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Analyse

Zweiter Sieg in Folge des 1. FC Köln: Über Rhythmusbrecher, Doppelpacker und Ausputzer

Eine starke Mannschaftsleistung bringt dem 1. FC Köln einen verdienten Sieg gegen Borussia Mönchengladbach und damit den zweiten Auswärtssieg gegen ein Top-Team der Bundesliga.

Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

Zum ersten Mal in der laufenden Bundesliga-Saison gelingen dem 1. FC Köln zwei Dreier in Folge: Nach dem 3:1-Heimsieg vor Wochenfrist gegen Arminia Bielefeld legte das Team von Markus Gisdol nun im Derby gegen Borussia Mönchengladbach nach und landete einen durchaus verdienten 2:1-Auswärtserfolg. Dabei hatten die Vorzeichen vor dem Spiel nicht wirklich gut für den FC ausgesehen: Unter der Woche hatten die „Geißböcke“ auf mehr oder weniger unerklärliche Weise eine beruhigende Führung gegen den Zweitligisten aus Regensburg aus der Hand gegeben, um letztendlich im DFB-Pokal-Achtelfinale auszuscheiden. Dann hatte die Geschichte rund um die Einstellung eines neuen Medienchefs für viel Unruhe gesorgt.

Und auch die Mannschaft tat ihr Übriges dazu: Die Äußerungen aus dem Video im Mannschaftsbus sorgten ebenfalls für eine leicht gestörte Vorbereitung auf das Bundesligaspiel. Zudem hatten die FC-Akteure unter der Woche 120 Minuten Spielzeit in den Knochen, mit Sebastiaan Bornauw, Jonas Hector und Marius Wolf fielen weiterhin drei Schlüsselspieler aus und mussten ersetzt werden. Doch auch bei den Gladbachern rotierte Chefcoach Marco Rose vor der Partie, Stammspieler wie Marcus Thuram, Nico Elvedi, Jonas Hofmann oder Alassane Pléa nahmen zuerst auf der Bank Platz.

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Frühes Führungstor gegen eine talentierte Gladbacher Mannschaft

Die Borussia verfügt über eine überaus talentierte Mannschaft, die gerade im Spiel nach vorne jede Menge Qualität besitzt. Die Flexibilität der Offensivspieler hat schon ganz andere Mannschaften vor große Probleme gestellt, weswegen die Gladbacher nicht zu Unrecht im CL-Achtelfinale stehen. Meistens attackieren drei Spieler die letzte Linie des Gegners in eigenem Ballbesitz, Übergangsspieler wie Florian Neuhaus oder Lars Stindl sorgen mit ihren Pässen für die Torgefahr. All das wussten auch Trainerteam und Mannschaft des FC, die darauf mit einer Fünferkette und einem verdichteten Zentrum reagierten. Neben dem seit Wochen starken Ellyes Skhiri spielten mit Salih Özcan und Elvis Rexhbecaj auf den Halbpositionen, eine Linie weiter vorne agierten Emmanuel Dennis und Ondrej Duda.

Foto: Sascha Steinbach – Pool/Getty Images

Der Plan des FC: Gladbach auf das eigene Niveau herunterziehen, ein wildes Spiel erzeugen und den Gladbacher Rhythmus durch Foulspiele und Zweikämpfe unterbrechen. Dem FC gelang (nach einem ersten knackigen Foul von Gladbach-Kapitän Stindl) der ideale Start in die Partie: In einer eigentlich statischen Aufbausituation verlagerte Sava Čestić den Ball auf die rechte Seite zu Kingsley Ehizibue, parallel war der Antritt von Özcan entscheidend. Der Mittelfeldspieler attackierte den Raum hinter Gladbachs Linksverteidiger Oscar Wendt, wo ihn auch Ehizibues Pass fand. Zusammen mit Dennis und Duda hatte der FC diese Seite überladen und die Gladbacher Viererkette auseinandergezogen, die dann die Mitte nicht mehr geschlossen bekam. Aus der Tiefe des Raumes kommend hatte inzwischen Elvis Rexhbecaj diese Lücke erkannt und lief mit Tempo hinein, Denis Zakaria konnte seinen Laufweg nicht stoppen. Die Wolfsburger Leihgabe in Diensten des 1. FC Köln erhielt den Ball am Sechzehner, zog einmal auf und traf per abgefälschtem Distanzschuss zu frühen Führung nach drei Minuten.

