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Meinung

Der vermeintliche Sündenbock

Stefan Maierhofer wird in den Medien zum Hauptschuldigen des womöglichen Nicht-Aufstiegs abgestempelt – gerosimo sieht das komplett anders.

© effzeh.com
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Im Januar 2013 startete effzeh.com eine neue Kategorie namens „Rudelbildung“. Erstmals gewährte die Redaktion Einblick in die interne Diskussion. Das Thema? Winterneuzugang Stefan Maierhofer. Mein Kollege Mgoedderz prägte die Zeile „Ich finde so große Stümer doof.“ – er war es auch, der meinte, dass es einen Doppelsturm Maierhofer/Ujah nie geben werde. Ich selbst sah das damals bereits anders. „Oftmals gab es McKenna vorne drin neben Ujah. Einen Wühler wie Ujah mit einem zusätzlichen Vollstrecker kann ich mir sehr gut vorstellen.“, formulierte ich am Tage der Vertragsunterzeichnung.

Nicht einmal vier Monate später hat jeder effzeh-Fan eine Meinung zu Stefan Maierhofer. Viele bringen sie dieser Tage zum Ausdruck. Mit seinem Artikel „Gegentor verschuldet – Maierhofer leitete das Desaster ein“ treibt der EXPRESS seit dem gestrigen Montag „endlich“ mal wieder eine Sau durchs Dorf. Zu sagen, es wäre dieses Mal nur der EXPRESS, ist hingegen gänzlich falsch. In den Foren sowie quasi allen einschlägigen Zeitungen manifestiert sich der gesuchte Sündenbock in Stefan Maierhofer.

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Ein Zwei-Meter-Zwei groß gewachsener Stürmer fällt ohnehin schon bei jeder Aktion auf. Wenn er aber noch in allen Gestiken, Mimiken, Handbewegungen und Körperwendungen derartig polarisiert wie es ein Stefan Maierhofer tut, dann sind die Augen immer auf diesen gerichtet. Wenn es dann mal nicht so läuft, ist die Angriffsfläche entsprechend groß.

Ich selbst ertappe mich auf der Tribüne hingegen immer wieder dabei, dass ich mir seinen Einsatzwillen, seine Laufwege, seinen Kampfgeist und auch sein bühnenreifes Mit-sich-selbst-Hadern fernab des Balles mit Begeisterung anschaue. Stefan Maierhofer wird seinen Lebtag kein Pierre Littbarski oder Thomas Häßler mehr. Das erwartet aber auch niemand von ihm! Das ist nicht seine Rolle! Die Art und Weise wie er sich bewegt, wie er Gegner auf sich zieht, wie er als Stürmer in Zweikämpfe geht, wie er jede Minute marschiert, wie er Räume schafft und wie er Bälle ablegt, sucht hingegen seinesgleichen. Spätestens seit dem Union-Spiel bin ich bekennender Stefan-Maierhofer-Fan.

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Stefan Maierhofer ist Teil einer Mannschaft, die von den letzten 19 Spielen gerade mal ein einziges verloren hat – und das im Kollektivversagen gegen den 1. FC Kaiserslautern. Seit dem 20. Spieltag hat er in jedem Spiel mitgewirkt, dabei sicherlich zum Teil unter seinen Möglichkeiten. Er demonstriert dabei Fan-Nähe, in dem er z.B. bis weit nach Schlusspfiff nach dem Union-Spiel an der Osttribüne Autogramme schreibt oder nach der Aalen-Partie sein Match-worn-Trikot an der Südtribüne abliefert.

Das Gesamtbild dieses Spielers ist perfekt geeignet, um sich daran zu reiben, so dass es nur logisch ist, dass Stefan Maierhofer die Fans spaltet und dass er aufkeimenden Unmut direkt auf sich zieht. Betrachtet man die Ergebnisse des 1. FC Köln mal etwas nüchterner, dann haben Ein- oder Auswechslungen von Maierhofer selten Punkte gebracht oder gekostet:
– gegen Aue stand es bei seiner Einwechslung 1:0 – Endstand 2:1
– in Dresden stand es bei seiner Auswechslung 1:0 – Endstand 2:0 (für den effzeh)
– gegen Regensburg stand es bei seiner Auswechslung 1:0 – Endstand 2:1
Ansonsten fielen bis zum 30. Spieltag nach einer Aus- oder Einwechslung Stefan Maierhofers keine Tore mehr. Am 30. Spieltag ging Maierhofer bei einer 1:0-Führung vom Platz – der effzeh kassierte den Ausgleich, als der Major bereits in der Kabine war.

