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Meinung

Zu den Ausbauplänen des 1. FC Köln im Grüngürtel: Eine Nachricht an die Stadt Köln

Der 1. FC Köln braucht bei den Plänen zur Erweiterung des Geißbockheim-Geländes politische Hilfe und wirbt um Stellungnahmen seiner Fans. Unser Autor verfasste eine – und ließ dabei Dampf ab.

Geißbockheim
Foto: Thomas Berger

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wende mich an Sie in der Hoffnung, dass Sie zu den wenigen Menschen gehören, die sich den Plänen des 1.FC Köln mit kühlem Kopf widmen und die öffentlich ausgetragenen Propagandaschlachten ignorieren. Hierbei sind Sie gewissermaßen das letzte Pferd, auf das ich setzen kann, denn fast alle anderen Beteiligten erwiesen sich während der letzten dreieinhalb Jahre als lahme Gäule. Ich schicke vorweg, dass ich Mitglied des 1. FC Köln bin und die Pläne des Vereins befürworte. Aber inzwischen wäre mir auch ein sofortiges Veto gegen sein Vorhaben nahezu egal. Denn so, wie es seit dreieinhalb Jahren läuft, darf es nicht weitergehen. Dieser Eiertanz muss ein Ende finden.

Der Diskurs, den die Stadtgesellschaft zu den FC-Plänen austrägt, beruht leider fast ausschließlich auf Gefühlen. Alle ergreifen Partei für irgendeine Seite. Ein sachlicher Austausch findet in der Öffentlichkeit nicht statt. Und zwar seit der Veröffentlichung der Ausbaupläne. Die Hauptverantwortung dafür trägt in meinen Augen die Initiative „Grüngürtel für alle!“. Sie vergiftet das Diskussionsklima seit fast vier Jahren, indem sie persönliche Einschätzungen zu Fakten aufpumpt und jegliche konstruktive Auseinandersetzung boykottiert. Als prominentester Steigbügelhalter der Proteste inszeniert sich der Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann. Dieser blamierte sich kürzlich auf Twitter, als er betonte, nicht nur Fakten spielten in der Debatte eine Rolle, sondern auch um Werte, politische Prioritäten und Überzeugungen.

Öffentliche Stimmungsmache trotz mangelnder Kenntnis

Er unterstellte dem Verein überdies, bei den Ausbauplänen mit einem privaten Investor zu paktieren. Nach kurzer Aufklärung über seiner Verbreitung einer Unwahrheit, betonte er mit einem lächelnden Smiley, stets gern dazuzulernen. Meine Schlussfolgerung daraus lautet: Sven Lehmann beschäftigte sich seit dreieinhalb Jahren nur unzureichend mit den Ausbauplänen, was ihn nicht an öffentlicher Stimmungsmache hinderte. Lehmann agitierte so wie die gesamte Initiative, die er unterstützt. Die Gegner des Ausbaus argumentieren oft aus der Perspektive gewollten Klimaschutzes, Sven Lehmann bildet da keine Ausnahme. Über guten Willen ragen ihre Argumente jedoch nie hinaus, der 1.FC Köln entkräftete bereits alle. Ihre ständigen Wiederholungen bezeugen, dass es den Gegnern vorrangig um Obstruktion und nachrangig um Klimaschutz geht.

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Träfe letzteres zu, hätten sie eigene Pläne zur klimafreundlichen Umgestaltung der Flächen entwickelt und über jemanden wie Sven Lehmann als politische Nutzungsalternative eingebracht. Denn der aktuelle ökologische Nutzen der Flächen ist gering. Selbst der Vorschlag einer Aufforstung der Fläche wäre progressiver gewesen, als nur für den Erhalt der Wiesen einzutreten. Wollen Sie Köln tatsächlich klimafreundlicher gestalten, müssen Sie sich überlegen, wie Sie alle Flächen umgestalten. Dazu müssen Sie erhebliche Investitionen tätigen, radikaler handeln und das verwalterische Denken beenden. Die Bewahrung des status quo im Falle von Wiesen jedoch zur Applaus spendierenden Klimaschutzmaßnahme hochzustilisieren, verhöhnt alle Möglichkeiten, die zur Bekämpfung der Klimakrise effektiver und nötiger wären.

