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Geißbockheim

Achim Beierlorzer im Porträt: Der neue Coach des 1. FC Köln steht für Gegenpressing mit Mentalität

Eine klare Spielphilosophie mit dem Kollektiv im Mittelpunkt: Achim Beierlorzer soll den 1. FC Köln in die Bundesliga führen. Wir erklären, was den Regensburger Trainer auszeichnet.

COLOGNE, GERMANY - MAY 12: Head coach Achim Beierlorzer of Regensburg gestures during the Second Bundesliga match between 1. FC Koeln and SSV Jahn Regensburg at RheinEnergieStadion on May 12, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)
Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Der 1. FC Köln hat einen Nachfolger für Interimslösung André Pawlak gefunden: Achim Beierlorzer (51) soll den effzeh in der kommenden Saison in der Bundesliga betreuen. Der gebürtige Franke und Pädagoge übernimmt im Sommer die Aufgabe, den Verein für die neue Liga fit zu machen – genau wie Pawlak (Chemie und Sport) ist Beierlorzer Lehrer – allerdings für die Fächerkombination Mathematik und Sport. Beide absolvierten darüber hinaus noch die Ausbildung zum Fußballlehrer in Hennef.

Der derzeitige Trainer vom SSV Jahn Regensburg, zuvor Gymnasiallehrer für die Fächer Mathematik und Sport, beendete den Jahrgang 2013/2014 gar als Jahrgangsbester, bekannte andere Teilnehmer waren Manuel Baum, Daniel Farke oder Valérien Ismael. Als Fußballer spielte Beierlorzer, dessen älterer Bruder Bertram in der Bundesliga für den FC Bayern auflief, maximal auf Regionalliga-Niveau mit der SpVgg Fürth – während seiner Zeit dort spielte er auch mehrfach im DFB-Pokal. Zuvor hatte er auch für die zweite Mannschaft des 1. FC Nürnberg die Schuhe geschnürt.

Karrierestart im Nachwuchsbereich in Fürth

Mit 35 Jahren beendete der Fußballer seine aktive Karriere, um danach als Trainer beim SC Schwabach in Bayern zu arbeiten – nach einem Jahr dort wechselte er zum SV Kleinsendelbach in Oberfranken, um dort als Spielertrainer auch wieder aktiver am Geschehen teilzunehmen. Nach sechs Jahren bei diesem Verein startete Beierlorzer dann im Alter von 43 Jahren bei Greuther Fürth im Nachwuchsbereich eines Profivereins, wo er vier Jahre die U17 betreute und wie bereits erwähnt auch die Ausbildung zum Fußballlehrer abschloss.

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2014 lockte ihn RB Leipzig in den Osten der Republik, dort übernahm er ebenfalls die U17 – nach dem Rücktritt von Alexander Zorniger rückte Beierlorzer dann sogar auf den Posten des Cheftrainers der Zweitliga-Mannschaft des Marketingkonstrukts auf. Als Interimstrainer betreute er die Mannschaft für 15 Spiele und legte einen Punkteschnitt von 1,4 aufs Parkett, was letztlich für Rang fünf reichte. Den Aufstieg in die erste Liga stellte RBL dann in der kommenden Saison sicher, Ralf Rangnick war Cheftrainer und Beierlorzer sein Assistent. Danach rückte Rangnick auf den Posten des Sportdirektors, während der Franke für ein Jahr die U19 übernahm.

In Regensburg mit geringen Mitteln viel erreicht

Über seine Zeit in Leipzig sagte er im Interview mit dem „Donaukurier“ Anfang Mai: „Ich habe die ganze Bandbreite an Dingen miterlebt, die man im Fußball machen kann. Wir hatten in Leipzig alles. Und wir hatten mit Ralf Rangnick einen Trainer, der jedes Steinchen nochmal umgedreht hat.“ Der künftige Köln-Coach ergänzte: „Ich selbst habe mich in den drei Jahren extrem weiterentwickelt, auch was die Spielphilosophie bzw. deren Umsetzung anbelangt. Die Trainingssteuerung hab‘ ich zum Beispiel komplett mit hierher (nach Regensburg, Anm. d. Red.) genommen.“

Leipzig´s head coach Achim Beierlorzer looks towards a fan during the German football Cup DFB Pokal round of 16 match between German second division football club RB Leipzig and German first division football club Vfl Wolfsburg, in Leipzig eastern Germany, on March 4, 2015.Wolfburg wo the match 0-2. AFP PHOTO / ROBERT MICHAEL +++ RESTRICTIONS / EMBARGO ACCORDING TO DFB RULES IMAGE SEQUENCES TO SIMULATE VIDEO IS NOT ALLOWED DURING MATCH TIME. MOBILE (MMS) USE IS NOT ALLOWED DURING AND FOR FURTHER TWO HOURS AFTER THE MATCH. FOR MORE INFORMATION CONTACT DFB DIRECTLY AT +49 69 67880 (Photo credit should read ROBERT MICHAEL/AFP/Getty Images)

Foto: ROBERT MICHAEL/AFP/Getty Images

Dort holte er mit bescheidenen Mitteln in den beiden folgenden Zweitliga-Spielzeiten jeweils 48 Punkte – in der vergangenen Saison reichte das für Rang fünf, in diesem Jahr steht sogar noch ein Spiel aus. Insgesamt ist für den Jahn noch eine Platzierung zwischen sechs und neun möglich. Beierlorzer erreichte zusammen mit seiner Mannschaft diese Erfolge auch durch die Erkenntnisse, die er in Leipzig sammeln konnte.

