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Interviews

Stephan Schell über 1. FC Köln und Ultras: „Der direkte Dialog ist uns wichtig“

Stephan Schell, Vorsänger der „Wilden Horde“ und wichtige Figur der Kölner Kurve, spricht mit uns über die Anfänge des neuen FC-Vorstands, nötige Verbesserungen und Zuschauerausschlüsse wegen Covid-19.

Stefan Schell
Foto: Sebastian Bahr

Stephan Schell gibt der Südkurve des 1. FC Köln seit Jahren ein Gesicht – als Vorsänger der „Wilden Horde 1996“ sorgt er bei den Spielen für organisierten Support, kümmert sich im Vorstand der „Südkurve 1. FC Köln e. V.“ um Fanbelange und setzt sich darüber hinaus für den Erhalt der Fankultur auch außerhalb von Köln ein. effzeh.com traf Schell zum Interview, der erste Teil beschäftigt sich mit den Zuständen beim 1. FC Köln. Der zweite Teil erscheint in den kommenden Tagen, darin geht es um den Konflikt zwischen Fanszenen und DFB.

effzeh.com: Wie fällt dein Fazit nach den ersten Monaten mit dem neuen Vorstand aus?

Stephan Schell: Ich habe es bislang grundsätzlich als positiv empfunden, dass man sich in der Öffentlichkeit zurückhält. Zu jedem Thema sein Gesicht in die Kamera zu halten, kann auch mal schnell nach hinten losgehen – insbesondere bei den Themen, die uns als Fanszene betreffen. Während der sportlich schwierigen Phase hätte es vielleicht ein bisschen mehr sein können, aber das sehe ich nicht so tragisch. Ansonsten ist es schwer zu sagen. Man weiß noch nicht genau, wohin die Reise geht, muss dem Vorstand aber auch die nötige Zeit geben.

In welchen Bereichen siehst du Verbesserungsbedarf?

Ganz oben stehen hier für mich die Abteilungen Fanservice und Medien/Kommunikation. Hier besteht seit Jahren Verbesserungsbedarf und da erwarte ich schon, dass irgendwann mal gehandelt wird. Natürlich haben wir aber auch eine andere Perspektive als ein Vorstand, der erst seit ein paar Monaten im Amt ist. Und wir wissen auch, dass dieser Vorstand nicht nur von uns, sondern auch von anderen Seiten „getrieben“ wird. Man muss sich immer im Klaren darüber sein, dass dieser Verein allen gehört. Er gehört nicht nur den aktiven Fans beziehungsweise den Fans, die sich tagtäglich mit ihm auseinandersetzen. Er gehört auch den Fans, die beispielsweise weit außerhalb von Köln wohnen und Toni Schumacher zurückhaben wollen. Der Vorstand muss diesen Zustand bedienen. Das ist nicht einfach.

Wegfall der Choreo-Klausel als Grundlage für Zusammenarbeit

Foto: privat

Wie hast du aufgenommen, dass eine neue sportliche Leitung installiert wurde?

Horst Heldt und Markus Gisdol wurden beide zu Beginn mit einer gehörigen Portion Skepsis empfangen, aber der Erfolg auf dem Platz spricht für die Entscheidung, die beiden nach Köln geholt zu haben. Gisdol scheint ein Glücksfall zu sein, das sieht man ja auf dem Platz.

Der Verein gab vor kurzem bekannt, dass es bald wieder Choreos in Müngersdorf geben wird. Wie war da der Ablauf?

Die Choreo-Klausel ist gefallen, das ist ja keine Neuigkeit. Das Thema war in den Gesprächen mit den Gremien seit Amtseinführung des neuen Vorstands immer präsent. Alle Parteien waren sich eigentlich relativ schnell einig, dass es wieder Choreos geben soll. So ging es nur noch um die Rahmenbedingungen, die meines Erachtens im Sinne aller Beteiligten geklärt werden konnten. Diese Klausel hatte sowieso nie eine Rechtsgültigkeit.

Die Zusage des neuen Vorstands, dass sie die Klausel prüfen wollen, haben sie eingehalten und das ist gut so. Wenn man Zusagen einhält, ist das eine gute Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit. Umso bedauerlicher ist es, dass wir die erste, eigentlich gegen Mainz geplante, Choreo wegen des Öffentlichkeitsausschlusses nicht erleben werden. Das tut mir insbesondere für die Mitglieder von Cologne Power East Belgium leid, die ihre erste Choreo der Gruppengeschichte zum 20-jährigen Fanclub-Jubiläum präsentieren wollten.

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