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Abmahnung für Bedburger Bäckerei: Tortenschlacht beim 1. FC Köln?

Am Donnerstag sorgte ein Artikel über einen Bedburger Bäcker, der vom 1. FC Köln wegen Torten mit dem Logo des Vereins abgemahnt wurde, für Wirbel. Wir haben uns erkundigt, was hinter dem Backwaren-Streit steckt.

KOBE, JAPAN - JULY 06: Vissel Kobe new player Lukas Podolski poses a picture with his welcom cake during a press conference on July 6, 2017 in Kobe, Hyogo, Japan. (Photo by Buddhika Weerasinghe/Getty Images)
Zur Begrüßung in Japan gab es für Prinz Poldi natürlich Torte (Symbolfoto) | Foto: Buddhika Weerasinghe/Getty Images

Torten sind etwas Feines. Findet auch Lukas Podolski, wie man sieht. Und es gibt ganz schön viele verschiedene Sorten davon: Sacher-, Schwarzwälder-Kirsch-, Herren-, Sahne- und sogar Benjamin-Blümchen-Torten. Alles, was das Herz begehrt. Süße Kalorienbomben in Hülle und Fülle und meistens schmecken sie auch noch gut. Kein Wunder also, dass sich eine Bäckerei aus Bedburg dachte, dass eine 1. FC Köln-Torte da jawohl nicht fehlen darf (das sehen offenbar viele Leute so, wie die im Artikel eingefügten Tweets belegen). „Gesagt, getan“,  dachte sich also Bäcker Guido Boveleth und backte – auf Wunsch seiner Kunden – Torten, die das Logo des Traditionsvereins aus Köln zierte.

Ganze drei dieser Geißbock-Torten will der Bäcker laut eigener Aussage in den letzten Jahren produziert haben. Vermutlich hätte sich daran auch niemand gestört, doch die Bäckerei nutzte Fotos der Fan-Torte für Werbung im Internet, erklärt der 1. FC Köln auf Nachfrage. Auch Motive anderer Bundesliga-Clubs, zum Beispiel von Borussia Mönchengladbach, hatte die Bäckerei demnach im Programm. Das Kölner Logo wird in Zukunft wohl nicht mehr dazugehören.

Plötzlich Post aus Düsseldorf

Denn Boveleth bekam Post einer Rechtsanwaltskanzlei aus Düsseldorf, ihr Auftraggeber: der 1. FC Köln. Die Juristen waren bei der Online-Recherche offenbar auf das Angebot der Bedburger Bäckerei gestoßen und mahnten den Betreiber kurzerhand für die Verwendung des markenrechtlich geschützten Logos des Fußballclubs ab. Sollte Boveleth in Zukunft nicht auf FC-Torten verzichten, drohe ihm eine Strafe in Höhe von 10.000 Euro, teilte die Kanzlei mit. Bis zum 5. September musste der Bäcker eine Unterlassungserklärung unterzeichnen.

Das klingt irgendwie hart für drei mickrige Torten. Dachte sich zumindest Bäcker Boveleth und meldete sich bei der „BILD“-Zeitung. Das Springer-Blatt wurde erwartungsgemäß hellhörig und ließ den Bäcker prominent zu Wort kommen. „Ich fiel aus allen Wolken“, legt Boveleth los. „Ich bin fassungslos. Es kann doch nicht sein, dass ich jetzt keine Kundenwünsche mehr erfüllen kann, weil ich Angst haben muss, Tausende Euro zahlen zu müssen“, fährt er fort und erklärt: „Ich fertige die ja nicht haufenweise an und verkaufe die in der ganzen Welt!“

Logos von Fußballvereinen sind geschützt

Das stimmt bestimmt. Doch auch wenn es sich in diesem konkreten Fall albern anfühlt: Logos von Fußballvereinen sind markenrechtlich geschützt, nicht jeder kann damit tun und lassen, was er möchte. Während Boveleth privat so viele FC-Torten backen könnte, wie es ihm lieb ist, sieht das Ganze im kommerziellen Umfeld also deutlich anders aus. Dennoch gilt: Hätte die Bäckerei ihre drei Torten auf Anfrage einfach nur gebacken, verkauft und es dabei belassen – es gäbe vermutlich kein Problem, weil nie jemand davon Wind bekommen hätte. Erst als der Bäcker mit dem Logo des Clubs im Netz Werbung machte, wurden die Juristen hellhörig, erklärte der 1. FC Köln gegenüber effzeh.com.

