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Meinung

Das unwürdige Ende einer Ausnahmeerscheinung: Peter der Große

Der 1. FC Köln entlässt Peter Stöger. Seine Menschlichkeit war eine Besonderheit, die Art und Weise wie er vom Verein verabschiedet wurde nur noch unwürdig. 

GELSENKIRCHEN, GERMANY - DECEMBER 02: Matthias Lehmann of Koeln (l) speaks with Peter Stoeger, coach of Koeln, after the Bundesliga match between FC Schalke 04 and 1. FC Koeln at Veltins-Arena on December 2, 2017 in Gelsenkirchen, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)
Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Der 1. FC Köln entlässt nach einer turbulenten Woche Peter Stöger. Die Menschlichkeit des Trainers war eine Besonderheit im Fußball, die Art und Weise wie er vom Verein verabschiedet wurde einfach nur unwürdig. Die FC-Familie sagt schluchzend Servus.

Peter Stöger ist weg, und eine ganze Stadt hat plötzlich Tim Handwerkers jugendliche Tränen in den Augen. Dieser seltsame Mann aus Wien, er hat so perfekt zu diesem seltsamen Köln am Rhein gepasst, wie selten ein Trainer zu irgendeiner Stadt und ihrem Fußballverein. Auch wenn vor viereinhalb Jahren noch keiner von dem Märchen zu träumen gewagt hätte, was sich nach Stögers Ankunft in der Domstadt entwickeln sollte.

Dass mit dem Wiener und seinem kongenialen Co-Trainer Manfred Schmid ein anderer, neuer Wind Einzug erhalten würde, war auch im Sommer 2013 schon schnell klar. Stöger und sein Team zeigten keine Starallüren, sondern nahmen die Stadt, ihre Bewohner und den Verein inklusive aller merkwürdigen Marotten, wie sie nun einmal sind. Das hieß auch im Facebook-Interview mit effzeh.com über das perfekte Schnitzel zu referieren. Oder auf die Frage, ob er nach dem Pokalsieg in der Europa League denn einen Anzug anziehen werde, mit „… und mit roter Krawatte“ zu antworten, um dann hinterher zu schieben: „Freunde, ihr habt Träume! Aber sehr gut so! Liebe Grüße, Peter.“

Stöger versprach nie Wunderdinge

Der ehemalige Austria-Coach versprach bei seiner Ankunft und danach keine Wunderdinge, sondern entwickelte die Mannschaft des 1. FC Köln einfach Stück für Stück weiter. Das war sein Weg und Stöger, das weiß man mittlerweile, bleibt ihm stoisch treu. Ob im sportlichen Bereich oder auf menschlicher Ebene: Der Name Stöger, das kann man ihm nach all der Zeit in Köln wohl mit Sicherheit attestieren, steht vor allem für Aufrichtigkeit.

COLOGNE, GERMANY - APRIL 21: Head coach Peter Stoeger of 1. FC Koeln celebrates with his team during the Second Bundesliga match between 1. FC Koeln and VfL Bochum at RheinEnergieStadion on April 21, 2014 in Cologne, Germany. (Photo by Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images)

Foto: Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images

Der ehemalige österreichische Nationalspieler ist keiner, der irgendjemand übermäßig in den Himmel gelobt hätte. Einen seiner Spieler oder Kollegen vor allen Augen anzugehen, übermäßig zu kritisieren oder gar bloß zu stellen, das würde Stöger andererseits allerdings auch niemals tun. In den viereinhalb Jahren hat der Wiener seine Spieler zu einer Mannschaft geformt. Und sich immer vor sie gestellt. Einer für alle, alle für einen.

