Liebe Anhänger des 1. FC Köln, wir müssen reden.

Ich verstehe, dass das allzu vertraut anmutende Chaos und die wenig aufbauenden Nachrichten aus der Kommandozentrale des Geißbockheims der letzten Wochen und Tagen nicht einfach zu ertragen sind. Auch mich schmerzt es,  unseren geliebten Fußballclub in diesem desolaten Zustand zu sehen – als dankbares Gespött der Liga. Auch ich habe momentan so etwas wie einen FC-Kater.

Dennoch ärgere ich mich in diesen sowieso schon anstrengenden Zeiten über viele von euch. Vor Wut schäumend oder lethargisch vor Enttäuschung verkünden viele feierlich die Kündigung der Mitgliedschaft – meist in den sozialen Netzwerken in einer Art offenem Brief an den Vorstand. Wie viele dieser Schreiben tatsächlich beim Verein eingehen, kann ich natürlich nicht sagen. Gründe für die Austritte gibt es viele, doch meist wird die Entlassung von Trainer Peter Stöger genannt. Der überall beliebte Trainer und sein Team werden sportlich und menschlich eine riesige Lücke hinterlassen, so viel ist klar. Doch bedenkt bitte, dass keine Personalie der Welt jemals größer sein kann und sein wird als dieser Verein, als dieser glorreiche 1. FC Köln. Über eure Energie, die ihr auf einmal aufbringt, um gegen „die da oben“ zu pöbeln, weil sie einsame und unpopuläre Entscheidungen treffen, wundere ich mich dann doch.

Wir brauchen mehr kritische Geister, aber doch keine wild pöbelnden Nutzer, die direkt alles hinschmeißen

Versteht mich nicht falsch. Ich begrüße euren aufgeflammten kritischen Geist. Ich finde es toll und eigentlich lange überfällig, dass sich der Großteil der FC-Anhänger kritisch mit dem Verein und auch dem zunehmend dünnhäutigen Vorstand auseinander setzt. Denn das freiwillige Schweigen, das Desinteresse vieler Vorstands-höriger Mitglieder hat mich zuletzt auf der Mitgliederversammlung traurig und sprachlos gemacht. In diesem Moment hätten wir, die Mitglieder des 1. FC Köln, es in der Hand gehabt, (Vereins)-Geschichte zu schreiben. Aber ein Großteil von euch war erst gar nicht anwesend, und die, die da waren, wollten sich zu gewissen Teilen lieber einen kostenlosen roten Kapuzen-Pullover sichern, als demokratische Elemente in der Vereinssatzung zu verankern. Do lachste dich kaputt – wenn es nicht so traurig wäre. Nun gut, ich bin mir sicher, dass die Mitgliederinitiative 100proFC ein anderes Ergebnis erreicht hätte, wäre die Mitgliederversammlung in diesen turbulenten Tagen abgehalten worden und nicht im Windschatten der Europa-Euphorie. Das werden wir aber nie erfahren und das steht auf einem anderen Blatt.

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Es liegt mir wirklich fern, diese schmierige Werbekampagne „Werde FC“ zu unterstützen, wenn ihr aber keine Vereinsmitglieder mehr seid, habt ihr keine Chance auf Mitbestimmung. Ihr seid Konsumenten, die sich für das Produkt entscheiden und Sympathien dafür hegen. Aber Teil des Vereins 1. FC Köln seid ihr streng genommen nicht mehr. Und das wäre schade. Denn ich würde mir wünschen, dass ihr euren Frust in Energie umwandelt. Lasst das, was euch bewegt, nicht verpuffen, sondern nutzt die Chance und bringt euch ein. Ich wünsche mir weniger Leute, die theatralisch die Brocken hinwerfen und die ihre Energie im Internet vergeuden und gleichzeitig mehr mündige Mitglieder, die Visionen haben, die anpacken und den Mut haben, etwas zu verändern.

Fünf Spiele in drei Wochen vor der Brust

Zurück ins desaströse Jetzt. Ja, das tut weh, ich weiß. Wir stehen vor zweieinhalb Englischen Wochen, davon ein Endspiel in der Europa League, Endspiele in der Liga sowie eine K.O.-Begegnung im Pokal. Wir sind gefühlt kopflos, treten mit einer absoluten Rumpftruppe an und haben selbst mit einem mit Jugendspielern aufgefüllten Kader, Probleme, 10 spielberechtigte Feldspieler zusammen zu bekommen. Optimal ist diese Ausgangslage also nicht. Trotzdem werden wir alle hinter der Mannschaft stehen und sie anfeuern in diesen schweren Zeiten.