https://twitter.com/foebilicious/status/695731997772218368

Auf den ersten Blick wirkt das zwar spießig und penibel – schließlich geht’s hier doch nur um ein paar Torten. In der Sache liegen die Juristen aber dennoch richtig. Andere Unternehmen zahlen Geld an den Club, um mit dem Logo des 1. FC Köln werben zu dürfen. Sie erwerben Lizenzen – ja, sogar einen Backwaren-Partner hat der 1. FC Köln bereits. Der dürfte auch Torten mit FC-Logo anbieten und sie bewerben, Bäcker Boveleth aus Bedburg aber nicht. Das ist die rechtliche Situation.

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Erlaubnis einholen (oder stillschweigend backen)

Für Bäcker und Konditoren ist das manchmal gar nicht so einfach: Die Kunden haben gerade bei Torten sicherlich allerhand Sonderwünsche. Der eine will eine Star Wars-, der nächste eine Barbie- und mancher eben auch eine FC-Torte. Streng genommen müsste der Bäcker jedes Mal das betreffende Unternehmen um die Erlaubnis zur Verwendung ihres Logos bitten. Andererseits könnte er sie aber natürlich auch einfach backen. Welches Unternehmen sollte davon mitbekommen, dass es eine Torte gibt, die es nicht geben dürfte, wenn das Beweisstück nicht als Werbefoto im Internet landet, nur als Einzelstück auf Anfrage produziert und zudem auch noch zügig verspeist wird?

Dem 1. FC Köln dürfte es aber ohnehin weniger darum gehen, dass Bäcker Boveleth keine kölsch-dekorierten Köstlichkeiten mehr fertigen darf, als darum, dass das Logo des Vereins nicht für unautorisierte Werbung verwendet wird. Dass man an den drei Bedburger Torten nicht mit verdient hat, ist für den millionenschweren Fußballclub wohl nicht das Problem.

https://twitter.com/effzehwassonst/status/826771208809086977

Dennoch soll die Marke des 1. FC Köln grundsätzlich vor „kommerziellem Missbrauch“ geschützt werden, erklärte Alexander Wehrle gegenüber der „BILD“-Zeitung. „Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“ gelte in diesen Fragen. „Solange keine kommerzielle Verwendung vorliegt, werden wir auch keine absurden Strafen in fünfstelliger Höhe fordern.“ In „jüngerer Vergangenheit“ habe es zudem vergleichbare Fälle gegeben, führt der FC-Geschäftsführer aus. Vor einiger Zeit wurde ein solcher Fall schon einmal öffentlich, damals war das Corpus Delicti ungleich geschmackloser: Aus dem Ausland wurden inhaltlich rechtsradikale T-Shirts mit den Logos des Hamburger SV und des 1. FC Köln im Internet angeboten – natürlich ohne jegliche Lizenz. Auch damals wurden die Juristen des Clubs aktiv.

Freundlicher Hinweis statt direkte Drohung

Dennoch erscheint es im Fall des Torten-Bäckers aus Bedburg wenig sinnvoll, dass die Düsseldorfer Kanzlei direkt die saftige Strafe angedroht hat. Ein paar erklärende Worte, ein freundlicher Hinweis, dass die Verwendung des Logos ohne Genehmigung nicht erlaubt und in Zukunft zu unterlassen ist, hätten in diesem Fall wohl ausgereicht – und bestimmt auch die „BILD“-Redaktion nicht so getriggert wie die Wortkombination „1. FC Köln + drei Torten + 10.000 Euro Strafe“.

Unterm Strich gilt hier daher wohl die alte Weisheit: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gebacken wurde. Der empörte Bäcker muss nichts zahlen, solange er zukünftige FC-Torten lieber schnell verspeist, statt sie zu fotografieren. Und auch die lokale Bäckerzunft muss sich nicht um neue Konkurrenz sorgen: Es gebe keine Überlegungen, eine FC-Torte im Fanshop anzubieten, versichert der 1. FC Köln auf Nachfrage. Na dann bleibt uns in dieser Sache wohl nur ein Vorschlag zur Güte: Friede, Freude, Eier…torte?

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