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Transfers: Abwarten und Äpfel essen

Was Jörg Schmadtke im Interview mit der „Bild“-Zeitung erklärt, klingt nicht, als wäre der Kader des 1. FC Köln bald komplett. Die Fans müssen in diesem Sommer mehr Geduld mitbringen. Das muss kein schlechtes Zeichen sein. Ein Kommentar.

Abwarten und Apfel essen: Jörg Schmadtke | Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Vermutlich sind die Fans des 1. FC Köln mittlerweile einfach ein bisschen verwöhnt – zumindest was die zügige Abwicklung von Transfers angeht. Seitdem Jörg Schmadtke in Köln am Ruder ist, war der Kader für die nächste Saison oft schon beim ersten Trainingslager nahezu komplett. In diesem Sommer ist das anders.

Sané, Sané, Sané – abgesehen vom kurzzeitigen Verwirrspiel um die Zukunft von Anthony Modeste ist es vor allem ein Name, der die Gerüchteküche rund um den effzeh beherrscht. Der Deal mit dem zweikampfstarken Mittelfeldmann von Hannover 96 kommt bisher nur einfach nicht zustande. Doch warum ist das so?

Salif Sané | Foto: RONNY HARTMANN/AFP/Getty Images

Salif Sané | Foto: RONNY HARTMANN/AFP/Getty Images

Aktuell kein normaler Transfermarkt

„Die Frage können Sie sich selbst beantworten – zehn Millionen für einen Spieler, der gerade in die 2. Liga abgestiegen ist, ist ja keine normale Summe“, erklärt Jörg Schmadtke nun im Interview mit der „Bild“-Zeitung, die Geduldsprobe in Sachen Salif Sané. Doch das ist nicht alles, was der Kölner Geschäftsführer zu sagen hat. Denn auch abgesehen von der Personalie Sané sei der aktuelle Transfermarkt „mehr als durcheinander“.

Kein Wunder: Es ist Europameisterschafts- und Copa-America-Jahr und der 1. FC Köln ist mittlerweile durchaus in einer Verfassung, um bei dem ein oder anderen bei den Turnieren involvierten Spielern mitbieten zu können. Doch nicht nur die Großveranstaltungen unter den Augen der Weltöffentlichkeit sind ein Faktor für das aktuelle Preisniveau auf dem Spielermarkt.

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Die massiven Investitionen aus China scheinen in diesem Sommer ebenfalls erstmals heftige Auswirkungen zu haben. Wechselten vor ein paar Jahren noch hauptsächlich Kicker, die den Zenit ihrer Karriere überschritten hatten, ins Reich der Mitte, locken die Asiaten nun auch immer mehr Spieler, die in der Blütezeit ihrer Karriere sind, nach Fernost. „Wenn die Chinesen kommen und du glaubst, da musst du mitmachen“, sei das „gefährlich“, sagt Schmadtke zu den neuen großen Playern nur. Und tatsächlich ist es so, dass die meisten Bundesligisten – selbst wenn sie in Sachen Ablöse noch mithalten können – bei den Gehaltsofferten aus China schlussendlich klein bei geben müssen. Borussia Dortmund und Bayern München ausgenommen.

Neue Phase der Kaderpolitik beim 1. FC Köln

Wer angesichts dieser Umstände angesichts des Stillstands beim effzeh dennoch in Ungeduld verfällt, muss sich vermutlich einfach erst einmal an eine neue Phase der Kölner Kaderpolitik gewöhnen. [perfectpullquote align=“right“ cite=“Jörg Schmadtke“ link=““ color=“#cc0000″ class=““ size=““]„Transfers sind auf drei bis fünf Jahre ausgelegt. Da sind sechs Wochen nicht entscheidend.“[/perfectpullquote]Dass die Spieler des 1. FC Köln bei anderen Klubs so begehrt waren, wie in diesem Jahr, ist schließlich schon einige Zeit lang her. Zwar bedeuten Verkäufe wie der von Yannick Gerhardt natürlich auch neue Möglichkeiten – doch sollte nicht unter den Tisch gekehrt werden, dass die akuten Verluste im Kader mit den Transfers von Marco Höger, Konstantin Rausch und Artjoms Rudnevs durchaus gleichwertig ausgeglichen wurden.

„Ich finde, dass wir von der Kaderstärke und Größe her schon wettbewerbsfähig sind“, resümiert Schmadtke dann auch den Ist-Zustand – fügt aber vorsorglich an, dass er natürlich wisse, dass „der ein oder andere das anders sieht“. Aber auch nach Ende der Europameisterschaft sollte man in der Domstadt nicht allzu große Hoffnungen auf schnelle Neuzugänge haben, erklärt der Chef am Geißbockheim.

Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images

Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images

Schmadtke: „Wenn einer kommt und 40 bis 50 Millionen bietet“

Die Einkäufe sind ohnehin nur eine Seite der Medaille. Schließlich müsse man nun eben auch bedenken, dass man sich am Geißbockheim damit „zu beschäftigen hat“, wenn „einer kommt und 40 bis 50 Millionen bietet.“ Da das natürlich auch noch kurz vor Transferschluss passieren kann, sollten die Anhänger sich laut Schmadtke darauf einstellen, dass die Spielersuche in diesem Sommer „vielleicht“ bis zum 1. September laufen wird – auch wenn es beispielsweise für den neuerdings begehrten Nationalspieler Jonas Hector bisher keine Anfragen gebe.

Die aktuelle Hängepartie auf dem Transfermarkt sollte dennoch nicht als negatives Vorzeichen gesehen werden. Auch wenn man in der rheinischen Metropole nun deutlich mehr Geduld auf dem Transfermarkt mitbringen und teils schmerzhafte (aber immerhin lukrative) Abgänge verdauen muss, sind auf der anderen Seite wieder Zugänge in einer Größenordnung möglich, die es in Köln lange nicht mehr gegeben hat. Und das ist – so schwierig der Markt momentan auch sein mag – ein gutes Zeichen und kein Grund zur Sorge.

Zumindest bis zwei Tage vor Wechselfrist. Dann spätestens wird das „Abwarten und Äpfel essen“-Mantra von Jörg Schmadtke hinfällig und durch ähnlich weise Worte eines anderen großen Mannes des Bundesliga-Business abgelöst. Denn wie hat es Marcel Reif uns einst so schön erklärt? „Je länger es dauert, desto weniger Zeit bleibt.“ Stimmt.

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