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Analyse

Ausrichtung des NLZ des 1. FC Köln: Kontinuität als Grundlage für die Ausbildung

Mit Mark Zimmermann hat der 1. FC Köln einen neuen Trainer für die U21 gefunden – hoffentlich kehrt auf diesem so wichtigen Posten im Jugendbereich nun endlich Kontinuität ein.

Der 1. FC Köln hat mit Mark Zimmermann die nächste Schlüsselposition besetzt: Der Fußballlehrer arbeitet in der kommenden Saison als Trainer der U21, die in den vergangenen Jahren von einer hohen Fluktuation betroffen war. Zimmermann, der zuletzt bei Carl Zeiss Jena in der Dritten Liga als Coach aktiv war, übernimmt das Amt direkt von Kevin McKenna, der nach der Entlassung von Markus Anfang bei den Profis des 1. FC Köln um eine Stelle aufrückte – zuvor war sein direkter Vorgesetzter André Pawlak ebenfalls eine Stufe nach oben gestiegen, er hatte die Profis im Mai betreut und zum Aufstieg geführt. Pawlak selbst hatte das Amt erst im November 2018 von Markus Daun übernommen, der lustigerweise der Nachfolger von Pawlak war – im Oktober 2017 war der Aufstiegstrainer der Profis schon einmal eingesprungen. Er folgte auf Patrick Helmes. Weitere Trainer der Kölner U21 im Zeitraum 2016 bis 2017: Daniel Meyer (übernahm interimsmäßig als NLZ-Leiter), Stefan Emmerling (zwischen Juli und Dezember 2016) und Martin Heck (Saison 2015/2016).

Mehr als zwei Jahre und damit schon eine halbe Ewigkeit betreute Stefan Engels zwischen April 2013 und Juni 2015 die höchste Stufe des Kölner Nachwuchses. Dasselbe gilt für Dirk Lottner, der während seiner Amtszeit von 2011 bis 2013 zum ersten Mal hauptverantwortlich für eine Mannschaft im höheren Jugend- und niedrigen Erwachsenenalter war, wenn man von seiner Tätigkeit als U17-Coach absieht. Nach einem mehrmonatigen Intermezzo mit Rainer Thomas hatte der ehemalige Freistoßspezialist übernommen. Geht man ein wenig weiter in die Geschichte zurück, finden sich mit Frank Schaefer und Christoph John zwei wahre Legenden im Kölner Trainergeschäft, die zwischen 2002 und 2010 die jungen „Geißböcke“ coachten und den Übergang zu den Profis ermöglichen sollten. Schaefer hatte im Jahr 2006 übernommen.

Stühlerücken bei den U21-Trainern des 1. FC Köln

Von einer derartigen Kontinuität ist man derzeit weit entfernt: Seit September 2017 hatten insgesamt fünf verschiedene Trainer den Hut auf. Mit Mark Zimmermann soll nun eine langfristige Lösung gefunden werden, die die Durchlässigkeit der Spieler auf der höchsten Nachwuchsebene des 1. FC Köln zum Bundesliga-Team sicherstellen soll. „Bei Mark Zimmermann hatten wir letztlich das Gefühl, dass er am besten zu unserer Ausrichtung und zu der Art passt, wie wir junge Talente entwickeln wollen“, bekannte Matthias Heidrich, sportlicher Leiter des NLZ seit September 2018. Der neue Coach gab zu Protokoll: „Die Aufgabe beim FC reizt mich sehr. Weil der 1. FC Köln ein professioneller Verein mit großer Tradition und großem Namen ist. Und weil er in seinem Nachwuchsleistungszentrum Talente hervorragend ausbildet.“

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Nachdem die FC-U21 zuletzt nur einige Male ganz knapp den Klassenverbleib in der Regionalliga West sicherstellen konnte, ist es nun die Aufgabe für Zimmermann und seine Trainerkollegen, die Nachwuchsspieler auf der letzten Ausbildungsstufe zu begleiten. Die Nachricht, dass er der Nachfolger für André Pawlak wird, kam in einer Woche, in der mit Hikmet Ciftci der nächste Abgang aus dem Kölner Jugendbereich bekannt wurde: den türkischen U21-Nationalspieler zieht es zu Erzgebirge Aue, wo der ehemalige Kölner NLZ-Leiter Daniel Meyer als Trainer agiert. Ciftci überzeugte als ballsicherer und technisch starker Mittelfeldspieler, der Durchbruch bei den Profis war ihm beim effzeh aber offensichtlich nicht zugetraut oder schmackhaft gemacht worden.