>>> Peter Stöger nach der Trennung: „Ich habe mich in Köln immer wohlgefühlt“

Wir werden in den kommenden Tagen zu tausenden nach Belgrad pilgern – knapp 200 von uns mit der ersten Fan-Chartermaschine in der Geschichte des Vereins! Wie geil ist das denn bitte? Wir werden der Mannschaft in Müngersdorf wenige Tage später gegen Freiburg unsere Ehre erweisen. Wir fahren nach München, ans andere Ende der Republik. Mitten in der Woche und mit dem Nachtzug zurück nach Köln. Wir feuern die Mannschaft beim Heimspiel gegen den Plastikclub aus Wolfsburg an und fahren dienstags zum Pokalspiel ins verhasste Gelsenkirchen. Klar motzen wir und manchmal schäumen wir vor Wut, aber in letzter Konsequenz sind wir da. Und wir sind laut, weil wir das so machen, denn der Verein ist größer als das Chaos, das handelnde Personen anrichten können. Wir sind da, weil wir immer da sind.

„Wir sind die Fans, wir sind der Verein“ wird das Credo der kommenden Wochen lauten. Dann lasst uns das zusammen durchziehen. Denn wir alle singen vor den Heimspielen denselben  Treuschwur „Mer Schwöre Dir he op Treu un op Iehr: Mer stonn zo Dir, FC Kölle“  – und nur wir – die Fans des 1. FC Köln – können ihn mit Leben füllen.

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9 Kommentare

  1. Gott, was für ein Gelabere.
    Hier wird immer vom Verein gesprochen. Wer bitte ist das?
    Der Vorstand, die Manager, der Trainer, die Mannschaft, die Spieler, die Mitglieder, die Fans, das Maskottchen?
    Die Identifikation vieler Fans und Mitglieder mit P.Stöger war und ist riesengroß. Mir fällt spontan kein Spieler des FC ein, dem gleiches widerfährt. Von Vorstand und Managern ganz zu schweigen. Wenn Fußball was mit Herzblut zu tun hat, dann bluten diesen Mitgliedern und Fans das Herz.

    • Ja genau, dass Herz blutet! Und das Spürbar anders! Stöger verdient Respekt! Mit dem zur Zeit “ FC Lazarett “ hat die Mannschaft noch alles an Pech inkl. den blinden Videoschiris als Virus eingefangen, was geht! 17 Mille für einen Modeste Ersatz, mehr Wahnsinn geht nicht! Da wäre Novakovic, Prinz Poldi, deutlich effektiver gewesen! FC ein Leben lang! Aber, ein Wehrle sollte langsam Erwachsen werden und wie Kahn sagte, Eier haben!

  2. Liebe Frau Peters, wir müssen nicht viel miteinander reden, denn als FC-Mitglied bin ich vollkommen Ihrer Meinung – bis auf einen Punkt:
    In dieser Gesellschaft scheint sich ein Virus auszubreiten, der die Auffassung vertritt, dass nur Minderheiten Recht haben und demokratisch sind, und alle anderen meinungslos bzw. verführbar sind und keine Ahnung haben. Diesem Virus trete ich hiermit, wie gewünscht, mit Mitbestimmung, Pluralismus und Energie entgegen. In der Vereinssatzung sind demokratische Elemente in dem von Ihnen angesprochen Punkt verankert, allerdings gefällt einer Minderheit nicht die Ausgestaltung des Satzungspunktes – mir schon, daher habe ich gegen die Änderung gestimmt.

  3. Ich finde auch den Kommentar, bis auf eine Ausnahme, gut. Auch ich bleibe natürlich Mitglied, jetzt gerade.

    Allerdings wehre ich mich dagegen, dass man auf der Mitgliederversammlung die Demokratie nicht gelebt hätte und nur auf den Hoodie ausgewesen sei. Demokratie ist für mich nämlich die Möglichkeit mir Sachen durch den Kopf gehen zu lassen und dann dafür zu stimmen, was meiner Meinung entspricht. Im Vorfeld der Mitgliederversammlung wurde ausreichend auf den Antrag der Mitgliederinitiative hingewiesen und ich habe mir die Meinung gebildet, diese nicht zu unterstützen. Vor der Halle wurde mir regelrecht ein Flyer der Initiative aufgedrängt (ich möchte eigentlich schon selbst entscheiden was ich entgegennehme). Und dann während der Mitgliederversammlung: bin ich dann der Einzige, den das Verhalten der Initiative genervt hat – das war in meinen Augen nicht demokratisch, was da ablief. – Aber jedem seine Meinung, ich grenze auch keinen aus, der die Initiative unterstützt hat. – Ich hatte eher das Problem, dass die Länge der Versammlung meine Rückfahrt mit dem Zug begrenzt hat – und da war ich nicht alleine mit dem Problem. Mein ganzer Zug war voller FC Fans, die mit dem letzten Zug fahren mussten und die meisten von uns waren ohne Hoodie an Bord.

