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Analyse

Niederlage in Dortmund: Hummels‘ lange Bälle stellen den 1. FC Köln früh vor Probleme

Der 1. FC Köln unterliegt gegen eine gute Dortmunder Mannschaft mit 1:5 – neben der Qualität des Gegners waren aber auch eigene Fehler ausschlaggebend.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Zugegeben: Dass der 1. FC Köln mit etwas Zählbarem aus Dortmund wiederkehren würde, hatten vor dem Auftaktspiel des 19. Spieltags nur die Wenigsten erwartet. Gegen eine der spielstärksten Mannschaften in Europa, die ihrerseits aber auch ab und an mal ihre Schwächen zeigt, verloren die „Geißböcke“ am Ende mit 1:5 – eine deutliche Niederlage zum Ende der Siegesserie von zuvor vier Erfolgen. Klassischerweise interpretiert man eine solche Partie bei einer Topmannschaft als „Bonusspiel“, in der eigentlich keine Punkte eingeplant werden und man fußballerisch eigentlich nur überraschen kann. Dennoch sind auch Spiele gegen Borussia Dortmund Teil dieser Bundesliga-Saison – und dementsprechend auch Grundlage für den 1. FC Köln, um aus Fehlern zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

Gerade Letzteres dürfte für die Vielzahl an Spielern stehen, die aktuell ihre erste Bundesliga-Saison spielen und es auf diesem Niveau noch nicht so oft mit einem Gegner dieses Formates zu tun hatten. Denn obwohl der BVB in der Bundesliga tabellarisch nicht ganz oben steht, gehört die Mannschaft der Schwarz-Gelben trotzdem zu den spektakulärsten ihrer Zunft. Die hohe Qualität in allen Mannschaftsteilen, speziell im Spiel nach vorne, lässt Freunde des Offensivfußballs regelmäßig mit der Zunge schnalzen. Junge und aufregende Spieler wie Julian Brandt, Achraf Hakimi, Jadon Sancho und natürlich Erling Braut Haaland spielen auf einem außerordentlich hohen Niveau.

Matchplan des 1. FC Köln wird früh über den Haufen geworfen

Das zeigte sich auch im Spiel gegen den FC, dessen Startelf personell wie erwartet keine Änderung zum vorherigen Erfolg gegen den VfL Wolfsburg aufwies. Einzige kleine Anpassung war natürlich das Anlaufverhalten, da der BVB in der ersten Aufbaulinie mit drei Spielern agiert: Mats Hummels spielt in der Mitte als eine Art Quarterback, er löst von dort viele Angriffe aus. Auf den Halbpositionen spielen mit Lukasz Piszczek und Manuel Akanji ebenfalls zwei Akteure, die durchaus fähig sind, den Ball erfolgsstabil ins Mittelfeld zu passen. Die Höhe im Anlaufen der Kölner Mannschaft gab Jhon Cordoba vor, Mark Uth agierte ein wenig tiefer und versuchte, die Kreise von Axel Witsel einzuengen. Ansonsten zeigte sich der FC durchaus mutig, die äußeren Mittelfeldspieler preschten immer wieder vor und setzten die BVB-Spieler unter Druck. Nach dem ersten Pass ins Mittelfeld versuchte die Mannschaft von Markus Gisdol, den Ball zu erobern.

Hatte einen schweren Stand gegen Mats Hummels und Co.: Jhon Cordoba | Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Es wäre interessant zu sehen gewesen, hätte der FC nicht gleich in der ersten Minute den Rückstand kassiert. Es war ein Tor, das in einem solchen Spiel einfach nicht fallen darf – in der Entstehung konnte Hummels einen langen Ball spielen, weil er vorne nicht energisch genug angelaufen wurde und die FC-Defensive trotzdem relativ weit vorne im Feld stand. Dadurch mussten Bornauw und Czichos nach hinten laufen und verteidigen, während Reus den Ball sichern konnte. Und wenn die Offensivspieler des BVB im letzten Drittel an den Ball kommen, kann man grundsätzlich immer davon ausgehen, dass Torgefahr entsteht. In diesem Fall passte Sancho quer auf Guerreiro, der früh das 1:0 erzielte und damit den Kölner Matchplan schon zu großen Teilen zunichte machte. Zuvor hatte sich der BVB gut aus einer Pressingsituation befreit.

