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Ehrentribüne

Thomas Broich über den 1. FC Köln: „Damals waren wir ein Karnevalsverein“

Thomas Broich war ein spezieller Fußballer, der eine besondere Karriere hingelegt hat. Im Podcast „Rasenfunk“ spricht er auch über seine Zeit beim 1. FC Köln.

Foto: Vladimir Rys/Bongarts/Getty Images

Thomas Broich gilt als einer der besonderen Fußballer, die in den vergangenen Jahren das Trikot des 1. FC Köln getragen haben. Seine fußballerische Ausnahmebegabung stellte der Mittelfeldregisseur in der Bundesliga bei Mönchengladbach und beim 1. FC Köln unter Beweis. In der öffentlichen Wahrnehmung wurde Broich allerdings auch häufig als „der etwas andere Profi“ beschrieben, weil er Bücher las und den Eindruck vermittelte, dass Fußball nicht alles für ihn war. 2017 hat „Mozart“ seine Karriere in Australien beendet, dem Fußball-Podcast „Rasenfunk“ stand er im Rahmen des Formats „Tribünengespräch“ für ein fast dreieinhalb-stündiges Interview zur Verfügung, das wir euch wärmstens ans Herz legen.

In diesem Interview kam auch seine Zeit beim 1. FC Köln zur Sprache, über die wir einige Zitate von Thomas Broich gesammelt haben.

Thomas Broich über die Gründe seine Wechsels von Mönchengladbach nach Köln: „Ich kannte damals extrem viele Leute aus Köln, darunter auch eine coole Studenten-WG. Mein Gedanke war: Das könnte witzig werden. Daneben ist der 1. FC Köln ein absoluter Traditionsverein, das war mir echt wichtig. Diese Tradition, diese Verrückheit, diese coolen Fans – das habe ich mir von Köln versprochen.“

Seine Wahrnehmung dieses brisanten Wechsels: „Mir war die Brisanz des Wechsels bewusst. Ich hatte zwar eine Bindung zu Mönchengladbach, aber diese ganze Rivalität, die zwischen den Vereinen besteht, habe ich so nie empfunden. Ich finde, dass Vereine absolut geil sein können und sich gegenseitig nicht ausschließen.“

Die erste Zeit und Rückschläge in der Domstadt: „Es lief echt super, wir hatten damals eine coole und talentierte Truppe mit coolen Leuten. Ich denke unheimlich gerne daran zurück, es waren charakterlich echt feine und lustige Kerle dabei. Es gab nach der ersten Niederlage ein kräftiges Rauschen im Blätterwald, die Erwartungshaltung war sehr hoch und die Presse extrem hart. Es bedurfte damals nur ein paar kleiner Rückschläge, sodass das Ding zum Kochen kam. Es kam dann sehr schnell ein großer Druck rein, den wir als Truppe nicht verarbeiten konnten.“

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Den immensen Druck beim 1. FC Köln: „Ich kann mich an eine Geschichte erinnern, bei dem ein Foto in der Zeitung war, wo ein Spieler sehr prominent zu sehen war mit der sinngemäßen Überschrift: ‚So sieht ein Verlierer aus.‘ Da hast du als Spieler auch Schiss, weil du nicht derjenige sein möchtest, der als nächstes gekreuzigt wird. Als sensibler Spieler ist so etwas natürlich Gift. Wir haben dann als Team komplett den Faden verloren.“

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Das legendäre Pokalspiel gegen den FC Schalke: „Es lief von der ersten Minute an echt super und wir haben geil gespielt. In diesem Spiel hatten wir keinen Druck, es war unter Flutlicht und diese Pokalatmosphäre – wir hatten nichts zu verlieren. In meiner Erinnerung an meine Karriere in Deutschland sticht das Spiel deutlich heraus.“

Der Einfluss der eigenen Fans für die Psyche der Spieler: „Fans spielen eine Riesen-Rolle. Sie erweisen ihrer Mannschaft sehr oft einen Bärendienst, es gibt nichts Schlimmeres als nur ein Raunen, wenn Spieler eh schon verunsichert sind. Es ist unfassbar, welche positive Energie erzeugt werden kann im positiven Sinn – wenn ein Stadion abgeht, dann entsteht eine Wucht, die man nur schwer beschreiben kann. Auf der anderen Seite aber, wenn du psychisch eh schon ein wenig labil bist, denkst du dir ‚Bitte, bitte lass mich den Ball vernünftig annehmen‘, wenn dir ein holpriger Pass zugespielt wird. Man bekommt Angst vor diesem Raunen. Die Unruhe der eigenen Fans finde ich viel schlimmer als die Stimmung bei Auswärtsspielen.“

Die ganzen Eskapaden und Charaktere im Kader – da hat den effzeh in Deutschland ja niemand mehr ernstgenommen.

Der Empfang von Christoph Daum: „Es war absurd und damit tut sich kein Verein einen Gefallen. Das nahm ja schon die Züge einer Karikatur an. Man möchte als Verein total solide arbeiten und sich absolut aufs Wesentliche beschränken. Das hat der 1. FC Köln später unter Schmadtke und Stöger hinbekommen. Zu der Zeit waren wir ein Karnevalsverein, das trifft es. Die ganzen Eskapaden und Charaktere im Kader – da hat den effzeh in Deutschland ja niemand mehr ernstgenommen. Das war eine halbe Zirkusnummer.“

Eine unterhaltsame Anekdote, bei der Broich zu spät zum Training kam, die Worte des ehemaligen Spielmachers über den Aufstieg 2008 und die Gründe für den Wechsel nach Nürnberg findet ihr direkt beim Rasenfunk. Dort gibt es Kapitelmarken, mit denen ihr zur jeweiligen Stelle navigieren könnt. Den Link zum Tribünengespräch „Thomas Broich über seine Profikarriere“ findet ihr hier.

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