„Der jüngste Schwenk der Oberbürgermeisterin entpuppt sich als durchschaubares politisches Manöver, dem jede Seriosität abgeht. Henriette Reker kennt die Pläne des 1. FC Köln seit mindestens dreieinhalb Jahren.“

Daher entpuppt sich der jüngste Schwenk der Oberbürgermeisterin auch als durchschaubares politisches Manöver, dem jede Seriosität abgeht. Henriette Reker kennt die Pläne des 1. FC Köln seit mindestens dreieinhalb Jahren und stand diesen im Wahlkampf noch ausdrücklich positiv gegenüber. Neue Argumente existieren nicht. Wenn sie betont, dass der „Klimanotstand ernst gemeint ist“, müsste sie Alternativkonzepte für die Flächennutzung vorlegen oder wenigstens ankündigen. Doch daran signalisierte sie kein Interesse. Damit reiht sie sich neben Lehmann und co. ein und offenbart sich als parteipolitisch Getriebene (ganz davon abgesehen, dass es klimapolitisch größere Probleme gibt, denken Sie nur an die Verkehrsprobleme Kölns).

Der 1. FC Köln hat einige Fehler gemacht

Wenn Sie als Kölner Lokalpolitiker wollen, dass der 1. FC Köln mehr für den Klimaschutz tut, könnten Sie eine Erhöhung der zu bauenden Ausgleichsfläche verlangen, sich die Zahlung und Betreuung weiterer Forst- und Sportprojekte wünschen oder andere gemeinsame Ideen schmieden. Ich bin mir sicher, dass es selbst vor der Vorstandswahl am 8. September viele Entscheidungsträger im Verein gibt, die für solche Vorschläge offen wären. Leider habe ich in den letzten dreieinhalb Jahren keine solchen Kompromissvorschläge wahrgenommen. Stattdessen lassen Sie sich von einer Bürgerinitiative treiben, der jedes Denken in Kompromissen fern ist.

Geißbockheim Erweiterung Illustration

Foto/Illustration: 1. FC Köln

Aber Henriette Rekers vorsichtige Wortwahl verrät eines der größten Probleme vieler Kölner Lokalpolitiker: Entscheidungsschwäche. Weil kaum einer es sich mit dem 1. FC Köln und den Ausbaugegnern verscherzen will, treffen Sie keine Entscheidungen. Um es Ihnen klar zu sagen: Sie können es hier nicht allen recht machen, auch wenn viele darauf weiterhin zu hoffen scheinen. Zögern und Hadern hält weder die Klimakatastrophe auf, noch hilft es dem Verein oder der Bürgerinitiative. Sie erhielten Ihr kommunalpolitisches Mandat, um Entscheidungen zu treffen und nicht, um unangenehme Abstimmungen bis zur nächsten Wahlperiode aufzuschieben.

Vielleicht fragen sich einige nun: Hat der 1. FC Köln stets alles richtig gemacht? Nein, das hat er nicht. Er verhielt sich überheblich, ungeschickt und zeigte wenig Kompromissbereitschaft. Er versagte in der Diplomatie mit den Menschen, die vor dreieinhalb Jahren noch zugänglich für Argumente waren. Er manövrierte sich in einen Zustand der Lähmung, weil er die Politik falsch einschätzte, keinen Plan B entwickelte und zahlreiche Fallstricke beim Projekte nicht beachtete (etwa das Fehlen aussagekräftiger Gutachten zu Verkehr, Lärm, Umwelt und städtebaulichen Auswirkungen). Die Schuld für das Stocken der Planumsetzung schob er zudem stets anderen zu. Am schwersten wiegt aber der Umstand, dass ihn eine Umsetzung der Pläne nur auf das absolute Minimum professioneller Infrastruktur hieven würde.

Egal, wie sie sich entscheiden: Tun Sie es schnell!

Mich ärgert insbesondere letzteres, aber das absolute Minimum professioneller Infrastruktur wäre immerhin schon einmal das – und die letzten dreieinhalb Jahre wären nicht verschenkt gewesen. Zumal es ja bereits einen Auftrag des Rates in seiner gegenwärtigen Konstellation gibt. Ein weiteres Bonbon: Am 8. September wählen die Vereinsmitglieder voraussichtlich ein Präsidium, das Anstand und Kompromissfähigkeit höher priorisieren dürfte als Egozentrik und Selbstmitleid. Vielleicht motiviert Sie das ja dazu, den Verein zu unterstützen und nach neuen Bündnissen mit ihm zu suchen.

https://twitter.com/fckoeln/status/1161655740362297344

Aber egal, wie Sie sich entscheiden: Tun Sie es schnell. Alle Argumente liegen seit dreieinhalb Jahren auf dem Tisch. Beenden Sie den gegenwärtigen Schwebezustand. Er nützt keinem, blamiert aber sowohl die Stadt als auch den sie prägenden Bundesliga-Verein. Und zum Schluss noch ein abschließender Hinweis: Weder die Kommunalwahl noch die Wahl zum Stadtoberhaupt im kommenden Jahr wird in Köln-Sülz entschieden. Sondern im gesamten Stadtgebiet.

Mit freundlichen Grüßen
Christopher Kohl

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