An der langen Historie dieses Ausspruchs wird auch schon deutlich: Stöger hat die Menschenführung nicht neu erfunden. Er ist kein Messias oder so etwas. Der Trainer und sein Co-Trainer befolgten beim FC im Grunde simple Regeln. Vertrauen, Respekt und Loyalität, das sind für Stöger und Schmid die Grundpfeiler, mit denen Erfolg überhaupt nur möglich sein kann. Kaum ist der Trainer weg, zeigt sich beim 1. FC Köln: Vor allem dass sich genau diese Werte immer mehr verabschiedet haben, ist für den so deprimierenden Schlussakt, den das Fußballmärchen nun bekommen hat, maßgeblich gewesen.

Feind im eigenen Bett

Der Anfang vom Ende scheint dabei nicht in der vollkommen ausgeuferten sportlichen Krise der aktuellen Bundesliga-Saison zu liegen. Bereits im Sommer nach der sensationellen Europapokal-Qualifikation der „Geißböcke“ hatte die Beziehung innerhalb des von der Öffentlichkeit damals ausgiebig gefeierten Kölner Erfolgsduos bestehend aus Stöger und Jörg Schmadtke heftig gelitten. Das pfiffen die Spatzen damals schon von den Dächern des Geißbockheims und so berichtet es nun auch der „kicker“.

Der Geschäftsführer habe sich mehr und mehr an seinem extrem beliebten Trainer gestört. „Schmadtke stieß sich an Kleinigkeiten, so lange, bis es schmerzte“, berichtet das Fachmagazin. Der Erfolgsmanager habe die Außendarstellung, den Umgang mit Spielern, das Verhältnis zu Journalisten und Mitarbeitern bei Stöger bemängelt. Die Reaktion des Wieners sei freilich nicht ausgeblieben. Ein Transfersommer mit weitgehender Funkstille zwischen Trainer und Geschäftsführer war die Folge.

WOLFSBURG, GERMANY - JANUARY 31: Peter Stoeger head coach of Cologne (R) in discussion with Joerg Schmadtke athletic director of Colonge prior to the Bundesliga match between VfL Wolfsburg and 1. FC Koeln at Volkswagen Arena on January 31, 2016 in Wolfsburg, Germany. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Nach Saisonbeginn spitzte sich das Kölner Dilemma durch den sportlichen Niedergang dann immer weiter zu. Die Kölner verloren Spiel um Spiel. Der Trainer moderierte für die Mikrofone, Schmadtke hielt sich öffentlich bedeckt, fühlte sich aber insgeheim als Buhmann. Irgendwann brach es aus dem gebürtigen Düsseldorfer heraus, der „meist gehasste Mann in Köln“ sei er. Während Stöger zwar Mitverantwortung attestiert, aber seine Position nie grundsätzlich von Fans und Presse angetastet wurde, sah Schmadtke sich einer „Hexenjagd“ ausgesetzt. Tatsächlich wurde die Kaderplanung des Managers intensiv diskutiert, mehr aber auch nicht. Die Misere mündete schließlich, so steht es im Fachmagazin geschrieben, in der Demission des Geschäftsführers. Bis heute sollen Stöger und Schmadtke seitdem nicht mehr miteinander gesprochen haben. „Eine Prise Neid, ein wenig Eifersucht, dazu ein Löffel Abneigung“, fasst Frank Lußem die Beziehung, oder besser gesagt die Überreste davon, schlussendlich zusammen.

Auch Stöger hat Fehler gemacht

Sollte diese Darstellung stimmen – und es gibt wenig, was einen daran zweifeln lassen würde – zeigt sich auch darin die Konsequenz des Österreichers, die sich manchmal vielleicht auch in Sturheit verwandelte. Schmadtke verhielt sich in den Augen Stögers ihm gegenüber anscheinend nicht loyal, intern bekam der Geschäftsführer von seinem Trainer dafür die Quittung. Rückblickend muss man vielleicht feststellen, dass Stöger, der in dieser Phase müde und ausgebrannt wirkte und das auch bestätigte, heftiger hätte intervenieren können. Der Österreicher ist aber ein Pragmatiker, kein Visionär.

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