Dortmunds Qualität am Ende ausschlaggebend

In der Folge gelang es den Kölnern, durchaus im Spiel anzukommen – in den letzten Spielen hatte sich bei Gisdols Mannschaft auch das Passspiel verbessert, was nach wenigen Minuten zu einem Thielmann-Abschluss führte. Zuvor hatte der FC gut und flach aufgebaut, Hector setzte dann den rechten Mittelfeldspieler in Szene, dessen Schuss allerdings am Tor vorbei ging. In der Anfangsphase gelangen auch immer wieder Ballgewinne, weil der FC mit einer deutlich sichtbaren Handschrift von Markus Gisdol zum Teil mit sechs Spielern in der gegnerischen Hälfte anlief. Das Problem: Sobald der BVB die erste Linie überspielt hatte und ein Spieler in gelb mit Ball am Fuß in Richtung Kölner Tor aufdrehen konnte, wurde es gefährlich.

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Ein Beispiel war die Szene, die zum Freistoß führte, den Marco Reus ausführte und Timo Horn parierte – die Favre-Schützlinge befreiten sich zuvor gut aus einer engen Situation und fanden dann den Raum vor, den sie für das Ausspielen ihrer Qualitäten brauchen. In eigenem Ballbesitz hatten die Kölner zum Teil auch Probleme, das Spielgerät zu sichern – im Gegensatz zum Wolfsburg-Spiel hatte Jhon Cordoba gegen Hummels und Co. größere Schwierigkeiten, den Ball festzumachen.

Ansatzpunkt: Das Verteidigen von langen Bällen hinter die Kette

Nach etwa einer halben Stunde erzielten die Dortmunder dann in einer ähnlichen Szene wie beim 0:1 aus Kölner Sicht das zweite Tor: Wieder wurde Hummels nicht angelaufen, sodass der ehemalige Nationalspieler einen tiefen Ball auf Reus spielen konnte, der vorher quer gelaufen und dann 15 Meter hinter der Mittellinie in den freien Raum hinter der Kölner Viererkette gestartet war. Auch das hätte man wissen können – Trainer Gisdol monierte daher nach der Partie: „Das zweite Tor ärgert mich am meisten. Über die langen Bälle von Hummels haben wir immer wieder gesprochen.“ Problematisch war bei beiden Toren auch die Positionierung und insbesondere die Körperhaltung der Innenverteidiger Bornauw und Czichos, die die Ausholbewegung von Hummels eigentlich hätten interpretieren müssen, um den Laufweg des startenden Stürmers aufzunehmen und nicht durch eine Drehung noch mehr Zeit zu verlieren und am Ende im Laufduell unterlegen zu sein.

Foto: Dean Mouhtaropoulos
Collection: Bongarts

Das 3:0 erzielten die Dortmunder dann nach einer langen Ballbesitzphase, als der FC nicht in die Zweikämpfe kam und zu lange und zu weit zurückwich – Sancho jagte den Ball schließlich ins Netz. Die beiden Sechser Skhiri und Hector hatten ihren Raum entblößt und der BVB mit einer Steil-Klatsch-Kombination den Ball nach vorne getragen. Den Dortmundern diesen Raum zu lassen ist gefährlich – es gibt wenige Mannschaften in Europa, die dann so zuschlagen können. Nach 65 Minuten verkürzte der FC durch Uth im Anschluss an eine Standardsituation, bei den Dortmundern kam kurz darauf Haaland für den Angriff. Zu dieser Zeit hatte der FC durchaus ganz gute Phasen im Spiel, nutzte immer wieder die Räume in Umschaltsituationen, ohne aber wirklich gefährlich zu werden. Hector vergab einen Kopfball, später kam Modeste für Ehizibue – der FC stellte auf 3-4-3 um. Einem Durchbruch von Hakimi auf der rechten Seite folgte das 4:1 durch Haaland, wenig später traf der junge Norweger nach einem Konter und einem Pass von Dahoud in die Tiefe.

Niederlage als wichtige Erfahrung

Unter dem Strich steht also eine hohe Niederlage, wegen der sich der FC nun nicht grämen muss – in Dortmund haben schon ganz andere Mannschaften verloren. Dennoch bietet das Spiel genügend Gelegenheiten, um zu lernen: Der Gisdolsche Fußball verlangt physische Präsenz über 90 Minuten, das Anlaufen und die Zweikampfführung sind zentrale Elemente. Fehlen dort einige Prozent, werden gegen Topmannschaften in der Bundesliga Fehler sofort bestraft – der jungen und talentierten Dortmunder Mannschaft beim Kicken zusehen zu können macht schon Spaß. Aber auch beim FC gibt es junge Spieler, die sich aktuell immer noch an die Bundesliga gewöhnen – für sie war das Spiel im Westfalenstadion eine wichtige Erfahrung.

 

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