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Nach Wettich-Nominierung: Erklärung von Ho-Yeon Kim bringt Licht ins Dunkel

Der stellvertretende Vorsitzende des Mitgliederrats des 1. FC Köln, Ho-Yeon Kim, gibt in einer persönlichen Erklärung Einblick in das Verfahren rund um die Nominierung von Carsten Wettich. Ein FC-Mitglied erinnert sich an eine Szene aus dem Februar, die die jüngsten Attacken des früheren FC-Spielers nun anders wirken lassen.

Ho-Yeon Kim (5. v. l.) und der Mitgliederrat | Foto: 1. FC Köln

Von Arne Steinberg und David Schmitz

Die Nominierung von Carsten Wettich als neuer Vizepräsident des 1. FC Köln schlug in den vergangenen Tagen hohe Wellen. Der Vorwurf, der Mitgliederrat habe intransparent und antidemokratisch gehandelt, ging aus mehreren Interviews und Kommentaren hervor. Zudem sei ein verdienter ehemaliger FC-Akteur wie Stephan Engels übergegangen worden, wie der einstige Fußballer selbst in mehreren Interviews zu verkünden wusste. Die Realität ist offenbar hingegen ein wenig komplexer: Ho-Yeon Kim aus dem Mitgliederrat des 1. FC Köln schilderte am Freitag seine Sicht der Dinge. Und: Stephan Engels‘ Kampagne gegen Stefan Müller-Römer könnte wohl schon vor einigen Monaten geplant gewesen sein.

Als stellvertretender Mitgliederratsvorsitzender versendete Ho-Yeon Kim am Freitagmorgen eine Stellungnahme über mehrere Kanäle, die auch effzeh.com vorliegt. Er sah sich dazu genötigt, weil ihn derzeit „laufend Anrufe, Mails und WhatsApp-Nachrichten“ erreichten. Seine Stellungnahme bezieht sich auf die Suche nach einem Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten des 1. FC Köln, wie er einleitend schreibt. Kim betont, dass die interne Abstimmung des Mitgliederrats geheim verlief. Daraus ging hervor, dass Carsten Wettich durch das Gremium als Wahlvorschlag an die Wahlkommission weitergegeben wurde.

Stephan Engels lässt Kims Anfragen unbeantwortet

Auf dem Zettel habe nicht nur der Name von Wettich gestanden, sondern auch der eines weiteren Kandidaten, schreibt Kim weiterhin. Der stellvertretende Vorsitzende des Mitgliederrats schreibt zudem in Bezug auf die Personalie von Stephan Engels, der sich zuletzt ebenfalls als möglicher Kandidat ins Spiel gebracht hat: „Am 30. Juli wurde ich von Stefan Müller-Römer (Vorsitzender des Mitgliederrates) darüber in Kenntnis gesetzt, dass Herr Stephan Engels Interesse daran hat, für den Posten zu kandidieren. Wir haben ihm unverzüglich das Anforderungsprofil zugesendet, verbunden mit zwei Terminvorschlägen. Da die Wahl für den Wahlvorschlag zwei Wochen später erfolgen musste, musste es schnell gehen.“

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Der erste Terminvorschlag sei von Engels abgelehnt worden, auf Initiative von Kim habe es dann ein weiteres Telefonat gegeben, aus dem inhaltlich allerdings nicht viel hervorgegangen sei. Am folgenden Tag und zwei weiteren vergeblichen Versuchen, Engels zu erreichen, kontaktierte ihn Kim laut seiner Beschreibung per WhatsApp, um eine Terminbestätigung zu bekommen und genauere Nachfragen zum Ablauf zu stellen. Diese Fragen seien allerdings unbeantwortet geblieben. Kim schreibt: „Stattdessen wurde mir vorgehalten, dass ich ihn jetzt unter Zeitdruck mit diesen oben genannten Fragen konfrontieren würde. In meinen Augen sind das keine zu schwierigen Fragen, sie hätten sich in einem kurzen Telefonat ebenso klären lassen können. Auch stimmt der Vorwurf nicht, dass er nur eine Vorbereitungszeit von wenigen Stunden bekommen würde, weil ihm die Einladung bereits eine Woche vorher zugegangen ist und er auch die Möglichkeit hatte, alternative Terminvorschläge zu benennen.“

Persönliche StellungnahmeSuche nach einem Kandidaten für das Amt des VizepräsidentenLiebe Interessierte, die mich…

