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Müngersdorf

Der 1.FC Köln empfängt Union Berlin: Eine Reise in die Vergangenheit

Die Ausgangslage des 1. FC Köln ist ähnlich kritisch wie vor einem Jahr, als der effzeh eine herbe Niederlage gegen Union Berlin kassierte. Der damalige Doppeltorschütze Sebastian Andersson hat mittlerweile die Seiten gewechselt. Doch kann er seinem ehemaligen Arbeitgeber überhaupt gefährlich werden?

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Das erste Bundesligaduell zwischen dem 1. FC Köln und dem 1. FC Union Berlin jährt sich bald zum ersten Mal. Am 8.12.2019, als ein im chinesischen Wuhan übertragenes Virus noch eine Randmeldung in Tagesschau und Co. darstellte, war der effzeh in der Berlin-Köpenick am Tiefpunkt einer schon von Beginn an verkorksten Saison angelangt.

Die „Geißböcke“ hatten wenige Wochen zuvor Trainer Achim Beierlorzer entlassen, der Umschwung unter Markus Gisdol ließ auf sich warten. Auch der Neu-Trainer hatte scheinbar keinen Effekt. Sang- und klanglos ging der 1. FC Köln nach einem blutleeren Auftritt mit 0:2 als verdienter Verlierer vom Feld. Doppeltorschütze und Mann des Spiels auf Berliner Seite? Sebastian Andersson.

Kölsches Dejavu – 1. FC Köln mit dem Rücken zur Wand

Seitdem hat sich viel getan auf der großen, weiten Welt und im kleinen, kölschen Fußball-Kosmos. Für den effzeh war die Niederlage an der Alten Försterei die Initialzündung für eine Siegesserie, die erst mit der coronabedingten Saisonunterbrechung ihr Ende nahm. Diese Siegesserie wiederum ist gefühlt auch schon wieder eine Ewigkeit her, viel zu schwach präsentiert sich die Gisdol-Elf, seitdem sich die Ränge in den deutschen Fußballarenen leergefegt zeigen.

Somit ist das Duell gegen die „Eisernen“ eine Reise in die Vergangenheit. Ein Jahr nach dem 0:2 hat sich zwar viel getan beim effzeh, letztlich steht die Mannschaft um Trainer Markus Gisdol aber eigentlich wieder an dem gleichen Punkt wie zuvor.

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Die Vorzeichen im Duell der letztjährigen Aufsteiger ist fast identisch: Der 1. FC Köln im Tabellenkeller, mit dem Rücken zur Wand und wenig Grund zur Hoffnung gegen ein formstarkes Union, das entgegen vorheriger Meinungen die Bundesliga aufmischt.

In der Führungsetage hält man von Vergleichen mit der letzten Saison herzlich wenig, zumindest dann, wenn sie auf negative Aspekte wie die Sieglos-Serie zum Saisonabschluss anspielen. So betonte Horst Heldt immer wieder, dass die Ergebnisse am Ende der letzten Spielzeit bei der Bewertung der aktuellen Arbeit keine Rolle mehr spielen dürften, während Vize-Präsident Wettich das Festhalten an Gisdol und Heldt unlängst damit begründete, dass „sie in einer schwierigen sportlichen Phase übernommen haben, als wir fast schon abgeschlagen auf einem Abstiegsplatz standen.“

Gisdol sieht Bremen-Spiel als Aufwärtstrend

So oder so ist das Heimspiel am Sonntag ein enorm bedeutendes für den 1.FC Köln, der weiter auf den ersten Dreier der Saison wartet und so langsam zum Siegen verdammt ist.

Gisdol gab sich vor dem Duell jedenfalls hoffnungsvoll und betonte mit Blick auf die letzten Wochen: „In den vergangenen vier Spielen habe ich einen klaren Aufwärtstrend bei unserer Mannschaft gesehen.“

„In den vergangenen vier Spielen habe ich einen klaren Aufwärtstrend bei unserer Mannschaft gesehen.“

Die Meinung des Cheftrainers dürfte nicht jeder teilen. Das letzte Spiel gegen Werder Bremen, als der effzeh sich im Spiel nach vorne gänzlich uninspiriert zeigte, mit etwas Dusel durch ein Eigentor nach einer Standardsituation in Führung ging, sich dann aber völlig unnötig von einem zuvor sehr fahrigen Gegner hinten reindrängen ließ und durch den x-ten unnötigen Elfmeter gegen sich den verdienten Ausgleich kassierte, dürfte nur für die kühnsten Optimisten als „Aufwärtstrend“ gelten.