„Die Philosophie ist auf jeden Fall ähnlich zur Leipziger. Der Jahn hat diesen Stil auch schon vor mir verfolgt, deshalb hat man sich ja auch für mich entschieden.“

Gegenüber dem „Donaukurier“ beschrieb er die Zusammenhänge so: „Die Philosophie ist auf jeden Fall ähnlich. Der Jahn hat diesen Stil auch schon vor mir verfolgt, deshalb hat man sich ja auch für mich entschieden. Ich finde, wir spielen das zurzeit sogar noch radikaler als Leipzig. Aber natürlich auch deshalb, weil Leipzig in der Bundesliga on top ist und da nochmal andere Anforderungen an die Mannschaft gesetzt sind. Leipzig muss mit Ball viel stabiler unterwegs sein.“

Vertreter der „Gegenpressing“-Philosophie

Generell ist Beierlorzer damit ein Vertreter der von Jürgen Klopp prominent gewordenen Bewegung der „Gegenpressing“-Trainer – diese Philosophie findet ihre umfassendste Interpretation seit Jahren in Leipzig. Aus diesem Umfeld stammt ebenso Marco Rose, der in der kommenden Saison Trainer bei Borussia Mönchengladbach werden wird – der Ex-Profi hat ebenfalls die RB-Schule durchlaufen, allerdings in Österreich.

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Der FC Schalke bekommt mit David Wagner gar einen weiteren Klopp-Schüler als neuen Trainer. Deswegen kann man durchaus damit rechnen, dass der 1. FC Köln in der kommenden Saison mit zwei Viererketten und zwei Stürmern agieren wird, wenngleich die Frage bleibt, wie intensiv das Pressing tatsächlich ablaufen wird – schließlich ist der effzeh ein Aufsteiger und der Kader aktuell noch nicht aller Sorgen ledig.

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5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Micha P.

    14. Mai 2019 an 22:23

    „….wenn auch der 1. FC Köln im kommenden Spieljahr zu einer gegenpressenden Mentalitäts-Mannschaft werden würde. Ganz cool wäre das schon.“
    Klasse Artikel mit einer grandiosen Pointe! Habe Tränen gelacht, schließe mich dem Gesagten aber vollumfänglich an! Danke für diese Zeilen!

  2. Avatar

    Jonny

    14. Mai 2019 an 13:00

    Ich will Anfangs fachliche Kompetenz nicht anzweifeln, auch wenn es teilweise sehr unglückliche Entscheidungen gab. (Reaktion auf Spielsituationen z.B.) Ihm fehlte es wohl vor allem an den Soft Skills, also das Managen der Truppe und des Umfeldes. Man kann jetzt nur hoffen dass Beierlorzer dies besser gelingt. Das war für mich DER Knackpunkt bei Anfang…Ist die Moral gut, stimmt meist auch das Sportliche. Umgedreht wird’s dann schwieriger und mündet bei Entwicklungen, die wir alle gut beim HSV beobachten können.

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    Anonym

    14. Mai 2019 an 11:32

    “ er soll lediglich aufzeigen, dass Beierlorzer nun der nächste Trainer ist, der Armin Veh von seinen Ideen überzeugen konnte und die Arbeit am Geißbockheim aufnehmen darf, ohne als „erfahrener Haudegen“ zu gelten.“

    Anfang konnte Armin Veh schlechterdings überzeugen, da die Verpflichtung meines Wissens nach schon bestand, als Veh noch nicht beim Effzeh aktiv war. Es wäre interessant zu sehen, welche Unterschiede es zwischen den beiden Trainern gibt, die Parallelen sind, folgt man dem Artikel, eher oberflächlich.

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      Arne Steinberg

      14. Mai 2019 an 11:42

      Das stimmt, der Satz ist unglücklich formuliert. Unterschiede in der Herangehensweise sehe ich auf den ersten Blick im eher ballbesitzorientierten und dominanten Stil von Anfang und im körperlich intensiven Gegenpressing von Beierlorzer. Liebe Grüße!

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        Anonym

        14. Mai 2019 an 21:09

        Danke für die Rückmeldung. Ansonsten ein interessanter Beitrag, der sich gut liest. Aber der Leser pickt sich natürlich gerade die eine Stelle raus, die nicht passt (oder einem nicht passend erscheint).

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