Regionalliga West, sechs Toren und fünf Vorlagen in 27 Spielen, kam Yabo in der Zweitligamannschaft aber nie zum Einsatz. Der Routinier Matthias Lehmann bekam stets den Vorzug und während Jonas Hector seine Chance nutzte, Christian Eichner zu verdrängen und Timo Horn im Tor so überzeugte, dass Michael Rensing schnell vergessen war, sollte Ray warten.

Er wollte es nicht mehr. Nicht mehr warten wie sein Nationalmannschaftskollege Bienvenue Basala-Mazana, der weiter in der zweiten Mannschaft der Kölner spielen wird. Ein Jahr nach Christopher Buchtmann verlässt damit der zweite U17-Europameister den 1. FC Köln. Einer, dem Großes zugetraut wurde.

Ich wünsche ihm alles Gute!

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