Gegen Union dürfen die Fans vor dem Bildschirm wohl ein ähnlich unansehnliches und zweikampfbetontes Spiel erwarten wie in Bremen. Dem effzeh fehlen weiterhin die spielerischen Mittel, um so disziplinierte Abwehrreihen wie die der Hauptstädter zu knacken. Das Motto „Über den Kampf ins Spiel“ scheint derzeit die große taktische Maxime zu sein.

Die Angst vor Fast-Transfer Max Kruse

Auf der anderen Seite muss die wackelige kölsche Abwehr vor allem auf Max Kruse aufpassen. Der exzentrische Routinier, der sich vor der Saison in die endlose Reihe Kölner Fast-Transfers neben Superstars wie Manuel Neuer und Andrey Schevchenko einreihte, brilliert auch in Köpenick mit seinen spielerischen Fähigkeiten und einem außerordentlich guten Riecher vor dem gegnerischen Tor.

Eigentlich dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, wann er gegen die ungestüme effzeh-Deckung einen Strafstoß rausholen wird. Gisdol wollte sich im Vorfeld aber nicht nur auf Kruse versteifen und meinte: „Max Kruse versteht es sehr gut, sich in Räume, die ihm geboten werden, hinein zu bewegen. Union hat aber noch eine Reihe anderer wirklich guter Spieler, die man beachten muss.“

Früher Gegner, heute Kollegen: Andersson und Czichos  |  Foto: Martin Meissner / POOL/AFP via Getty Images

In der Domstadt ruhen dagegen die Hoffnungen auf den wackeligen Knien des letztjährigen Doppeltorschützen. Sebastian Andersson stürmt mittlerweile für den effzeh und hofft im frisch-designten Lumpen-Trikot, mit dem die „Geißböcke“ anlässlich der fünften Jahreszeit ins Spiel gehen, dem ehemaligen Arbeitsgeber ein Bein zu stellen.

Ob der Schwede nach seiner Knie-OP überhaupt auflaufen kann, ist allerdings noch nicht klar. „Die Sturmposition ist die, die noch am meisten offen ist. Vielleicht beginnen wir mit Seb Andersson. Vielleicht beginnen wir ohne echten Stürmer. Oder vielleicht mit Tolu“, erläuterte Markus Gisdol seine Optionen.

Daumen drücken und aufs Samenkorn hoffen

Wichtig ist dabei vor allem, dass die Spieler in vorderster Position auch besser ins Spiel eingebunden werden, gleich welche Spieler dann auf dem Feld stehen. Sowohl Andersson wie auch Ondrej Duda reiben sich regelmäßig in Zweikämpfen auf (beide gehören zu den Top-10-Zweikämpfern der Bundesliga), hängen im Offensivspiel der „Geißböcke“ aber noch zu häufig in der Luft.

Gelingt das dem effzeh nach der Länderspielpause besser, könnten auch die ersten drei Punkte herausspringen. Gisdol will die Hoffnung jedenfalls nicht aufgeben und betonte: „Es gibt keinen Ersatz für Siege. Wir haben aber in den letzten vier Spielen dreimal gepunktet. Das hat ein kleines Pflänzchen Selbstvertrauen in der Mannschaft entstehen lassen. Dieses Pflänzchen müssen wir jetzt gießen.“

Was mit einem Pflänzchen oder einem Samenkorn passiert, das man nur lange genug genießt, das hat in n der ruhmreichen Kölner Vergangenheit auch schon ein anderer Trainer treffend erläutert. So bleibt am Ende also nichts, außer alle Daumen zu drücken. Schließlich scheint das Prinzip Hoffnung derzeit ja rund ums Geißbockheim die bevorzugte Option zu sein.

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