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1. FC Köln vor dem Heimspiel gegen den SC Paderborn: Der Gegner als Vorbild

Der 1. FC Köln bereitet sich intensiv auf das Duell mit dem SC Paderborn vor. Ein Blick auf den Weg des Mit-Aufsteigers könnte auch für die „Geißböcke“ von Interesse sein.

PADERBORN, GERMANY - FEBRUARY 15: Christian Strohdiek (L) of Paderborn tackles Jhon Cordoba of Koeln during the Second Bundesliga match between SC Paderborn 07 and 1. FC Koeln at Benteler Arena on February 15, 2019 in Paderborn, Germany. (Photo by Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images)
Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images

Es ist wieder Leben am Geißbockheim: Nach einem freien Wochenende begann für die FC-Profis gestern die Vorbereitung auf das Heimspiel gegen den Mitaufsteiger SC Paderborn am kommenden Sonntag. Der gute Auftritt auf Schalke vor der Länderspielpause und die engagierte Leistung im Testspiel gegen Viktoria Köln haben nach den zuvor eher fragwürdigen Auftritten der „Geißböcke“ wieder ein wenig mehr die Lust geweckt.

Mit dem Duell gegen die Ostwestfalen, dem Derby gegen Düsseldorf und der Auswärtspartie bei Mainz 05 warten nun drei Aufgaben auf die Kölner, in denen Punktgewinne wahrscheinlicher sind als gegen die absoluten Topteams. Damit die Mannschaft von Trainer Achim Beierlorzer aber in diesen Spielen punkten kann, braucht sie eine Verbesserung in einem entscheidenden Bereich: die Entscheidungsfindung in der Offensive.

Sauberes Passspiel gegen Paderborner Pressing gefordert

Es ist davon auszugehen, dass der FC in den anstehenden Spielen mehr Ballbesitz haben wird. Gerade im Heimspiel gegen Paderborn können die „Geißböcke“ mit einem klaren Plan des Gegners rechnen: Die Elf von Steffen Baumgart setzt auf hohes und intensives Pressing, um der gegnerischen Mannschaft möglichst schnell den Ball abzujagen und zum Abschluss zu kommen. Dieses Risiko kann der FC dadurch minimieren, dass das Aufbauspiel grundsätzlich über die lange Variante erfolgt: Auf diese Weise gingen die „Geißböcke“ dem Pressing der Paderborner aus dem Weg, die Folge wäre ein hektisches Spiel mit viel Kampf um den zweiten Ball.

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Die größere Erfolgswahrscheinlichkeit, um in der gegnerischen Hälfte in Ballbesitz zu kommen, bietet allerdings das saubere Aufbauspiel. Das beginnt natürlich in der Viererkette, wo mit Jorge Meré der stärkste Aufbauspieler gesperrt ausfallen wird. Die Innenverteidigung werden daher vermutlich wieder wie auf Schalke Sebastiaan Bornauw und Rafael Czichos bilden. Die Bedeutung der Qualität des eigenen Passspiels ist sich auch Achim Beierlorzer bewusst. Zu Anfang der Trainingswoche sagte der FC-Coach: „Wir brauchen ein stabiles Passspiel, sodass wir uns von der Bewegung und der räumlichen Aufteilung her gut in Szene setzen können. Das muss man unter Druck gestalten, denn Paderborn ist eine Mannschaft, die den Gegner unter Druck setzt.“

Kehren beim 1. FC Köln Verstraete und Drexler zurück?

Der SCP fährt dabei dieselbe Spielweise wie bereits in der 2. Bundesliga: Auch da hatte Paderborn eine radikale Spielweise, um den Gegner unter Druck zu setzen. Diesen Ansatz implementierte Baumgart bereits eine Spielklasse darunter, hier zeigt sich die Kontinuität bei den Ostwestfalen. Es hat also durchaus Vorteile, wenn man langfristig auf dieselbe Spielidee und dieselben Spieler setzt – auch deshalb gewannen die Ostwestfalen in der vergangenen Saison beide Spiele gegen den FC. Am Sonntag wird das derzeitige Schlusslicht der Bundesliga versuchen, dem Mit-Aufsteiger ein Bein zu stellen.

