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Analyse

Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt: Mit Müh und Not zum entscheidenden Punkt

Der 1. FC Köln sichert sich den Klassenerhalt, bleibt aber auch im neunten Spiel in Folge ohne Sieg. Der jüngste Formabfall der Mannschaft ist eine Baustelle für die kommende Saison.

Cologne's German defender Rafael Czichos (R) and Cologne's Belgian defender Sebastiaan Bornauw react after the German first division Bundesliga football match FC Cologne v Eintracht Frankfurt on June 20, 2020 in Cologne, western Germany. (Photo by Sascha SCHÜRMANN / various sources / AFP) / DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO (Photo by SASCHA SCHURMANN/AFP via Getty Images)
Foto: SASCHA SCHURMANN/AFP via Getty Images

Im letzten Heimspiel der Saison erreicht der 1. FC Köln ein Unentschieden gegen Eintracht Frankfurt. Die Führung nach einem Strafstoß-Tor durch Florian Kainz egalisierten die Hessen in der zweiten Halbzeit durch Dost. Durch den Punktgewinn kann der FC in dieser Saison nicht mehr absteigen, der Klassenverbleib ist damit gesichert. Einen Spieltag vor Saisonende besteht daher Planungssicherheit – nach einer Spielzeit mit vielen Aufs und Abs und der Tatsache, dass der Aufsteiger im Dezember kurz auf Rang 18 der Tabelle lag, kann dies durchaus als Erfolg gewertet werden.

Im Duell mit der Eintracht, die vor dem Spiel noch die theoretische Chance hatte, in die Europa League zu kommen, scheiterte das Team von Markus Gisdol aber erneut daran, einen dreifachen Punktgewinn zu verbuchen. Dass der 1. FC Köln mit dem nunmehr achten Spiel ohne Sieg nach dem Re-Start das Saisonziel erreicht, löste allerdings insgesamt eher wenig Begeisterung aus. Zuvor waren die „Geißböcke“ in den 90 Minuten gegen das Team von Adi Hütter erneut vieles schuldig geblieben.

Dreierkette gegen Frankfurts Doppelspitze

Im Vergleich zur Niederlage gegen Bayer Leverkusen unter der Woche nahm Markus Gisdol vier Veränderungen vor. Jan Thielmann, Dominick Drexler, Noah Katterbach und Anthony Modeste saßen auf der Bank, für sie spielten Toni Leistner, Ismail Jakobs, Florian Kainz und Mark Uth. Kapitän Jonas Hector fehlte wegen einer Verletzung. Damit ging auch einer Veränderung in der Herangehensweise: Sebastiaan Bornauw bildete den zentralen Part in einer Dreierkette, auf der halblinken Seite spielte Rafael Czichos, halbrechts Leistner. Die Wingbacks Kingsley Ehizibue und Jakobs (links) sollten Tempo, Tiefe und Flanken bringen. Ellyes Skhiri und Elvis Rexhbecaj bildeten das defensive Mittelfeldzentrum. Sturmspitze Jhon Cordoba wurde von Kainz (links) und Uth (rechts) in den Halbräumen flankiert.

Da die SGE mit einer ähnlichen Struktur und Spielidee in die Partie ging, neutralisierten sich die beiden Mannschaften zu Beginn der Partie. Bei der Eintracht lief vorne das Duo Silva und Dost an, dahinter formierten sich Torro als tiefer Sechser sowie Sow und Rode auf den Halbpositionen. Dem FC gelang es im eigenen Spielaufbau ein wenig häufiger als zuletzt, den freien Mann im Zentrum zu finden, meistens empfing Skhiri dort die Bälle. Die wesentliche Arbeit übernahmen allerdings Leistner und Czichos mit Vorstößen und langen Longline-Bällen.

Pausenführung durch Rodes Aussetzer

Da Cordoba gegen die Frankfurter Innenverteidiger nur wenige Bälle festmachen konnte, tat sich wenig in der Kölner Offensive. Der Plan war wie in den letzten Spielen auch, mit einer Verlagerung auf die andere Seite Platz zu schaffen für eine Hereingabe. Kainz versuchte immer wieder mit Läufen hinter die Kette, lange Pässe zu erzwingen, während Uth sich eher zwischen den Ketten positionierte und da etwas mehr am Spiel teilnahm als noch zuletzt.

