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Fankultur & Sportpolitik

„Unser Fußball“: Fans fordern Umdenken bei Verband, Liga und Vereinen

Ein „Weiter so“ kann es für viele Fans nach der Corona-Pandemie nicht geben. Die Initiative „Unser Fußball“ fordert Vereine und Verbände auf, die Zukunft des Fußballs grundlegend neu zu gestalten. Wir erklären, was den Fans dabei wichtig ist.

COLOGNE, GERMANY - DECEMBER 14: Fans of Koeln are seen during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Bayer 04 Leverkusen at RheinEnergieStadion on December 14, 2019 in Cologne, Germany. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)
Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Der FC Köln rettet sich trotz eines hochnotpeinlichen Auftritts in Bremen zum Abschluss der Saison 2019/2020 und verbleibt in der kommenden Spielzeit in Liga eins. Die Saison ist seit Ende Juni Geschichte, wird als die erste Corona-Saison in die Geschichtsbücher eingehen. Dass die Saison überhaupt zu Ende gespielt wurde, hatte die DFL mit massivem Druck über Wochen auf die Politik und immer wieder unter Berufung auf ein fragwürdiges Hygiene-Konzept durchgesetzt. Auch mit diesem Verhalten wurde deutlich, wie weit auseinander Funktionäre und ihr System auf der einen Seite und die Fanbasis auf der anderen Seite tatsächlich liegen.

Nicht alle Fans waren und sind mit der Sonderrolle, die sich die Liga damit ganz selbstverständlich gab, einverstanden. Der Fußball habe sich von den Menschen distanziert. Oder die Fans haben sich vom System Fußball distanziert.  Mehr denn je fordern sie ein Umdenken, es könne kein „weiter so“ geben. Das zeigt sich auch in der Initiative „Unser Fußball – basisnah, nachhaltig, zeitgemäß“: Über Vereinsgrenzen hinweg haben sich mehr als 2300 Fanclubs und knapp 13.000 Einzelpersonen der Initiative seit Start der Plattform Mitte Juni 2020 angeschlossen (darunter auch effzeh.com). Nach dem Abschluss der Saison 2019/20 soll die Erklärung mit allen Unterzeichnenden an die Deutsche Fußball Liga und den Deutschen Fußball-Bund übergeben werden. Was diese dann daraus mitnehmen, ist offen.

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Forderung nach sozialer Verantwortung und greifbaren Reformen

Die gemeinsame Vision der Fans aller Vereine: ein anderer, besserer, gerechterer Fußball. Basisnah und demokratisch. Die Corona-Krise habe verstärkt, was viele Fans bereits seit Jahren mit Sorge betrachteten: „Die Corona-Krise hat weitere Schwächen des kaputten Systems Profifußball offenbart.“ Die Zeit sei gekommen, den Profifußball grundlegend zu verändern, schreiben die Fans auf ihrer Plattform, auf der jeder digital unterzeichnen kann.

„Weitermachen wie vor der Krise darf keine Option sein. Wir wollen nicht zurück zu einem kaputten System.“

Den Weg, den Verbände und Vereine eingeschlagen haben, lehnen sie grundlegend ab. „Weitermachen wie vor der Krise darf keine Option sein. Wir wollen nicht zurück zu einem kaputten System“, heißt es bei „Unser Fußball“. Sie fordern einen Grundsatzbeschluss im Sommer sowie die Einleitung konkreter Reformen: der neue Fußball soll definiert sein durch Fairness, eine soziale Vorbildfunktion einnehmen und auf demokratischen Strukturen fußen – alles Eigenschaften, die mit DFL oder dem DFB nicht in direktem Zusammenhang gebracht werden.

„Dank 50+1 gehören die Vereine ihren Mitgliedern“

Die Fans glauben, ein besserer Fußball ist möglich: Stellschrauben dafür sind eine gleichmäßigere Verteilung der TV-Gelder, die Einführung eines nationalen Financial Fairplays und die eindeutige Begrenzung von Investoreneinflüssen. Der Fußball der Fans soll wieder ein gesellschaftliches Vorbild sein, sozial handeln und der ökologischen Verantwortung gerecht werden. „In unserem Fußball gehören die Vereine Dank der 50+1-Regel ihren Mitgliedern.“

12.05.2019, xjpx, Fussball 2.Bundesliga, 1.FC Koeln - SSV Jahn Regensburg emspor, v.l. Suedkurve vor Spielbeginn mit einem Banner: Wir sind die Fans - Wir sind der Verein (DFL/DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and/or QUASI-VIDEO) Koeln *** 12 05 2019 xjpx Soccer 2 Bundesliga 1 FC Koeln SSV Jahn Regensburg emspor v l Suedkurve vor Spiellbein with a banner We are the fans We are the club DFL DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and or QUASI VIDEO Koeln

Foto: imago images/Jan Huebner

Eingetragene Vereine bilden die Basis in der Vorstellung der Fans. Der Fußball solle sich mit demokratisch-transparenten Entscheidungsprozessen zukunftsfähig aufstellen. „Ein auf langfristige Stabilität ausgelegtes Wirtschaften ist für diese Vereine in allen Ligen möglich. Wirtschaftlich nachhaltiges Handeln und die Bildung von Rücklagen sind fest in den Lizenzierungsverfahren verankert“, so das Bündnis.

Der Fußball habe sich von der Basis entfernt, so die Fans. Sie wollen wieder als elementarer Bestandteil wahrgenommen werden, nicht als Beiwerk. „Als Publikumssport lebt er [der Fußball, Anm. der Redaktion] von einer vielfältigen Fankultur im Stadion.“ Beteiligungsprozesse, die Fans regelmäßig und institutionalisiert teilhaben lassen sind das Ziel. Ein inklusives Stadion, in dem jeder seinen Platz hat, sozialverträgliche Ticketpreise und fangerechte Anstoßzeiten sind elementarer Bestandteil der Vision eines besseren und gerechteren Fußballs.

Herzstück und Alleinstellungsmerkmal sind die Fans

Was meint wer mit Reformen und wohin soll die Zukunft gehen? Da haben Vereinsverantwortliche und Fans sicherlich unterschiedliche Ansichten. Dass Christian Seifert dieselben Ideen pflegt, wenn er in seiner AG „Zukunft Profifußball“ darüber sinniert, darf bezweifelt werden. Durch das Bündnis wurde eine gemeinsame Erklärung geschaffen, hinter der 400.000 Fans stehen. Helen Breit von „Unsere Kurve“ forderte im ZDF-Sportstudio zumindest eine kritische Überprüfung seitens der Funktionäre. Kritische Stimmen am eigenen System wurden nur kurz laut, als das System durch Corona wirklich stillstand.

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Leider dauerte dieser kleine Moment nur kurz an, schnell waren die Gedanken beiseite gewischt und die DFL startete mit einem fragwürdigem „Hygiene-Konzept“, das in Praxis und Theorie mehrmals ad absurdum geführt wurde. Jedoch erst, wenn Liga und Offizielle wirklich verstanden haben, welches Faustpfand sie mit der ausdifferenzierten Fankultur in Deutschland eigentlich haben und die Fans als Teil des Fußballs betrachten, können Gespräche auf Augenhöhe stattfinden. Ob die Liga diese Fans überhaupt verdient hat, darf weiterhin bezweifelt werden.

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