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Eine wichtige Rolle kommt in diesem Zusammenhang dem Duo Birger Verstraete und Dominick Drexler zu – beide gehören zu den passstärkeren Spielern des FC, sie waren zuletzt allerdings beide mit Verletzungen außer Gefecht. Beierlorzer geht aber davon aus, dass beide am Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining zurückkehren und deswegen auch für den kommenden Sonntag einsetzbar sein könnten. „Das schaut momentan ganz gut aus, aber wir müssen abwarten. Es können auch nochmal Rückschläge kommen“, befand Beierlorzer zu Beginn der Trainingswoche.

„Das schaut momentan ganz gut aus, aber wir müssen abwarten.“

Inwieweit beide einsetzbar sind, beeinflusst dann auch die Zusammenstellung der Startelf: Kehrt Verstraete zurück, rückt Hector wieder auf die Linksverteidigerposition zurück, für Schalke-Debütant Katterbach bliebe wohl nur die Bank. Ähnlich verhält es sich mit Drexler, der im offensiven Mittelfeld eigentlich gesetzt ist. Durch Beierlorzers festes Credo, mit zwei Sechsern und maximal einem hängenden Stürmer zu spielen, verringern sich die Möglichkeiten, die eigentlich stärksten Spieler im Kader auf ihren bevorzugten Positionen einzusetzen.

Idealbesetzung im Sturm noch nicht gefunden

Das hat auch Konsequenzen für den Österreicher Louis Schaub, der für viele FC-Beobachter eigentlich der beste Techniker im Kader ist. Die Grundordnung und der bevorzugte Offensivstil mit ausgeprägtem Flankenfokus entspricht aber eher weniger der kreativen, dribbling- und kombinationsorientierten Spielweise des ehemaligen Rapidlers, der gegen Schalke auf der Zehn dennoch eine gute Leistung zeigte und deswegen auch ein Kandidat für diese Position ist – weil er eben oft die richtigen Entscheidungen trifft.

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Auch im Sturm hat sich bisher noch nicht herauskristallisiert, ob Simon Terodde, Anthony Modeste oder Jhon Cordoba die Idealbesetzung ist. Diese Position ist aber insofern besonders, dass häufige Wechsel hier nicht so intensiv ins Gewicht fallen – natürlich muss ein Offensivspieler auch wissen, wann sich ein Stürmer in welchen Raum bewegt. Aber auf dieser Position verfügt der FC über hohe individuelle Qualität, was den Druck auf den Einzelnen und dessem Trainingsleistungen erhöht.
Der ewige Spagat zwischen der Spielidee des Trainers und den vorhandenen Qualitäten der Spieler zeigt sich in dieser Saison also auch beim 1. FC Köln – für Beierlorzer besteht die Aufgabe also darin, zwischen Dogmatismus und Pragmatismus Entscheidungen zu treffen.

Kommende Aufgaben für Grundlagenarbeit nutzen

Für das Wohl der Mannschaft sollte irgendwann einmal aber eine gewisse personelle und strukturelle Kontinuität einkehren, damit sich die volle Leistungsfähigkeit der Spieler entfalten kann. Wochenlang noch nach der richtigen Aufstellung zu suchen und dabei den tollen Konkurrenzkampf zu betonen, kann auch zulasten der Eingespieltheit der Mannschaft gehen. Die kommenden Partien kann und sollte der Bundesliga-Aufsteiger daher nutzen, um sowohl spielerisch als auch personell die Grundlage für die weitere Saison zu legen. Dass das langfristig funktionieren kann, zeigt der Weg des Gegners aus Paderborn.

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