Es ist also erstmalig am 31. Spieltag der Fall gewesen, dass Stefan Maierhofer eingewechselt wurde und der 1. FC Köln noch eine Führung vergab. Gab es also einen veritablen Grund, diesen Spieler auszupfeifen? Ich komme da zu einem komplett anderen Ergebnis.

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Wie leicht ist es dabei noch, ihm die „Schuld“ an dem Ausgleichstor gegen 1860 München zu geben, weil er auf der linken Seite kurz vor der Mittellinie angeblich zu behäbig war und nicht zum Ball ging. Oder, wie der EXPRESS schrieb: „Doch der Major, kurz zuvor erst eingewechselt, verweigerte den „Befehl“, der Kugel entgegenzugehen, blieb an der Linie kleben.“ Die Fernsehbilder erwecken diesen Eindruck auf den ersten Blick ebenfalls. Wer sich die laufenden Bilder des entscheidenden Ballverlustes genauer – und bei allen Schmerzen des Gegentores – mehrfach ansieht, wird zu jedoch zu einem anderen Befund kommen.

Ich selbst saß zu diesem Zeitpunkt auf der Osttribüne auf Höhe der Mittellinie – und mir stellte sich besagte Situation komplett anders dar: Es war der ungenaue und zu lasche Pass von Jonas Hector, der den entscheidenden Angriff der Löwen einleitete. Wobei man fairer Weise anmerken muss, dass Hector einer der solidesten Spieler  des Kaders und über weite Strecken der Saison hin einen der Pfeiler der Kölner Abwehrkette darstellt. Aus dem Rücken von Stefan Maierhofer las Moritz Volz diesen schlechten Hector-Pass und sprintete – das muss man anerkennen – einfach richtig gut dazwischen. Mit einer Grätsche hebelte Volz den Ball glücklich die Linie entlang in den freien Raum, den Jonas Hector aufgrund seiner Vorwärtsbewegung nicht ausfüllen konnte. Dort stand Moritz Stoppelkamp eher zufällig, weil er aufgrund eines lässigen Trabschrittes noch nicht zurück gerückt war, komplett alleine, so dass Stoppelkamp hinreichend viel Zeit hatte, um Daniel Halfar den Ball (aus seiner Sicht) perfekt zum Ausgleich aufzulegen.

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Selbst wenn man Stefan Maierhofer dann immer noch eine Teilschuld an dem resultierenden Gegentor, welches gleichbedeutend mit dem doppelten Punktverlust gegen 1860 war, gibt (bspw. weil er sich nicht die Gelbe Karte mittels taktischem Foul gegen Volz abgeholt hat), so ist dieses nachweislich das erste Spiel, in dem der effzeh Punkte nach einer Maierhofer-Einwechslung verloren hat.

Soll dieser Mann auf Basis dieser Werte zum Sündenbock dafür abgestempelt werden, dass der effzeh womöglich knapp einen Aufstieg verpasst, von dem der kühnste Träumer nach den ersten sechs Saisonspielen nicht zu sinnieren gewagt hätte? Entschuldigung – das ist grotesk!

Ein für mich nicht tragbarer Sündenbock findet sich hingegen in jedem Fan, der einen eigenen Spieler bei dessen Einwechslung auspfeift – und das Pfeifkonzert in Müngersdorf vom gestrigen Sonntag bei Maierhofer’s Auflaufen ist in der gesamten Saison bislang beispiellos. Ich hoffe und ich wünsche mir, dass dieses eine einmalige Negativ-Erfahrung in dieser Saison bleibt und dass alle gemeinsam an dem Strang der letzten drei oder bestenfalls fünf Saisonspiele ziehen!
Come On, Effzeh!!!

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