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Meinung

Die eigene Jugend im Fokus des Interesse: Das Ziel muss beim 1. FC Köln der Weg sein

Beim Auswärtssieg in Dortmund überraschte der 1. FC Köln mit der jüngsten Mannschaft der derzeitigen Bundesliga-Saison – inklusive einem Debütanten aus der eigenen Jugend. Die „Geißböcke“ scheinen aus einem großen Fehler in der jüngeren Vergangenheit gelernt zu haben.

Horst HELDT li., Sportchef K freut sich mit Jan THIELMANN K ueber den Sieg, Fussball 1. Bundesliga, 9. Spieltag, Borussia Dortmund DO - 1.FC Koeln K 1:2, am 28.11.2020 in Dortmund/ Deutschland. DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO.EDITORIAL USE ONLY. Nur fuer journalistische Zwecke *** Horst HELDT li , Head of Sports K is happy about the victory together with Jan THIELMANN K, Football 1 Bundesliga, 9 Matchday, Borussia Dortmund DO 1 FC Koeln K 1 2, on 28 11 2020 in Dortmund Germany DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND OR QUASI VIDEO EDITORIAL USE ONLY For journalistic purposes only
Foto: imago images / Sven Simon

23,9 Jahre – dieses Durchschnittsalter hatte die Mannschaft des 1. FC Köln beim Auswärtscoup in Dortmund. Jünger als die „Geißböcke“ am vergangenen Samstag gegen den BVB war in dieser Bundesliga-Saison noch kein anderes Team. Der 19 Jahre junge Debütant Sava-Arangel Cestic, der seinen Stiefel beim ersten Auftritt im Profifußball bemerkenswert stabil herunterspielte, ergänzte die Reihe der kölschen Youngster, die ihren Platz in der Startelf fanden: Vorne nervte Offensivallrounder Jan Thielmann (18) die Schwarzgelben schon bei deren Spielaufbau, im Mittelfeld rackerten Ismail Jakobs (21) und Salih Özcan (22) um die Wette. Drei junge Eigengewächse, dazu wartete Noah Katterbach (19) auf der Bank vergeblich auf einen Einsatz.

Die neue kölsche Welle – sie ist beim 1. FC Köln nicht nur eine Modeerscheinung. Spätestens, seitdem Horst Heldt und Markus Gisdol das Ruder am Geißbockheim übernommen haben, wird dem FC-Nachwuchs wieder vermerkt Aufmerksamkeit geschenkt. Und die jungen Spieler zahlen das Vertrauen zurück: Wie schon im Vorjahr, als die „Geißböcke“ ihre Mannschaft nach einer Niederlage gegen Union Berlin umkrempelten, konnten auch diesmal die Youngster aus dem eigenen Stall ihren Teil zur Trendwende beitragen. Wie schon im Dezember 2019 gegen Leverkusen scheinen die so unerfahrenen wie unbekümmerten Eigengewächse um Jakobs und Thielmann den alten Hasen Beine zu machen. Identifikationspotenzial inklusive – eine Mannschaft mit kölschen Helden kämpft um den Klassenerhalt in der Bundesliga.

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Aus dem schmerzhaften Wirtz-Abgang gelernt

Dabei scheint der FC auch aus einem großen Fehler der jüngsten Vergangenheit gelernt zu haben: Mussten die „Geißböcke“ Anfang 2020 noch den bitteren Abgang von Florian Wirtz verschmerzen, dessen Vertragssituation ausgerechnet der rheinische Rivalen aus Leverkusen zum erfolgreichen Abwerbeversuch ausnutzte, binden die Kölner ihre vielversprechende Talente nun langfristig. Der vorerst Letzte in der Reihe: Debütant Cestic, der seinen Vertrag am Geißbockheim schon geraume Zeit vor seiner Premiere in der höchsten deutschen Spielklasse um drei Jahre verlängert hatte. Auch Jakobs und Katterbach hatten bereits im Laufe des Jahres neue Arbeitspapiere unterschrieben, die sie bis 2024 an den Verein binden. Neben diesem Trio hatten auch Thielmann (2022), Tim Lemperle, Robert Voloder, Daniel Adamczyk und der erst 16-Jährige Justin Diehl (alle 2023) ihr Bekenntnis zum FC in Form eines Profivertrags abgegeben.