Arbeit im Spannungsfeld zwischen Ausbildung und Erfolg

Mit Sven Sonnenberg hatte zuvor eine weitere Stütze der U21 das Geißbockheim verlassen, der junge Innenverteidiger wechselt zu Hansa Rostock in die dritte Liga. Dass die Kaderplanung bei einer U21 immer ein wenig anders zu betrachten ist als bei den Profis, liegt auf der Hand: für die kommende Saison wird sich Zimmermann auf die Dienste von vier externen Neuzugängen (Tyson Richter, Justin Petermann, Kasra Ghawilu und Rückkehrer Lucas Musculus) verlassen können. Aus der U19, die nur knapp an der Endrunde zur deutschen Meisterschaft scheiterte, rücken auch einige Spieler auf.

Kölns neuer U21-Coach Mark Zimmermann | Foto: Karina Hessland-Wissel/Bongarts/Getty Images

Die einstigen Stützen Tomas Ostrak, Darko Churlinov und Noah Katterbach werden laut Heidrich nicht für die U21 eingeplant, wie er gegenüber dem „Geissblog.Köln“ offenbarte: „Die vier Spieler sind nicht Teil der Kaderplanung für die U21, weil bei ihnen Entscheidungen im Profibereich oder über mögliche Leihen ausstehen. Deswegen haben wir sie bewusst nicht fest in der U21 eingeplant.“ Auch bei Nikolas Nartey, der mit seinen starken Leistungen im Endspurt der U21 auf sich aufmerksam machte, steht eine Leihe im Raum. Katterbach und Churlinov dürften die Vorbereitung erst einmal mit den Profis absolvieren.

Der Erfolg der U19 zeigt jedoch trotz der verpassten Teilnahme an der Endrunde, dass hier großes Potenzial für den 1. FC Köln liegt. Nach einem Jahr in einem anderen Verein auf Profiniveau wäre es ein großer Erfolg, wenn einige der eben genannten Spieler zu den Profis aufrücken würden. Dafür muss ihre Entwicklung aber erst einmal so weitergehen, was sicherlich nicht garantiert werden kann. Gleichzeitig muss ihnen auch die nötige Chance zur Weiterentwicklung gegeben werden, unterstützt eben auch durch eine Leihe.

Spielen und Lernen in den Vordergrund stellen – nicht die Platzierung

Grundsätzlich gehört die Frage ins Zentrum der Diskussion, ob Erfolg (Liga-Teilnahmen, Platzierungen, Punkte) oder die Weiterentwicklung der Jugendspieler im Zentrum stehen sollen. Ein zentrales Problem im Jugendfußball liegt darin, dass der Fokus eher auf den Mannschaften ab U17 liegt, während zuvor im „goldenen Lernalter“ zwischen neun und 13 Jahren eigentlich die fußballerische Zukunft der Spieler entschieden wird. Die meisten Nachwuchskicker sind zu diesem Zeitpunkt allerdings noch in ihrem Heimatverein aktiv, weswegen auch diese in die Verantwortung genommen müssen. Hierin liegt auch eine Aufgabe für das Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Köln, das sich mit Kooperationen im Kölner Umland frühzeitig auf die Suche nach den vielversprechendsten Talenten begeben kann.

Heidrich bekannte dazu im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Das beginnt bereits mit der U8. Aber da geht es eher darum, sich einen ersten Überblick zu verschaffen, welche von den Kindern Bewegungstalente mit einer großen Spielfreude sind und sich dadurch von anderen abheben. Man muss immer mit der Familie schauen, wann ein Wechsel Sinn ergibt.“ Danach werden die Spieler in Aufbaubereich beim 1. FC Köln ausgebildet und Erfolgsdenken sollte hier keine große Rolle spielen. Dennoch ist es natürlich eine Auszeichnung, dass die U17 des 1. FC Köln morgen im Finale um die deutsche Meisterschaft steht, was natürlich ein größeres Interesse nach sich zieht. Die wahre Bedeutung im Jugendbereich liegt jedoch woanders. Die Trainingsarbeit gepaart mit den Wettkampfeinsätzen müssen eine Ausbildung ermöglichen, die die Spieler fit macht für die Anforderungen im Profibereich.

