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Ehrentribüne

Zum Rücktritt von Werner Spinner: Thank you, Mister President!

Der Präsident, der den 1. FC Köln in den Europapokal zurückführte, tritt vorzeitig zurück. Dass es keinen glanzvolleren Abschied gibt, hat Werner Spinner auch sich selbst zuzuschreiben.

COLOGNE, GERMANY - AUGUST 02: Werner Spinner, president of Koeln looks on prior to the Colonia Cup 2015 match between 1. FC Koeln and FC Valencia at RheinEnergieStadion on August 2, 2015 in Cologne, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Getty Images)
Foto: Christof Koepsel/Getty Images

Nach fast sieben Jahren gab es den Abschied mit einem großen Knall. Im zähen Ringen um die Macht und um die Deutungshoheit steckte Werner Spinner zurück und erklärte seinen vorzeitigen Rücktritt als Präsident des 1. FC Köln. 2012 als Nachfolger des gescheiterten Weltmeisters Wolfgang Overath mit der Mission, den Verein sportlich und wirtschaftlich zu konsolidieren sowie die Mitgliedschaft wieder zu vereinen, angetreten, erklärte der Ober-Geißbock am Aschermittwoch 2019 das Ende seiner Ära an der Spitze des Traditionsclubs.

Es war sicher nicht das Ende, das Werner Spinner im Sinn gehabt hat. Bis zum Herbst wollte der gesundheitlich angeschlagene Ex-Wirtschaftskapitän noch durchhalten und den FC nach der Rückkehr in die Bundesliga seinen Nachfolgern zu Händen geben. Aus diesem Plan wurde nun nicht ausschließlich aus eigenem Antrieb nichts – und für viele bleibt der Eindruck seiner dritten Amtszeit hängen, in der Spinner vieles von dem, was er zuvor mühevoll aufgebaut hatte, mit dem Hintern wieder einriss. Dabei hat der einstige Bayer-Manager große Verdienste um den Club, die durch sein Verhalten in den zurückliegenden Jahren nicht geschmälert werden.

Wirtschaftsboss mit FC-Herz: Perfekt ins Profil gepasst

Als er 2012 übernahm, lag der 1. FC Köln am Boden. Finanziell standen die „Geißböcke“ vor dem Kollaps, jahrelang hatte der Club über seine Verhältnisse gelebt. Sportlich stand ein Trümmerhaufen auf dem Platz, der trotz großer Namen und teurer Transfers kampflos dem fünften Abstieg entgegentaumelte. Nach zahlreichen Grabenkämpfen im Verein und einer beispiellosen Kampagne gegen die Opposition war der effzeh in- wie extern gespalten, die Schwarze Wand beim letzten Bundesliga-Spiel gegen Bayern München stand symbolisch für die Implosion dieses einst stolzen Gebildes. Inmitten all dieses Trubels war Werner Spinner, gebürtiger Kölner und FC-Fan durch und durch, aber zuvor komplett unbeleckt im Fußballgeschäft.

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Die Granden der „Geißböcke“ hatten nach Wolfgang Overaths überraschenden Rücktritt im November 2011 viele Gespräche geführt, mit vielen Kandidaten gesprochen. Lange galt der „Jack Wolfskin“-Unternehmer Manfred Hell als Wunschlösung für den vakanten Posten, der dann allerdings nach einiger Bedenkzeit absagte. Der Verein suchte weiter – und fand Werner Spinner, der als ehemaliger Marketingvorstand des Bayer-Konzerns mit kölschem Herzen perfekt ins Anforderungsprofil passte. „Man hatte ein Profil erstellt, lange Zeit niemanden gefunden, und dann war ich zu spät auf dem Baum“, sagte er einst der „Kölnischen Rundschau“ auf diese Phase angesprochen.

Es gab nie auch nur den Anflug einer Begehrlichkeit meinerseits für dieses Amt. Zunächst habe ich abgelehnt, wurde dann aber überzeugt.

„Ich habe als FC-Fan in den Zeitungen verfolgt, wer als Kandidat gehandelt wurde. Es gab nie auch nur den Anflug einer Begehrlichkeit meinerseits für dieses Amt. Zunächst habe ich abgelehnt, wurde dann aber überzeugt“, so Spinner. Zusammen mit Markus Ritterbach, der seine Kontakte aus dem Kölner Karneval miteinbringen sollte, und FC-Legende Toni Schumacher sollte er fortan die Geschicke des Clubs leiten. Kein einfaches Unterfangen, denn zugleich stellte sich Karl-Heinz Thielen mit dem finanzstarken Franz-Josef Wernze im Schlepptau zur Wahl.

Menschen ernstnehmen, Menschen mitnehmen

Doch die Ausgangslage war eindeutig: Wo Spinner auftauchte, wusste er zu überzeugen. Bei Gesprächen mit den Sponsoren, bei Diskussionen mit der aktiven Fanszene, beim Auftritt auf der Mitgliederversammlung. Spinner nahm die Menschen ernst und mit. Mit dem Rückenwind eines deutlichen Mitgliedervotums machte sich der neunte Präsident der FC-Geschichte ans Werk – und entrümpelte den Verein auf allen Ebenen. Eine neue Satzung, neue Verantwortliche, viele Gespräche mit Förderern und Sponsoren. „Ich glaube fest an das Kehren der Treppe von oben. Also haben wir damit angefangen“, erklärte Spinner. Das war auch dringend nötig, drückten die „Geißböcke“ doch enorme finanzielle Probleme.

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Personal und ein Erfolgsrausch sondergleichen

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