 

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Zukunftsträchtige Planungen am Geißbockheim, die FC-Sportchef Horst Heldt vorantreibt. Schon auf Schalke galt der ehemalige Profi als ausgewiesener Förderer des eigenen Nachwuchses, der wie auch in Köln die entsprechende Qualität mitbrachte und von den finanziellen Voraussetzungen vor Ort profitieren konnte. Genau dieser Weg ist nun auch das Ziel bei den „Geißböcken“: Den hochtalentierten Eigengewächsen wie Fritz-Walter-Medaillengewinner Katterbach oder Shootingstar Cestic ein Umfeld zu bieten, sich optimal zu entwickeln. Das kann auch einen Balanceakt für den FC bedeuten: Zum einen der Mannschaft ein stabiles Gerüst zu geben, an dem sich die Youngster aufrichten können. Zum anderen aber eben auch die Perspektive aufzuzeigen, Einsatzchancen auf höchstem Niveau zu bekommen. Im permanenten Ausnahmezustand, der in Köln herrscht, keine leichte Aufgabe. Und ein Weg, der nicht immer geradeaus gehen wird.

Durchlässigkeit als Faustpfand bei eigenen und fremden Top-Talenten

Beispiele dafür finden sich genug im Kader der Kölner. Salih Özcan musste nach raketenhaftem Aufstieg in den Profikader ein Lehrjahr bei Holstein Kiel ablegen, um sich wieder in den Fokus zu spielen. Noah Katterbach ist ebenso wie Jan Thielmann auf der Suche nach Konstanz in den eigenen Auftritten – völlig normal in ihrem Alter und der daraus resultierenden Entwicklung. Die Bäume wachsen eben auch im Grüngürtel trotz hervorragender Nachwuchsarbeit nicht in den Himmel. Geduld und Vertrauen sind entscheidende Faktoren, sowohl im Verein als auch im Umfeld. Wie schwierig sich das manchmal gestaltet, wurde auch in der jüngeren Vergangenheit deutlich. Der Grat ist schmal zwischen ausreichendem Zutrauen trotz turbulenter Tage und dem Verheizen junger Spieler in kritischen Situationen. Die richtige Dosis an jugendlicher Unbekümmertheit und routinierter Stressresistenz zu finden: Auch das ist das Ziel auf dem Weg, den der 1. FC Köln derzeit nicht komplett freiwillig beschreitet.

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Dennoch: Die Einsätze der Spieler aus der eigenen Jugend sind auch ein Signal an andere Nachwuchshoffnungen. War die Durchlässigkeit beim 1. FC Köln in den vergangenen Jahren ein größeres Problem, ist nun für entsprechende Talente der Weg frei in den Profikader. „Die Tür ist immer auf“, betont Horst Heldt nahezu gebetsmühlenartig. Jakobs, Katterbach, Thielmann, nun Cestic: Sie sind allesamt Motivation und Vorbild für die Nachwuchskicker in den U-Mannschaften der „Geißböcke“. Und sie zeigen allesamt: Kein Talent beim 1. FC Köln muss sich im Profifußball verstecken, die Ausbildung am Geißbockheim verfehlt ihre Wirkung nicht. Das ist sowohl bei den Gesprächen um einen Verbleib der eigenen Spieler als auch beim Werben um weitere Top-Talente ein großes Faustpfand für die Kölner, die derzeit auf eine Vielzahl von interessanten Youngstern in ihren Jugendteams gucken können.

Der Nächste klopft bereits bei den Profis an

Der Nächste aus der Reihe klopft derweil bereits bei den Profis an: Marvin Obuz begeistert derzeit mit den herausragenden Leistungen bei der erfolgreichen Regionalliga-Reserve der „Geißböcke“ und durfte im Training bei FC-Coach Markus Gisdol bereits erste Duftmarken setzen. Der dribbel- und abschlussstarke Linksaußen, 2019 wie Thielmann oder Wirtz mit der U17 Deutscher Meister, gilt als eine der größten Kölner Nachwuchshoffnungen. Ihn langfristig an den Verein zu binden dürfte dann auch die nächste Aufgabe für Horst Heldt und Co. werden. Die Perspektive jedenfalls, sie stimmt für nahezu jeden jungen Spieler am Geißbockheim, das beweist ein Blick auf die Mannschaftsaufstellung beim Überraschungscoup in Dortmund. Dieses Ziel muss allerdings auch der Weg sein, den der 1. FC Köln in der näheren Zukunft geht.

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