Der 1. FC Köln hält trotz historischer Talfahrt vorerst an Peter Stöger fest. Die Diskussionen wird das halbgare Bekenntnis nicht beenden. Unser Kommentar.

Es war schon Mittag am Geißbockheim, als der 1. FC Köln die Entscheidung endlich öffentlich machte: „Peter Stöger wird die Mannschaft auf das Spiel auf Schalke vorbereiten und am Samstag auf der Bank sitzen“, verkündete effzeh-Geschäftsführer Alexander Wehrle via Twitter. Der Trainer, dessen Stuhl nach der elften Niederlage im 13. Bundesliga-Spiel bedenklich wackelte, erhält also noch einmal eine Schonfrist: Bis zum Auswärtsspiel bei den Königsblauen wird der Österreicher also trotz der historischen Talfahrt der „Geißböcke“ weitermachen dürfen.

Doch wieder einmal hatten sich die effzeh-Verantwortlichen nicht zu einer klaren Aussage durchringen können, obwohl die sportliche Situation eigentlich danach verlangte. Will der Klub bis zum vermutlich bitteren Ende mit Stöger weitermachen? Oder geht es dem einstigen Erfolgscoach angesichts der miserablen Bilanz doch irgendwann an den Kragen? Die Sehnsucht nach dem Freiburger Modell, die mit ihrem charismatischen Frontmann Christian Streich vor zwei Jahren abgestiegen waren und dennoch an ihm festhielten, ist bei einigen effzeh-Fans groß. Doch die Kritik am Österreicher wird von Spiel zu Spiel lauter, die Leistungen wie die Punktausbeute geben dazu auch genügend Anlass.

Grundsatzentscheidung zu Stöger ist überfällig

Das Treuebekenntnis zu Stöger nur von Woche zu Woche zu erneuern ist dabei kein Teil der Lösung, sondern eher ein Teil des Problems. Ein mental angeknackstes Team, das allein aufgrund der Tabellensituation schon massiv unter Druck steht, jeden Spieltag aufs Neue in ein Endspiel um den Job ihres intern noch angesehenen Trainers zu schicken grenzt an Wahnsinn. Die Grundsatzentscheidung über Stögers Zukunft beim 1. FC Köln ist längst überfällig: Entweder ist die Überzeugung, dass Stöger der Richtige für diese Mannschaft ist, groß genug, dann muss er, egal was kommt, bleiben. Oder aber größere Zweifel sind vorhanden, dann hätte der effzeh schon früher zwingend reagieren müssen. Dass sich der Verein darum drückt und sich offenbar alle Handlungsmöglichkeiten offen halten will, zeugt nicht gerade von Weitblick und auch nicht von Handlungsstärke.

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Die Frage drängt sich allerdings auch auf, wer eine solch weitreichende Entscheidung überhaupt treffen soll: Der sportlich Hauptverantwortliche für das Desaster hat sich längst in bester Schettino-Manier vom sinkenden Schiff verpisst, das hinterlassene Kompetenzvakuum am Geißbockheim ist nach dem überraschenden Abgang noch nicht gefüllt. Von Werner Spinner, einst selten um einen öffentlichkeitswirksamen Auftritt verlegen, ist nichts mehr zu sehen und zu hören – so manch ein effzeh-Fan wollte schon eine Vermisstenanzeige nach dem effzeh-Präsidenten aufgeben. In der Außenwahrnehmung dominiert in diesen Fragen unterdessen Vizepräsident Toni Schumacher, dessen Auftritt bei Sky vor dem Hertha-Heimspiel für diverse Fremdscham-Anfälle nicht nur unter den Kölner Anhängern sorgte.

Zweitklassig – auf und neben dem Platz

Letztlich hängt der 1. FC Köln, so bitter das auch sein mag, am Tropf des Trainers. Entlässt der effzeh auch ihn aus der Verantwortung, fehlt dem führungs- und kopflosen Klub das letzte Gesicht, das für sportliche Kompetenz steht. Wie der Verein dieses Dilemma bewältigen will, das scheint aus den vergangenen Wochen nicht ersichtlich zu sein. Diese Planlosigkeit passt aber auch in das Bild, das der effzeh auf und neben dem Rasen in diesen Tagen abgibt. Nicht nur die Leistungen der Mannschaft sind derzeit zweitklassig, der Umgang mit der Krise leider auch. Die Diskussionen um Peter Stöger dürften angesichts der halbgaren Unterstützung nicht abreißen, das nächste Endspiel steht für alle Beteiligten dann auf Schalke an. Um dann, sollte nichts Schlimmeres passieren, am Sonntag wieder den nächsten wöchentlichen Treueschwur präsentiert zu bekommen.

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