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Analyse

Auswärts auf Schalke: Rexhbecajs Pass bringt schmeichelhaften Sieg des 1. FC Köln

Der 1. FC Köln trifft in der letzten Minute zum 2:1 und kann sich daher über einen Auswärtssieg gegen den FC Schalke freuen – die Hinrundenbilanz fällt dennoch ernüchternd aus.

Foto: LEON KUEGELER/POOL/AFP via Getty Images

Der 1. FC Köln feiert zum Abschluss der Hinrunde einen 2:1-Sieg beim FC Schalke 04, nach einer über weite Strecken schwachen zweiten Halbzeit traf der eingewechselte Jan Thielmann in der Nachspielzeit nach einem Konter gegen unaufmerksame Schalker. „Über die gesamte Spielzeit gesehen ist es ein verdienter Sieg“, urteilte ein sichtlich erleichterter Markus Gisdol, dessen Mannschaft es erneut geschafft hat, dem in der Kritik stehenden Trainer genau zum richtigen Zeitpunkt einen Sieg zu schenken.

Ob der Sieg nun verdient ist oder nicht, daran scheiden sich die Geister. Faktisch gesehen spielt es natürlich auch keine Rolle – im Abstiegskampf geht es um Punkte, klar. Aber: Auch wenn das Ergebnis stimmt, war an diesem Mittwochabend in Gelsenkirchen bei weitem nicht alles gut beim 1. FC Köln. Spiele auf diesem Niveau, mit „überschaubar“ noch positiv beschrieben, entscheiden sich oftmals durch Kleinigkeiten – und an diesem Abend hatte der FC durch Glück und Geschick im richtigen Moment die Nase vorn.

Führungstreffer nach zufälliger Aktion im Strafraum

Personelle Veränderungen gab es keine in der Startelf, das Team von Gisdol startete in einem 5-3-2 mit Marius Wolf und Ondrej Duda als erste Anläufer. Die Schalker setzten ein 4-2-3-1 dagegen, in dem insbesondere die linke Seite um die Rückkehrer Sead Kolasinac und Mark Uth und den dribbelstarken Amine Harit die Kölner immer wieder vor immense Probleme stellte. Gerade der Marokkaner zeigte eine starke Leistung, versuchte 11 Dribblings, von denen 8 erfolgreich waren. Zudem gab er zwei Torschüsse ab und spielte vier key passes. Der frühere Kölner Uth ließ sich auch immer wieder auf die linke Seite fallen, kombinierte dort mit Kolasinac und Harit. Auf diese Weise beschworen die Schalker gefährliche Situationen herauf, aus denen allerdings meistens Timo Horn als Sieger hervorging (18. Minute gegen Uth, 26. gegen Harit, 45. wieder gegen Uth).

Trotz des Sieges gab es wenig Grund für Begeisterung | Foto: LEON KUEGELER/POOL/AFP via Getty Images

Der FC blieb offensiv zu Anfang eher blass, ein Konter über Duda und Wolf brachte den Ball zu Kingsley Ehizibue, der allerdings verzog. Durch gute Seitenverlagerungen (speziell Ehizibue und Sava Cestic) gelang es den Gästen allerdings, die Schalker Defensive aus der Ordnung zu bringen. Und dann waren da noch die Standards, die für jedes Team mit fußballerischen Schwierigkeiten ein Rettungsanker sind: Erst klärte Ralf Fährmann einen Duda-Freistoß (24.), dann fiel in einer besseren Phase der Kölner der Führungstreffer. Einen Eckball von Hector klärte Fährmann vor die Füße von Drexler, nachdem ihn dessen „Manndecker“ Uth völlig aus den Augen verloren hatte. Im allgemeinen Chaos orientierte sich auch Suat Serdar weg von seinem Gegenspieler Rafael Czichos, der Drexlers harte Hereingabe am langen Pfosten per Kopf verwertete. Positiv: Der FC traf mal wieder ins Tor, begünstigt durch eine Standardsituation. Es sah allerdings nicht wirklich nach einer einstudierten Variante aus.