Der 1. FC Köln wollte den Rhythmus der Gladbacher brechen

In der Folge musste Gladbach erstmal im Spiel ankommen, sammelte aber stetig mehr Ballbesitz und versuchte, mit Neuhaus im linken Halbraum Angriffe zu initiieren. Tiefenläufe der Außenverteidiger Wendt und Lainer sollten die Kölner Defensive auf den Flügeln beschäftigen. Der Ausgleich nach 16 Minuten fiel nach einer langen Ballbesitzpassage, bei der neun Kölner Feldspieler hinter dem Ball waren. Stindl erhielt das Spielgerät ca. 20 Meter vor dem Tor und verlagerte auf links zu Neuhaus, der zu viel Platz hatte, aufziehen konnte und auch aus der Distanz traf, wenn auch doppelt abgefälscht. Danach waren die Gastgeber besser in der Partie, der FC versuchte mit den Anläufern Duda und Dennis sanft Druck auszuüben und erst in aussichtsreichen Pressingsituationen einen Ballgewinn zu erzwingen.

Dem FC fehlte in dieser Phase die Tiefe im Spiel, gegen Ende der Partie waren es gar nur zwölf Prozent aller Aktionen, die im offensiven Drittel der Kölner stattfanden. Was bei den Gästen allerdings gelang: Durch robuste Zweikampfführung und enge Abstände verhinderten sie, dass die Gladbacher in Überzahlsituationen oder Situationen mit zu viel Platz und Raum bekamen. Nach einer halben Stunde beruhigte sich die Partie dementsprechend ein wenig. In eigenem Ballbesitz versuchte der FC viel über Duda, der eine gute Partie zeigte. Dennis hingegen war eher unaufmerksam, musste von Gisdol mehrfach alarmiert werden und band sich in einer Szene gar ganz entspannt die Schuhe. Nach elf Ballkontakten in der ersten Halbzeit und fünf Ballverlusten war die Leihgabe aus Brügge früh eine Option für einen Wechsel.

Individueller Fehler und starke Gesamtleistung: Die Gründe für den Kölner Sieg

Die zweite Halbzeit begann mit zwei guten Chancen für Gladbach, die nach dem Wechsel des ungewohnt instabilen und später verletzten Zakaria mit Christoph Kramer einen weiteren überdurchschnittlich guten Spieler bringen konnten. Nach 50 Minuten bediente er Stindl, dessen Schuss allerdings drüber ging. Einem Steilpass von Neuhaus auf Breel Embolo folgte ein gutes Tackling des enorm konzentrierten Jorge Meré. Die erneute Führung der Kölner fiel kurz darauf auf der Gegenseite durch einen individuellen Fehler der Gladbacher: Jakobs presste gegen Kramer, der sich an der Eckfahne mit einem Pass auf Lainer befreien konnte. Das Zuspiel des Österreichers, unter Druck gesetzt von Rexhbecaj auf Außen und Dennis in der Mitte, wurde von ersterem abgefangen. Alleine vor Yann Sommer und aus spitzem Winkel markierte er das 2:1 für den FC – der zweite ernstzunehmende Torschuss für die Kölner in dieser Partie brachte gleich den zweiten Treffer.

Foto: Sascha Steinbach – Pool/Getty Images

Einer guten Umschaltgelegenheit nach Ballgewinn von Ehizibue folgte nach einem guten Pass von Özcan auf Duda ein guter Abschluss des Slowaken, den Sommer allerdings parieren konnte. Nach 72 Minuten gab es dann erneut eine ähnliche Szene zu begutachten, als sich Skhiri den Ball eroberte, gut auflöste und Rexhbecajs Schuss am Ende geblockt wurde. Diese Szenen zeigten: Der FC hat in den letzten Wochen fußballerisch durchaus eine Weiterentwicklung durchlaufen. Die beste Chance auf den Gladbacher Ausgleich vergab Stindl nach einem Pass von Matthias Ginter aus dem Halbfeld. Den Rest (überwiegend Flankenversuche aus dem Halbfeld) verteidigte der FC konzentriert weg, sodass am Ende der zweite Dreier in Folge zu Buche stand.

Bei den Kölnern überzeugte neben Meré in der Defensive auch der erst 19-jährige Čestić, der nach zuletzt schwierigeren Wochen eine starke Leistung zeigte: Neun Klärungsaktionen, je zwei Blocks und Ballgewinne, die meisten Ballkontakte aller FC-Spieler (65) und eine Passquote von 80 Prozent sind Zeugnis seiner Performance. Mit dem zweiten Auswärtssieg bei einer Topmannschaft (nach Dortmund im November) setzen sich die wellenartigen Leistungen des FC fort. Mit acht Punkten Vorsprung auf den ersten direkten Abstiegsplatz sieht es in Sachen des angepeilten Klassenerhalts aber einigermaßen rosig aus.

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