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Und wenn in der Öffentlichkeit gepredigt wird, dass der Ballbesitzfußball tot sei, kommt das natürlich auch im Jugendfußball an. Schnelles Umschalten und der Kampf um zweite Bälle sind zwar legitime Strategien, im Fußball für Heranwachsende braucht es aber viel Auseinandersetzung mit dem Ball, viele Ballkontakte und Räume, sich auszuprobieren. Die Debatte um fehlende Spieler, die beim DFB den Unterschied in Eins-gegen-Eins-Situationen machen können, war im vergangenen Sommer das Ergebnis dieser Entwicklung. Dabei soll allerdings nicht verkannt werden, dass der DFB rund um die Jahrtausendwende und das schwache Abschneiden bei den Großturnieren mit den Nachwuchsleistungszentren und den Maßnahmen zur Talentförderung genau an den richtigen Stellschrauben gedreht hat, wovon später sowohl der Verbands- als auch der Vereinsfußball profitieren konnten. Das „Spielen“ wieder in den Vordergrund zu stellen ist nun fast zwei Jahrzehnte später eine neue Herausforderung.

Auch die Trainer müssen sich bekennen

Doch der Fokus alleine darf nicht auf den Spielern liegen: wichtig ist auch, dass die Trainerausbildung insofern angepasst wird, dass nicht jeder Trainer zwangsläufig für den Seniorenbereich ausgebildet wird – das Beispiel der U19 von Schalke 04 zeigt, dass man auch Erfolg haben kann, wenn ein Trainer langfristig eine Ausbildungsstufe betreut. Norbert Elgert kann durch seine jahrelange Erfahrung (und auch Erfolge) vielleicht ein wenig besser erkennen, was ein Spieler noch braucht, damit er einen ähnlichen Weg wie Manuel Neuer oder Leroy Sané einschlagen kann.

COLOGNE, GERMANY - JANUARY 27: Stefan Ruthenbeck Head Coach of 1. FC Koeln looks on prior the Bundesliga match between 1. FC Koeln and FC Augsburg at RheinEnergieStadion on January 27, 2018 in Cologne, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Bei vielen anderen Vereinen (und auch beim 1. FC Köln) hat man eher das Gefühl, dass Nachwuchstrainer ihre Tätigkeit im Jugendbereich eher als Durchgangsstation auf dem Weg hin in die Profimannschaft sehen. Daher rührte auch die mangelnde Kontinuität auf den Positionen der U19- und U21-Trainer. Stefan Ruthenbeck geht nun in seine dritte Saison als U19-Coach, nachdem er zwischendurch bereits Cheftrainer der Profis war. Ähnliches ist auch Mark Zimmermann zu wünschen: Eine längerfristige Zusammenarbeit mit Spielern ermöglicht ein größeres Vertrauensverhältnis und damit folglich eine bessere Ausbildung – die Regionalliga bietet für die jungen Spieler das ideale Umfeld, um sich eine gewisse Zeit im Erwachsenenfußball zu beweisen.

Danach muss entschieden werden, ob es für die Profis des 1. FC Köln reicht – eine etwas höhere Quote im Durchlauf zur Bundesliga-Mannschaft wäre wünschenswert, damit der Bundesliga-Aufsteiger langfristig wieder eigene Transferwerte schaffen kann. Neben Bayern München und Borussia Dortmund gibt es noch die gut zahlenden Werksvereine, die zum oberen Leistungsdrittel der Bundesliga gehören – der Rest sind Ausbildungsvereine, auch wenn es die wenigsten zugeben wollen. Und wenn man ausbilden will, muss man Strukturen dafür schaffen – es bleibt also zu hoffen, dass Mark Zimmermann eine gute und vor allem langfristige Wahl ist.

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