Schalke mit einer sehr guten Phase in Halbzeit zwei

Jedenfalls war der 1. FC Köln nun in der Partie angekommen, zeigte sich präsenter im Gegenpressing und hatte nach einer guten Kombination durch einen Steckpass auf Ehizibue die nächste Gelegenheit, Fährmann blieb jedoch groß und klärte. Nach der Pause verfehlten die „Geißböcke“ eine höhere Führung wieder nur knapp, als Ellyes Skhiri tief den Ball gewann, das Spiel dann nach vorne trieb, wo Wolfs Hereingabe von Kabak an den Pfosten gelenkt wurde. Danach schlug aber die große Stunde der schon angesprochenen linken Schalker Seite. Die Kölner konnten sich über Minuten kaum befreien und in diese Phase fiel auch der Ausgleich. Einem Ballverlust in der Kölner Offensive folgte eine gute Seitenverlagerung auf Harit, der Tempo aufnahm und eigentlich schon gestoppt wurde. Serdar setzte allerdings im Gegenpressing nach und erzwang einen erneuten Ballgewinn gegen passive Kölner, bei denen Ehizibues fehlende Rückwärtsverteidigung Fragen aufwarf. Matthew Hoppe, bis vor kurzem noch Einwechselspieler in der Regionalliga, staubte zum Ausgleich ab.

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Allgemein hatte Ehizibue auf der rechten Kölner defensiv einige Schwierigkeiten, sodass Gisdol in der folgenden Phase auch durch einen Wechsel reagierte und ihn herunternahm. Nach dem Ausgleichstreffer spielte nur Schalke, die Gastgeber gewannen nahezu jeden zweiten Ball, Klärungsaktionen gingen alle an die Blauen. Die Dynamik im Schalker Spiel bremste dann aber komischerweise der eigene Trainer, weil Christian Gross einen Dreifachwechsel vornahm und auf einen Dreieraufbau umstellte. Zwar blieben die Schalker überlegen, eine klare Torchance gab es trotz des starken Harits nicht mehr.

15 Punkte nach der Hinrunde: Kein Grund für Zufriedenheit

In einer wilden und von harten Zweikämpfen geprägten Schlussphase passierte dann das, was passieren musste, und was auch FC-Fans aus der Saison 2017/2018 noch in böser Erinnerung haben: Eine verunsicherte Mannschaft fängt sich nach einem engagierten Auftritt in der Nachspielzeit einen mehr als vermeidbaren Gegentreffer. So auch in Minute 90+3 an diesem Tag, als Jan Thielmann an der Mittellinie Platz hatte und eigentlich eine Zwei-gegen-Zwei-Situation hätte nutzen können. Er nahm im Dribbling aber nicht schnell genug Tempo auf, kurz darauf versprang ihm der Ball. Der loose ball landete beim eingewechselten Elvis Rexhbecaj, der den Tiefenlauf von Thielmann antizipierte und einen guten Pass in den freien Raum spielte. Weder Kabak noch Omar Mascarell hatten den Laufweg realisiert und kamen deswegen zu spät – der 18-Jährige traf zum umjubelten Kölner Siegtreffer, der Schalke in noch größere Nöte stürzte. Und das, obwohl die Gastgeber in einigen spielrelevanten Kategorien (Ballbesitz, Passsicherheit) besser waren und in der zweiten Halbzeit während der besten Phase das Spiel für sich hätten entscheiden müssen.

Jubel bei Markus Gisdol und Horst Heldt | Foto: Friedemann Vogel – Pool/Getty Image

Es ist natürlich nicht die Verantwortung des 1. FC Köln, dass sowohl der FC Schalke 04 als auch der 1. FSV Mainz 05 die Hinrunde jeweils mit sieben Punkten beenden – dafür ist bei beiden trotz mehrfacher Trainerwechsel einfach zu viel schief gelaufen. Eine solche Bilanz für die Ränge 17 und 18 ist im Vergleich der letzten zehn Jahre auch wirklich unterdurchschnittlich schlecht. Im Schnitt holte der Tabellenletzte zur Hinrunde immerhin 10,9 Punkte, während der Tabellenvorletzte mit 12,8 leicht davor liegt. Aktuell hat der 1. FC Köln 15 Punkte, um das mal ins Verhältnis zu setzen – und gerade mit Mühe und Not gegen eine Mannschaft mit sieben Punkten gewonnen. Natürlich ist jede Saison individuell zu betrachten, aber für ein Hinrundenfazit (was aufgrund der dichten Taktung im Spielplan eh nicht stattfinden wird) ist es dennoch ein wertvolles Indiz dafür, dass sich der Tabellenstand des FC zu großen Teilen auch an der Schwäche der Konkurrenz misst.

Drei Siege, keiner davon wirklich überzeugend – das ist die magere Bilanz der Hinrunde. Aber dennoch reicht es derzeit für den Relegationsrang. Das alles weiß man auch am Geißbockheim, zumindest steht das zu hoffen. Das Saisonziel war und bleibt der Klassenerhalt, und es ist fast egal, wie dieses Ziel am Ende erreicht wird. Das entbindet allerdings weder Trainer noch Mannschaft davon, dass die Leistungen kritisiert werden dürfen – trotz guter Ergebnisse auf dem Papier (Stand heute!) und vier Punkten aus den letzten beiden Spielen.

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