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Vorspiel

1. FC Köln zu Gast bei Hertha BSC: Zurück zum Wichtigen

Nach einer Abreibung der Bayern muss der effzeh in Berlin bei der Hertha ran. Es geht für beide darum, die Distanz zu den Abstiegsplätzen zu vergrößern. Mit einem Sieg könnte der effzeh dem Gegner zudem die Stimmung weiter vermiesen. Unser Vorspiel.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Auswärtsfahrten an Karneval sind etwas Besonderes. Sie machen eigentlich immer Spaß, bei gewonnenen Spielen gegen unsympathische Clubs aber noch mehr. Eine solche Gelegenheit bietet sich am Samstag. Denn der effzeh trifft auf die Mannschaft des “spannendsten Fußball-Projektes in Europa” (Jürgen Klinsmann). Er kann seine Rückrundenbilanz auf neun Punkte ausbauen und die aufgemotzte Berliner Mannschaft mit einem Sieg überholen. Das Spiel kann außerdem signalisieren, wie stabil der effzeh wirklich ist.

Bislang verläuft die Rückrunde der Domstädter ordentlich. Von vier Spielen gewannen sie zwei und holten damit jetzt schon mehr Punkte als in der Hinrunde nach sieben Spielen. Zwar verpassten der BVB und die Bayern ihnen heftige Ohrfeigen, doch die Mannschaft zeigte auch dabei keine Resignation. Als konstantes Problem erwiesen sich in jedem Spiel nur die Anfangsminuten, die auch schon gegen Wolfsburg und Freiburg frühe Rückstände nach sich hätten ziehen können. Allerdings steckten die Spieler nie auf, sondern bewiesen stets Moral und taktische Disziplin. Zudem erwies sich Mark Uth schon jetzt als extrem wertvoll. Markus Gisdol setzt ihn so ein, dass Uth all seine Stärken ausspielen kann.

Wer ersetzt Bornauw und Katterbach?

Vor Uth wird erneut Jhon Cordoba agieren. Der Kolumbianer profitiert von Gisdols Spielweise extrem. Seine Physis macht ihn zu einem der unangenehmsten Spieler der Liga. Trotz seiner nach wie vor erkennbaren technischen Defizite hat er inzwischen auch Torjägerqualitäten unter Beweis gestellt. Anthony Modeste und Simon Terodde haben derzeit klar das Nachsehen, ersterer fällt zudem wegen Adduktorenproblemen aus.

„Eines sollte man auf keinen Fall machen: In Passivität verfallen.“

Ansonsten wird Gisdol auf zwei wichtigen Positionen umdisponieren müssen: Noah Katterbach fällt als Linksverteidiger wochenlang aus, Innenverteidiger Sebastiaan Bornauw ist gesperrt. Viel spricht dafür, dass Toni Leistner sein FC-Debüt neben Rafael Czichos gibt und Ismail Jakobs nach hinten gezogen wird, um für Florian Kainz Platz zu machen. Das hätte den Vorteil, dass die sehr stabile Doppelsechs mit Ellyes Skhiri und Jonas Hector weiter starten könnte. Außerdem wäre Kainz gegen seinen Ex-Coach Nouri vermutlich doppelt motiviert. „Ich bin auf jeden Fall bereit“, gab der Österreicher sich unter der Woche schon kampfeslustig. Doch unabhängig von der tatsächlichen Aufstellung bleibt festzuhalten: Markus Gisdol hat seine Stammspieler gefunden. Die Verlierer dieses Prozesses heißen neben den Stürmern vor allem Jorge Meré und Birger Verstraete. Sie haben derzeit keine Chance und es deutet wenig darauf hin, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird. Auch nicht in Berlin.

Die Hertha: Aufruhr, Aufmotzerei und Abgänge

Bei der Hertha trat die fußballerische Situation zuletzt in den Hintergrund. Zu groß war das Getöse, mit dem Jürgen Klinsmann zunächst als trojanisches Pferd Lars Windhorsts große Ambitionen herumtrompetete, dann 80 Millionen Euro in neue Spieler pumpen durfte und schließlich vor ein paar Tagen per Facebook-Statement zurücktrat. Immerhin gelang es Klinsmann damit, den sonst eher langweiligen Club konstant zu bundesweiter Aufmerksamkeit zu verhelfen. Den Auswahlprozess des windigen Investors zugunsten Klinsmanns beschrieb dieser gegenüber der dpa vor seinem Rücktritt so: “Ich habe ihn im Oktober zehn Minuten auf dem Ku’damm in einer Bank auf dem Weg zum Tegeler Flughafen getroffen.” Was das bedeutet? Na ja, Geld mag zwar Tore schießen, garantiert aber keine Schläue.

COLOGNE, GERMANY - SEPTEMBER 29: Vedad Ibisevic of Hertha BSC celebrates after scoring his team's third goal during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Hertha BSC at RheinEnergieStadion on September 29, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Obwohl Klinsmann die Mannschaft mit teuren Spielern wie Krzystof Piatek, Santiago Ascacibar oder Matheus Cunha aufpeppte, bleibt die Mannschaft eine Wundertüte. Die individuelle Qualität einzelner Spieler ist hoch, gerade in der Offensive. Neben Piatek und Cunha kann Neu-Coach Alexander Nouri auch Dodi Lukebakio oder den FC-Nemesis Vedad Ibisevic bringen. Auf die Abwehr der Geißböcke kommt also in jedem Fall eine Menge Arbeit zu, bei der sie sich keine Unaufmerksamkeiten erlauben darf.

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Die Defensive der Haupstädter war dagegen zuletzt löchrig und verzeichnete in drei Spielen sieben Gegentore, auch wenn Gisdol auf der Pressekonferenz feststellte: „Es ist so, dass Hertha sehr oft versucht dem Gegner das Spiel zu überlassen und mit einer Fünferkette zuzumachen.“ Die Herthaner Inkonstanz in der Defensive dürfte sich auch in der oft mystischen Mentalität der Mannschaft wiederfinden; wirklich schlau wurde aus ihr niemand.

Kein Leckerbissen zu erwarten

Ein fußballerischer Leckerbissen erwartet die Zuschauer trotz allem eher nicht. Beide Mannschaften dürften harte Zweikämpfe führen und sich vielen Standardsituationen ausgesetzt sehen. Bleibt der effzeh defensiv stabil, ist für ihn etwas drin. Ein wenig Glück wird ebenfalls nötig sein – auch mit den Schiedsrichterentscheidungen. Der heutige Referee, Daniel Schlager, pfiff beim effzeh-Heimsieg gegen Bremen und gab dabei eine, für das deutsche Schiedsrichterwesen ungewöhnliche, ruhige und unauffällige Figur ab. In der Hinsicht gäbe es also schlimmere Voraussetzungen. Ansonsten hat es der effzeh selbst in der Hand. Die Hertha ist ein Gegner in Schlagdistanz und nicht Lichtjahre enteilt wie die Bayern oder der BVB. Hoffen wir also auf eine Rückfahrt, bei der es dreimal heißt: “Kölle Alaaf!”

 

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