  4. Respekt für diesen Kommentar, liebe Frau Peters. Sie sprechen mir zu 100% aus der Seele.
    Als in München lebendes FC-Mitglied sind sowohl das Mitleid als auch die guten Ratschläge der erfolgsverwöhnten Eventfans sehr schwer zu ertragen.
    Trotzdem muss man gerade jetzt die (FC-)Fahne hoch halten.
    Grüße, Mahnes

  5. „[…]und die, die da waren, wollten sich zu gewissen Teilen lieber einen kostenlosen roten Kapuzen-Pullover sichern, als demokratische Elemente in der Vereinssatzung zu verankern.[…]“

    Geht das schon wieder los? Es gibt Mitglieder, die waren da, weil sie aus sachlichen Gründen gegen die Satzungsänderung waren(ich zum Beispiel). Und die haben nun einmal(trotz der paar, die gegangen sind nachdem sie ihre Hoodies hatten) die Mehrheit ausgemacht – das muss man auch mal als Verlierer akzeptieren können!
    Dieses ständige Nachtreten, in dem man Leute, die anderer Meinung sind zu jemandem herabwürdigt, der nur blind den Hoodies hinterhergelaufen ist, aber eigentlich von der Sache garkeine Ahnung hatte, ist ganz, ganz mieser Stil. Denn es suggeriert, jeder der gegen die Satzungsänderung gestimmt hat wäre im Grunde nur von Spinners Hoodies gekauft worden und eigentlich nicht im Stande sich eine eigene Meinung zu bilden. Dem ist aber nicht so. Mir ist wichtig was in meinem Verein passiert und ich lasse mir meine Meinung dazu sicher nicht mit einem billigen Hoodie abkaufen.
    Es ist total legitim, dass es den Änderungsantrag zur Satzung gab und ich fand es gut, dass man das Thema auf der MV kontrovers diskutieren konnte. Aber das demokratische Votum der Mitglieder war nun einmal recht eindeutig und die Initivative hat keine Mehrheit überzeugen können – deal with it.

    Was den eigentlichen Tenor des Kommentars betrifft stimme ich im Übrigen zu. Gerade jetzt müssen wir Kölner sein, gerade jetzt hinter der Mannschaft stehen. Heute Abend geht mein Flug nach Belgrad. COME ON EFFZEH!

  6. Die Überhöhung dieses Fussballtrainers nimmt mittlerweile „poldieske“ Züge an. Mir geht es um Inhalt und um den FC.
    Muss hier Christian Loer mal zustimmen: „Unfitte Mannschaft. Keine Aggressivität. Unverständliche Aufstellungen“
    Bitte alle austreten und Platz für Freunde des modernen und guten Fussballes machen.

  7. Was wäre das richtige Zeichen zum richtigen Zeitpunkt gewesen? Eventuell nach dem hoffenHeimspiel 03 den Peter Stöger zu entlassen oder bis zur Winterpause mit ihm weiter zu machen? Die Misere begann mit den Einkäufen im Sommer und da ist schmadke Haupt schuldig. P Stöger musste mit dem zurechtkommen was er hatte, fast chancenlos. Die guten Spiele gingen mit Pech verloren und jetzt fehlt die Sicherheit und viele Spieler. Alles Gute ruthenbeck. Ich werde jetzt mit 53 jahren endlich Mitglied. Viele Grüße Ulle

    • Hallo Ulle , bin auch 53 Jahre und der gleichen Meinung. In einer so großen FAN GEMEINSCHAFT wie beim FC, wird es immer verschiedene Meinungen und Verhaltensweisen geben, deswegen sollte man immer die Demokratische Mehrheit akzeptieren. Was ich bei einer Sachlichen Diskussion überhaupt nicht mag, sind Pauschalurteile und Aggressive Hetzjagden. Für mich wird der FC immer so etwas wie Familie sein und von der trennt man sich so schnell nicht.

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