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Meinung

Sportchef des 1. FC Köln über Vereinsdemokratie: Die Missverständnisse des Armin Veh

Armin Veh klagt über Demokratie im Fußball. Zu Unrecht. Der 1.FC Köln sollte ihn dafür zurechtweisen. Ein Kommentar.

FRANKFURT AM MAIN, GERMANY - FEBRUARY 10: Armine Veh, director sport from Koeln, smiles before the Bundesliga match between Eintracht Frankfurt and 1. FC Koeln at Commerzbank-Arena on February 10, 2018 in Frankfurt am Main, Germany. (Photo by Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)
Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images

“Man kann so einen großen Verein nicht demokratisch führen. Wie soll das denn gehen? Am Ende muss jemand zuständig sein und die Entscheidungen treffen. Wenn zu viele Leute mitreden, die nicht aus dem Fußball kommen, ist das ein Problem. Dann gibt es Chaos.” So sprach Armin Veh, der Geschäftsführer Sport des 1. FC Köln zum “Kölner Stadt-Anzeiger”. Er offenbarte in dem bemerkenswerten Interview nicht nur politische Bildungslücken, sondern auch auffällige Unkenntnis zu den Strukturen seines Arbeitgebers. Oder schlimmer: Sie scheinen ihm egal zu sein.

Veh kennt die Strukturen des 1. FC Köln (immer noch) nicht

Denn die Satzung des 1. FC Köln sieht demokratische Legitimationen für nahezu alle Entscheidungsträger vor. Auch für Armin Veh. Der Vorstand bestellt die Geschäftsführung der KGaA und kontrolliert sie. Dafür wählen ihn die Mitglieder genau so wie den Mitgliederrat, der den Vorstand kontrolliert. Im Klartext: Klare Entscheidungswege und demokratische Kontrolle schließen sich nicht aus. Sie existieren beim effzeh seit Jahren. Das gewählte Präsidium versuchte zwar in den vergangenen Jahren regelmäßig, die „Checks and Balances“ des Vereins so gut es geht zu umgehen, abgeschafft wurde die Kontrolle dadurch allerdings freilich nicht.

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Armin Veh versteht das alles anscheinend nicht. Die Strukturen seines Arbeitgebers scheinen für ihn trotz seiner fast anderthalbjährigen Amtszeit nicht von großer Relevanz zu sein. Zudem gab er unfreiwillig sein mangelhaftes Demokratieverständnis preis. Er hält Vereinsdemokratie offenbar für Quasselbudentum, bei dem keine Entscheidungen getroffen werden könnten, da angeblich zu viel Mitbestimmung herrsche. Dabei beantwortet er seine Frage “Wie soll das denn gehen?” durch sein Handeln und entsprechende Befugnisse jeden Tag selbst. Das scheint er nicht zu realisieren.

Sehnsucht nach starken Männern an der Spitze

Veh munitioniert mit seiner Darstellung die Sehnsüchte nach starken Männern. Eine Person soll entscheiden, der Rest den Mund halten. Die größte Angst des Sportchefs scheint derweil aus Leuten, “die nicht aus dem Fußball kommen”, zu bestehen. Damit erfüllt der 58-Jährige das Klischee über Ex-Fußballer, denen es nur um Besitzstandswahrung geht und denen es vor professionellen Strukturen der Wirtschaft graust. Auch, weil dann andere Ansprüche an ihre Arbeit gestellt würden.

COLOGNE, GERMANY - MAY 05: Armin Veh of 1.FC Koeln looks on prior the Bundesliga match between 1. FC Koeln and FC Bayern Muenchen at RheinEnergieStadion on May 5, 2018 in Cologne, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Für Veh ist der Profifußball offenbar eine Insel, die zwar scharenweise Touristen anlocken soll, aber nur von Eingeborenen betrieben werden kann – mögen sie noch so unprofessionell arbeiten. Eine quasi-monarchische Sichtweise: Ex-Fußballer müssten das Geschäft wie Erbmonarchen verwalten. Wer nicht zur Familie gehört, muss draußen bleiben. Dabei geht es keinesfalls darum, sich in das Tagesgeschäft einzumischen – es geht explizit um Kontrolle der handelnden Verantwortlichen.

Wiederholte Einmischung und Lernresistenz – Veh ist ein Risiko

Seine Aussagen bezeugen zudem, dass Veh für jede Vereinsführung ein Risiko darstellt. Ihm geht es um sich, um nichts anderes. Zum wiederholten Male kanzelt der ehemalige Trainer öffentlich die Strukturen des Vereins und damit eben auch dessen Repräsentanten und ihre Mandate als minderwertig ab. Im vergangenen Oktober attackierte er den damaligen Mitgliederratsvorsitzenden Stefan Müller-Römer samt Kollegen als “Vollamateure”, im März attackierte er mit Werner Spinner sogar den Präsidenten (seinen Vorgesetzten!). In der Folge trat Spinner zurück, weil der Gemeinsame Ausschuss eine Entlassung Vehs nicht mittragen wollte. Dabei wäre sie berechtigt, vielleicht sogar notwendig gewesen. Denn Veh scheint seitdem nichts dazugelernt zu haben. Sonst hätte er niemals ein solches Interview gegeben.

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