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Analyse

Nach dem 4:4 des 1. FC Köln in Duisburg: Wo Schatten ist, da ist auch Licht!

Ein Balanceakt zwischen Misslingen und Machtdemonstration: Der 1. FC Köln zeigt beim 4:4 in Duisburg zwei Gesichter und lässt neben berechtigten Aufstiegshoffnungen wieder Raum für nagenden Zweifel.

DARMSTADT, GERMANY - NOVEMBER 24: Jhon Cordoba of Koeln reacts during the Second Bundesliga match between SV Darmstadt 98 and 1. FC Koeln at Merck-Stadion am Boellenfalltor on November 24, 2018 in Darmstadt, Germany. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)
Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Ganz nüchtern formuliert: Der 1. FC Köln hat es am Mittwoch beim Nachholspiel in Duisburg zwar verpasst, einen großen Sprung Richtung frühzeitigem Aufstieg zu machen, doch das 4:4 beim MSV ist ein kleiner Schritt zur Rückkehr in die Bundesliga. Sieben Punkte Vorsprung haben die „Geißböcke“ nun auf den Hamburger SV, der als direkter Verfolger am kommenden Montag sein Stelldichein im Müngersdorfer Stadion geben wird, satte zehn Zähler hat der effzeh sogar mehr als der Dritte Union Berlin. Ein Aufstieg an Ostern, das ist auch nach dem Nachholspiel klar, ist nicht mehr ausgeschlossen.

Dass der Auftritt beim Schlusslicht nun sicherlich nicht das Gelbe vom Ei gewesen ist, dürfte jedem klar gewesen sein. In der Anfangsphase hatten die Kölner gewaltig gewackelt und waren dafür von den „Zebras“ bestraft worden. Zwar spielte sich die Mannschaft von Trainer Markus Anfang nach dem Seitenwechsel zwischenzeitlich in einen Rausch, doch konnte die 4:2-Führung nach knapp einer Stunde gegen kämpferisch beeindruckende Gastgeber nicht über die Zeit bringen. Nach dem Spiel war das allerdings den Beteiligten völlig gleichgültig – hatten sie ihre Gedanken doch ganz woanders. Eins nach dem anderen: Unsere fünf Erkenntnisse nach dem „wilden Ritt“ im Wedaustadion.

Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben

Der Abpfiff war gerade ein paar Sekunden her, da stürmte Markus Anfang, begleitet von einem Duisburger Ordner, aus dem Stadion. Kurz darauf verkündeten beide Vereine, dass es im nahen Umfeld der Mannschaft des 1. FC Köln einen Notfall gegeben hatte und deswegen sämtliche Medienaktivitäten eingestellt werden. Wie die „Geißböcke“ am Morgen nach dem Spiel bekannt gaben, hatte der Vater von effzeh-Coach Markus Anfang beim Besuch der Partie einen Herzinfarkt erlitten. Sein Zustand, so die knapp gehaltene Mitteilung des Vereins, sei weiterhin sehr ernst, weitere Details werde man aus Rücksicht auf die Familie nicht berichten.

Das Ergebnis, der 1. FC Köln und Fußball an sich wurde durch die Geschehnisse schnell und völlig berechtigt zur Nebensache. Dass in der Zwischenzeit teilweise wild spekuliert wurde und einige Medien den Wunsch des Vereins und der Familie Anfang bezüglich der derzeitigen Situation ignorierten, war leider zu erwarten gewesen. Dass allerdings selbst mit der Mitteilung des Clubs über den betrüblichen Gesundheitszustand von Markus Anfangs Vater Clickbait betrieben wird, ist absolut widerlich. Uns verbleibt an dieser Stelle nur die besten Genesungswünsche an Dieter Anfang zu schicken und der Familie viel Kraft in der derzeitigen Situation zu wünschen.

Ohne Kontrolle ist alles nichts beim 1. FC Köln

Fußball wurde auch noch gespielt in Duisburg – wenngleich es in der ersten Hälfte beim 1. FC Köln eigentlich nur seltenst danach aussah. Die personellen Veränderungen (Sobiech ersetzte den verletzten Meré, Schaub rückte für Geis in die Startelf) und die daraus resultierende Verschiebungen im System der „Geißböcke“ gingen überhaupt nicht auf. Wie schon in Heidenheim kam der effzeh nur schwerlich in die Partie, wurde dafür aber diesmal bestraft. Große Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteile, eine suboptimale Raumaufteilung, zurückhaltende Zweikampfführung und spielerische Mängel sorgten für katastrophale erste 45 Minuten der Anfang-Elf.

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Dass der Tabellenführer beim Schlusslicht mit zwei blauen Augen davon kam, hatte letztlich zwei Gründe: In der Offensive fanden die Kölner immer wieder aus dem Schongang heraus, doch blieben in der Rückwärtsbewegung verwundbar wie lange nicht mehr. Die nach dem Heidenheim-Spiel allerortens gelobte Souveränität ging gegen kämpfende Duisburger schnell verloren und kehrte auch nach der 4:2-Führung nicht mehr zurück. Statt die Führung gegen das defensiv wacklige Schlusslicht nach Hause zu bringen riss beim effzeh selbstverschuldet abermals der Faden – selbst eine Niederlage war in der Schlussphase durchaus im Bereich des Möglichen.

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eine Offensive im Rausch und ein Startelf-Rückkehrer mit Statement

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