Foto: Friedemann Vogel/Pool via Getty Images

Einige Konzentrationsschwächen und der leicht ausrechenbare Ballvortrag machten den Frankfurtern das Leben jetzt nicht allzu schwer. Auch die Gäste hatten trotz einiger aussichtsreicher Situationen Probleme, Torgefahr zu schaffen. Erst nach mehr als einer halben Stunde gab es den ersten Torschuss der Gäste durch Silva. Einem individuellen Fehler von Rode verdankte der FC dann die Führung: Der defensive Mittelfeldspieler der Frankfurter wurde im Gegenpressing unter Druck gesetzt, entschied sich zum Dribbling im eigenen Strafraum, wo er Uth foulte – nach zwei verschossenen Strafstößen zuletzt traf Kainz mit seinem fünften Saisontor zur Kölner Führung.

Das Unentschieden sichert den Klassenverbleib

Ähnlich wie beim Spiel in Leverkusen hatte der FC nach der Pause seine beste Phase, nach 54 Minuten gab es bis dato den besten Angriff zu bestaunen, der nach einer flüssigen Kombination zu einem geblockten Abschluss von Ehizibue führte. Wenig später fanden sich mit Uth und Cordoba zwei Garanten der zwischenzeitlichen Siegesserie, der Steckpass der Schalker Leihgabe fand den Kolumbianer, dessen Schuss aber auch geblockt wurde.

Mit zunehmender Spielzeit aber übernahm die Eintracht das Kommando gegen sichtbar erschöpfte Kölner. Nach 72 Minuten führte eine lange Ballbesitz-Passage der Adlerträger, bei dem der FC nicht richtig Druck ausüben konnte, zum Ausgleich. Djibril Sow hatte im Rücken von Rexhbecaj Raum vorgefunden, war auf die Grundlinie vorgestoßen und hatte dann Dost gefunden – 1:1. Später sah es eher danach aus, als würde die Eintracht noch den Siegtreffer landen, der 1. FC Köln hielt jedoch das Unentschieden und damit blieb ein entscheidender Punkt in der Domstadt. Der FC darf deswegen auch nach dem Sommer weiterhin in der ersten Liga spielen.

Markus Anfang, Achim Beierlorzer, zuletzt Markus Gisdol – nach dem sang- und klanglosen Abstieg vor zwei Jahren durften sich bereits drei Trainer daran versuchen, eine nachhaltige und erfolgreiche Spielidee beim FC zu implementieren. Seither gab es auch viel Bewegung im Kader, einige neue Leistungsträger kamen hinzu, andere Spieler stellten sich langfristig nicht als Hilfe heraus. Dennoch ist es gut, dass der FC auch in der kommenden Saison erstklassig ist – in der Vorbereitung auf das Spieljahr 2020/2021, das womöglich im September beginnen wird, muss am Geißbockheim nun (erneut) eine Grundlage gelegt werden, um einigermaßen unbeschadet durch die nächsten Monate zu kommen.

Es kann nicht das Ziel sein, innerhalb weniger Monate erneut den Trainer zu wechseln, erneut viel Fluktuation im Kader zu haben, erneut unkonstant zu agieren. Schlechte Spiele gehören auch dazu und sind normal, eine langfristige und positive Entwicklung kann sich aber nur dann einstellen, wenn Geschäftsführung, Trainerteam und Mannschaft eine gemeinsame Idee verfolgen und davon überzeugt sind. Ständig Feuer löschen zu müssen und kurzfristige Ziele zu erreichen werden es auch in den kommenden Jahren verhindern, dass der 1. FC Köln zu einem Ausbildungsverein wird, der gleichzeitig problemlos die Klasse hält. Und das sollte nach wie vor ein erstrebenswertes Ziel sein, das es zu verfolgen gilt.

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