Gepostet von Ho-Yeon Kim am Freitag, 21. August 2020

Kim: „Wettich ist der richtige Kandidat“

Daraufhin habe Kim die Kommunikation mit Engels eingestellt, obwohl er „an einem Austausch mit ihm sehr interessiert“ sei. Kim schildert, dass das Auswahlverfahren aus seiner Sicht „fair“ verlaufen sei, jedes interessierte Mitglied habe sich melden können. Diesen Sachverhalt illustriert er in der Folge anhand von vier Beispielen von weiteren Kandidat*innen, die aus den unterschiedlichsten Gründen bei ihm vorstellig wurden, am Ende aber auf weitere Schritte verzichteten. Er verweist hier auf die Vertraulichkeit, die er seinen Gesprächspartner*innen zugesichert hatte. Weitere Personen seien zudem aktiv durch den Mitgliederrat angesprochen worden bzw. hätten sich dort gemeldet, sodass eine „zweistellige Anzahl an Personen“ auf der Gesamtliste gestanden habe.

Kim ergänzt, dass Carsten Wettich in seinen Augen „der richtige Kandidat“ sei. Der Anwalt habe sich „super im Vorstandsteam eingefunden“, bilde ein „Bindeglied zwischen Fans/Mitgliedern, Verwaltung, Mitgliederrat und Vorstand“. In diesem Rahmen fülle er die „Schnittstellenposition“ „wunderbar“ aus.

Verbale Attacke auf Müller-Römer – schon im Februar

Doch die Berichterstattung über die scheinbar vergebliche Kandidatur von Stephan Engels in den letzten Tagen bekommt noch aus ganz anderen Gründen einen faden Beigeschmack. So weckten die Attacken des 59-Jährigen auf den Mitgliederrat und insbesondere dessen Vorsitzenden, Stefan Müller-Römer, bei Benjamin Vrijdaghs Erinnerungen an eine Szene bei der Karnevalssitzung des 1. FC Köln, die das FC-Mitglied effzeh.com geschildert hat. Noch vor Beginn der Veranstaltung habe Vrijdaghs mit Müller-Römer rechts vorm Eingang des großen Saals im Hotel Maritim zusammen gestanden. „Herr Müller-Römer und ich kennen uns nur flüchtig, hatten ein lockeres Gespräch“, beschreibt der 41-Jährige die Szenerie. „In dieses Gespräch platzte ‚aus dem Nichts‘ Herr Stephan Engels, zeigte mit dem Finger auf die Brust von Herrn Müller-Römer und sagte: ‚Ich habe mir auf die Fahne geschrieben, Dich zu eliminieren'“.

Stephan Engels arbeitete lange für den 1. FC Köln | Ronald Wittek/Bongarts/Getty Images

Vrijdaghs konnte die Situation danach schnell beruhigen, berichtet das langjährige FC-Mitglied. Engels sei  dann „so schnell, wie er kam“ wieder verschwunden. „Ich habe bisher diesem traurigen Erlebnis nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt“, erklärt Vrijdaghs, warum er sich nun an die Öffentlichkeit wende. „Es erscheint meines Erachtens aber mit Blick auf die neuerliche Berichterstattung in einem anderen Licht.“ effzeh.com liegt zudem ein Foto von der Veranstaltung vor, dass Vrijdaghs zusammen mit Engels zeigt – wenige Minuten vor dem Vorfall.

Gegenüber effzeh.com bestätigte Stephan Engels am Freitag, dass es zu „einem Disput“ bei der Karnevalssitzung zwischen ihm und Müller-Römer gekommen sei. Im Gegensatz zu Vrijdaghs Beschreibung sei es dabei zu „beiderseitigem verbalen Austausch“ gekommen. „Nicht bestätigen kann ich ihren zitierten Wortlaut, da ich mich weder an die genauen Aussagen von Herrn Müller-Römer noch an meine Wortwahl erinnern kann, schließlich liegt die Feier über sechs Monate zurück.“ Der Vorfall sei bei einem persönlichen Gespräch zwischen Engels und Müller-Römer im Mai „von beiden ‚Parteien‘ als erledigt und beendet erklärt“ worden.

Stefan Müller-Römer bestätigte den Vorfall und den von Vrijdaghs beschrieben Wortlaut ebenso wie das spätere Gespräch mit Engels auf effzeh.com-Nachfrage. „Nach dem Treffen mit Stephan Engels habe ich die Sache für geklärt gehalten. Angesichts der Kampagne gegen den Mitgliederrat und meine Person in den letzten Tagen erscheint das nun aber in einem anderen Licht“, erklärte der Vorsitzende des von Engels zuletzt vehement attackierten Mitgliederrats.

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