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Meinung

1948 Friedenstauben

Pfui! Ein Pferdekopf! Der effzeh.com-Kommentar zum grotesken – und nicht vorhandenen – Zusammenhang von Choreo-Motiv und Prügelei.

Foto-Credits: Dirk Unschuld
Foto-Credits: Dirk Unschuld

Das ist „das“. Ein Comicbild. (Foto-Credits: Dirk Unschuld)

Was die Medienanalyse angeht, ist so ein Derby zwischen Köln und Gladbach eine verlässliche Sache. Im Vorlauf schwören sich beide Seiten immer wieder darauf ein, dass es diesmal ganz bestimmt ein absolutes Wohlfühlfest wird, dann kracht’s am Spieltag doch wieder und in der Nachbesprechung werden die Schuldigen gesucht und schließlich gefunden. Ein Ablauf, routiniert.

Doch manchmal treibt das wilde Blüten: Wenn die größte deutsche Boulevardzeitung nach einem Derby dem 1. FC Köln die Frage stellt, warum er „das“ (gemeint ist das Motiv der Choreo) nicht verhindert hat, dann fragt man sich im Gegenzug vielleicht noch lapidar: „Warum sollte er denn?“

Wenn dann aber im „Kölner Stadtanzeiger“ ein skurriler, konstruierter Zusammenhang zwischen einem Choreo-Motiv und eventuellen – nicht das sie stattgefunden hätten, aber hey, sie hätten ja stattfinden können – Ausschreitungen innerhalb des Stadions herbei gezimmert wird, dann droht das Groteske.

Prinzipiell sei das Motiv zwar „geschmacklos“, man könne es jedoch unter „harmloses Gefrotzel“ verbuchen. Aber: „Wenn sich freilich vor dem Spiel vermummte Chaoten auf offener Szene prügeln und die Polizei friedliche Besucher nur mit größten Anstrengungen zu schützen vermag, dann kann provokative Symbolik im schlimmsten Fall auch im Stadion die Stimmung zur Explosion bringen.“ Die Schlussfolgerung lautet, dass der Verein „aus Verantwortung gegenüber seinen Gästen“ solche Choreos doch lieber unterbinden sollte.

Das erscheint auf mehreren Ebenen abstrus: Zum einen wird suggeriert, der Verein habe in irgendeiner Art und Weise direkt etwas damit zu tun, dass Gladbacher hinter der Südtribüne auftauchen und es dort zu einer Schlägerei kommt. Zum anderen wird angedeutet, dass der Stadionbesuch mittlerweile gefährlich ist. Und zwar so gefährlich, dass ein gemaltes Bild von einem Adler, der ein Fohlen erlegt hat, eine „Explosion“ herbeiführen könnte. Was auch immer man sich darunter vorstellen soll – wer als Gästefan zum Derby geht, wird von einer provokanten Choreografie nicht überrascht sein. Zumal die Gladbacher Seite bildlich in der Vergangenheit auch nicht gerade zimperlich mit dem kölschen Geißbock umgegangen ist.

Die „Bild“-Zeitung hindert das gewiss nicht daran, die Darstellung vom Sonntag zu inszenieren, als sei sie ein Novum im deutschen Fußball. Effzeh-Präsident Werner Spinner ordnet die Choreo dort als „Grenzüberschreitung“ ein. Thomas Schönig, Leiter der AG-Fankultur, sagt aber: „Wir kannten die Choreo teils im Entwurf und halten das Motiv im Rahmen dessen, was insbesondere bei Derbys in der Bundesliga gezeigt wird, noch für tolerabel.“ Doch so richtig akzeptieren will „Bild“ das nicht. Deshalb muss dem Verein noch das Versprechen abgenommen werden, die Angelegenheit in der AG-Fankultur zu besprechen.

Foto-Credits: Dirk Unschuld

Zur Einordnung: Nicht im Stadion. (Foto-Credits: Dirk Unschuld)

Es ist also so, dass der Verein in Zukunft besser jedes Motiv, das auch nur halbwegs provokant ist, unterbinden sollte, damit im Stadion keine Ausschreitungen stattfinden können, die ja aber gar nicht stattgefunden haben. Einleuchtend. Im Rhein-Energie-Stadion passierte vor, während und nach dem Spiel schließlich überhaupt nichts.

Dabei ist es doch so einfach: Die Schuld dafür, dass es zeitlich relativ weit vor der Partie zu einer nach effzeh.com-Informationen nicht verabredeten Prügelei kam, tragen verblüffenderweise diejenigen, die sich geprügelt haben. Nicht der Verein und auch nicht der Doppeladler. Wer die Frage stellen möchte, wieso das passieren konnte, der muss sich am ehesten noch an die Polizei wenden. Woher sollen Wehrle oder Schönig wissen, warum auf einmal dutzende Gladbacher hinter der Südtribüne auftauchen. Und wie genau hätte der Verein das durch ein Verbot des Choreo-Motivs verhindern können?

Bevor nun also groteske Debatten über martialische Comicbilder bei Derby-Choreografien angestoßen werden, sollte sich mancher eventuell erst einmal über die eigenen Motive klar werden. Denn auch wenn man beim nächsten Mal 1948 Friedenstauben steigen ließe, würde eine Prügelei vor dem Spiel dann schon gelaufen sein.

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