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Meinung

Über den Abstieg des 1. FC Köln: Die Wut ist seltsam leise

Der nächste Abstieg des 1.FC Köln steht unmittelbar bevor, es ist der vielleicht Unnötigste in der Geschichte des Vereins. Doch die Wut darüber hält sich überraschenderweise in Grenzen. Ein ganzer Verein hat einen Kloß im Hals. 

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Der nächste Abstieg des 1. FC Köln steht unmittelbar bevor, es ist der vielleicht Unnötigste in der Geschichte des Vereins. Doch die Wut darüber hält sich überraschenderweise in Grenzen. Ein ganzer Verein hat einen Kloß im Hals. 

Ich bin Jahrgang 1987. Als der glorreiche 1. FC Köln 1998 zum ersten Mal abstieg, war ich also ganz am Anfang meiner Laufbahn als glühender Anhänger. Ich bin aus der Generation, die sich selbst nie zugestehen wollte, dass ihr Verein eine Fahrstuhlmannschaft sei. Ein Club, der eigentlich zu gut für die 2. Bundesliga ist, der aber immer wieder erfahren muss, dass es für die 1. Bundesliga auch nicht reicht. Hoch und Runter. Immer wieder. Meinem Dasein als Fan des 1. FC Köln hat das nie geschadet, ganz im Gegenteil. Es war einmal ein treuer Husar.

Der erste Abstieg, beim Hamburger SV sollte man da mal genauer hinschauen, galt noch als Betriebsunfall, der schnellstmöglich korrigiert werden musste. Nach jedem weiteren hieß es stets, jetzt komme der langersehnte nötige vollständige Umbruch. Und jeder Abstieg war mit Wut verbunden. Wut auf zunehmend unfähigere Entscheidungsträger, Wut auf eine nicht aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft, Wut auf sich selbst, weil man sich doch jeden Samstag aufs Neue an das letzte Fünkchen Hoffnung geklammert hatte.

Der 1. FC Köln: Erst in Europa, dann am Abgrund

In dieser Saison ist das alles ein wenig anders. Denn die Wut ist seltsam leise. Seltsam, weil die Anhänger des 1. FC Köln allen Grund dazu hätten, laut und wütend sein. Viel Zeit investieren sie, Geld ohnehin, emotional ist der Support Woche für Woche – trotz immer wieder katastrophaler Aussetzer und Niederlagen. Die effzeh-Fans haben in diesem Jahr eine bemerkenswerte Achterbahnfahrt mit ihrem Club mitmachen müssen. Denn die Saison startete mit der größten Euphoriewelle meines Fan-Daseins. Zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahrzehnten hatte sich der glorreiche 1. FC Köln für den Europapokal qualifiziert. Alles an meinem Körper vibriert noch immer bei dem Gedanken an das gemeinsame Singen im Stadion des großen Arsenal FC. Unser effzeh in Europa.

Foto: Richard Heathcote/Getty Images

Die Euphorie war grenzenlos und das war auch gut so. Zumindest dachte man das. Peter Stöger, Jörg Schmadtke und Alex Wehrle waren doch bekannt dafür, gerade mit zu großer Euphorie ob des Erreichten gut umgehen zu können. Bodenständig zu bleiben – „ruhig, ganz ruhig.“ Die Ruhe, die Schmadtke damals voller Stolz und doch mit dem erhobenen Zeigefinger predigte, sie ist jetzt da. Es scheint nicht die Ruhe vor dem Sturm zu sein, schwarze Abstiegswolken dürfte es dieses Mal kaum geben. Der erneute Niedergang des 1. FC Köln ist nach menschlichem Ermessen nicht mehr aufzuhalten, wir werden erneut absteigen in die 2. Bundesliga.

Der schleichende Abstieg und nur ganz wenig Wut

Zu schlecht für die erste, die Hoffnung darauf, dass wir auch wieder zu gut für die zweite sein werden, wird kommen. Der Abstieg kommt diesmal nicht plötzlich, nicht überraschend, er hat sich eine ganze Saison lang abgezeichnet. Jedes Wochenende ein neuer Nackenschlag. Für die Fans, aber genauso für die Spieler. Die Unsicherheiten, die Angst weitere Fehler zu machen, sie war und ist jederzeit spürbar. So ist das bei einem Absteiger.

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