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Der abermalige Absturz in die 2. Bundesliga ist für den 1. FC Köln endgültig besiegelt. Trotz der langen Vorbereitungszeit sitzt der Schmerz beim effzeh über den Abstieg, der so verdammt überflüssig ist, tief. 

Wat och passeet
dat Eine es doch klor
et Schönste, wat m’r han
schon all die lange Johr
es unser Veedel,
denn he hält m’r zosamme
ejal, wat och passeet
en uns’rem Veedel.

Nachdem der sechste Abstieg der Vereinsgeschichte verdientermaßen besiegelt war, gab es für die Spieler des 1. FC Köln noch einmal einen Gänsehautmoment: Mit tieftraurigen Gesichtern standen die effzeh-Profis nach dem Abpfiff vor dem Gästeblock, der erst aufmunternden Applaus spendete und danach einen kölschen Klassiker intonierte. „En unserem Veedel“ sangen die erneut zahlreich mitgereisten Anhänger inbrünstig, sie schmetterten es geradezu Richtung Rasen. In unserem Viertel – da hält man zusammen, was auch immer passiert. Es war eine trotzige Ansage an die Spieler auf dem Platz, es war eine trotzige Ansage an den Rest der Bundesliga. Auch wenn wir gerade wieder einmal abgestiegen sind: Wir werden unseren Verein auch diesmal nicht im Stich lassen. Und wir kommen auch diesmal definitiv wieder.

„Danke, dass ihr so hinter uns steht“

Bei den Kölner Spielern hinterließ der Auftritt der eigenen Fans, die den wieder einmal grenzwertig bundesliga-tauglichen Bemühungen ihrer Mannschaft Beifall zollten, großen Eindruck. „Danke, dass ihr so hinter uns steht! Das ist einmalig und habe ich so noch nie im Fußball erlebt! Ich bin stolz, unseren Weg weiter mitgehen zu dürfen! Gemeinsam durch dick und dünn!“, postete effzeh-Torwart Timo Horn mit einem Bild der Szene vor dem Gästeblock auf Instagram. Auch sein Kollege Marco Höger war voll des Lobes für den Support die gesamte Saison über: „Wir müssen uns bei jedem einzelnen, der uns auswärts und zu Hause unterstützt hat, bedanken. Das ist Wahnsinn, das habe ich so noch nicht erlebt. Man kann nur den Hut ziehen: Die Fans haben eine wesentlich bessere Leistung über die gesamte Saison gebracht als wir“, erklärte der Mittelfeldspieler schonungslos offen.

Die Partie im Breisgau, die den Absturz des diesjährigen Europapokal-Teilnehmers perfekt machte, glich wieder einmal einem Spiegelbild der Kölner Saison: Mit haarsträubenden Abwehrfehlern brockte sich der FC einen 0:2-Rückstand durch einen Petersen-Doppelpack ein, Freiburg vergab sogar noch einen Elfmeter kläglich. Spät bäumten sich die Gäste auf und kamen durch zwei Treffer von Leonardo Bittencourt zum Ausgleich. Kurz nachdem sich die Chance zum Sieg auftat, die der eingewechselte Pizarro liegen ließ, sicherte Höler praktisch im Gegenzug den Freiburgern den wichtigen Dreier im Abstiegskampf und schoss die Rheinländer in die 2. Bundesliga.

Ziel ist der direkte Wiederaufstieg

„Der Abstieg ist bitter und tut in diesem Moment richtig weh. Da geht es uns allen wie unseren Fans“, betonte FC-Sportgeschäftsführer Armin Veh nach der Niederlage in Freiburg und blickte nach dem sich lange andeutende Gang in die 2. Bundesliga direkt wieder nach vorne. Ziel für den effzeh kann in der kommenden Saison nur der direkte Wiederaufstieg sein. Das muss der Anspruch für den Verein sein, allein schon als Dank für die Unterstützung der Anhänger: „Es ist schön zu sehen, dass die Fans nach dem Abstieg trotzdem voll hinter der Mannschaft und hinter dem Club stehen. Sie sind durch ein schweres Jahr gegangen. Wir haben eine große Verpflichtung. Wir müssen das wieder ausbügeln und den Fans auch wieder glücklichere Tage schenken. Das ist ein großer Auftrag“, so Veh.

REIBURG IM BREISGAU, GERMANY - APRIL 28: Jorge Mere of Koeln looks dejected during the Bundesliga match between Sport-Club Freiburg and 1. FC Koeln at Schwarzwald-Stadion on April 28, 2018 in Freiburg im Breisgau, Germany. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Lange konnte sich der effzeh auf den „Betriebsunfall“, den sechsten innerhalb von 20 Jahren, einrichten. Zu desaströs war die Hinrunden-Bilanz, als die „Geißböcke“ lediglich sechs Punkte einfahren konnten. Zu schwach präsentierte sich die Mannschaft eigentlich die komplette Saison über, geprägt von individuellen und kollektiven Aussetzern in der Defensive und größtenteils erschreckender Ideenlosigkeit im Angriff. Zu keiner Zeit gelang es dem 1. FC Köln, auf Strecke eine bundesliga-taugliche Leistung anzubieten. Unter dem Strich steht ein völlig verdienter Abstieg, der trotz (oder gerade wegen?) der langen Vorbereitung dennoch sehr schmerzt.

Nur die Fans waren bundesliga-tauglich

Eine perfekte Ausgangslage hatte der effzeh vor der Saison: Die Europapokal-Euphorie beeindruckte Spieler wie Verantwortliche, das Konto war nicht nur durch den Verkauf von Anthony Modeste prall gefüllt. Das jahrelange Leiden an diesem wahnsinnigen Verein schien ein Ende zu haben. Das Aufwachen aus diesem Traum schmeckt angesichts des grotesk überflüssigen Abstiegs bitter: Von der Vorstandsetage bis hin zum Kader – es fehlte an allen Ecken und Enden beim 1. FC Köln an Qualität. Ein bitteres Eingeständnis für alle Beteiligten. Ein bitteres Eingeständnis, das Konsequenzen haben muss. Denn: Außer den Fans war tatsächlich nichts bundesliga-tauglich in dieser verkorksten Saison.

Wat och passeet
dat Eine es doch klor
et Schönste, wat m’r han
schon all die lange Johr
es unser Veedel,
denn he hält m’r zosamme
ejal, wat och passeet
en uns’rem Veedel.

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