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Ehrentribüne

Lebenswege beim 1. FC Köln: Frank Ploeger – oder wie ein Traum zerplatzte

Wie ergeht es ehemaligen Jugendspielern des 1. FC Köln, die den Sprung zu den Profis nicht geschafft haben? effzeh.com-Autor Kurt Ludwigs traf Frank Ploeger, dessen Traum von einer Profikarriere früh platzte – etwas aus sich gemacht hat er trotzdem.

Frank Ploeger heute | Foto: privat

Ich begegnete Frank Ploeger zum ersten Mal im August 1992. Das Training der Profis unter Trainer Jörg Berger, das ich mir angeschaut hatte, war zu Ende und ich ging zum Parkplatz des Geißbockheims. Ein Ford Fiesta hielt einige Meter neben mir, ihm entstiegen zwei sportlich aussehende junge Männer, von denen ich einen als Frank Ploeger erkannte. Er war Innenverteidiger und Führungsspieler der A-Jugendmannschaft des 1. FC Köln, deren Siegeszug erst im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft vor einigen Wochen durch den 1. FC Kaiserslautern gestoppt worden war, der andere schien ein Mannschaftskamerad gewesen zu sein.

Auch wenn es schon später Nachmittag war, waren die Temperaturen immer noch jenseits der Marke von 25 Grad und so war auch die Kleidung der beiden den sommerlichen Bedingungen angepasst: ausgefranste Jeans-Shorts und lässig geschnittene T-Shirts. Ploeger schulterte gerade seine Sporttasche, als aus einer Gruppe älterer Männer, die man oft auch vormittags am Geißbockheim antreffen konnte, einer seine Stimme hob und gut vernehmlich fragte:“Saaren Se mal, Herr Plöjer, warum haben Sie eijentlich keinen Vertrach bei den Profis jekrischt?“ Frank Ploeger schloss sein Auto ab, blickte kurz zu dem Fragesteller hinüber und entgegnete ein kurzes „Schönen Abend noch“, das sich mit dem rheinischen Singsang in seiner Stimme freundlicher anhörte, als es wohl gemeint gewesen sein mag.

27 Jahre später sitze ich Frank Ploeger im Frühstücksraum eines Düsseldorfer Hotels gegenüber. Er ist inzwischen ein vitaler Mittvierziger und gestandener Unternehmer; in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt hat er geschäftlich zu tun. Seit zwanzig Jahren lebt er im Schwabenland, was unschwer zu erraten ist, denn Ausdrücke wie „nidde“ und „bissele“ durchziehen seinen Sprachduktus. Dass seine sprachliche Sozialisation nicht ausschließlich südlich der Mainlinie stattgefunden hat, deutet das gelegentlich eingestreute „dat“ und „wat“ an. Mit seiner Familie ist der ehemalige FC-Spieler in Kirchheim unter Teck ansässig, einer 40000-Einwohner-Stadt, 25 Kilometer südöstlich von Stuttgart gelegen, mit einer historischen Altstadt und dem „Schlössle“, einem Renaissanceschloss, von schwäbischem Fleiß und landestypischer Beharrlichkeit geprägt und doch ein beschaulicher Ort, durch den sich die Lauter, ein kleiner Nebenfluss der Neckar, mit sanften Schwüngen schlängelt.

Der Beginn der Fußballkarriere in Ehrenfeld und Niehl

Aufgewachsen ist Frank Ploeger unweit der Ufer des Rheins, im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Fußballerisch macht er seine ersten Schritte beim TuS Ehrenfeld 65, wo er als Sechsjähriger mit zwei Jahre älteren Mitspielern in der E-Jugend spielt. Dort jagt er in den folgenden Jahren dem runden Leder hinterher und wird zum Libero ausgebildet, bevor er dann als B-Jugend-Jungjahrgang zum CfB Ford Niehl wechselt und sofort einen Stammplatz in der älteren B1 ergattert. Mit den Niehlern spielt Ploeger in der Saison 1988/89 in der Verbandsliga, der höchsten Jugendklasse am Mittelrhein und misst sich mit Gegnern wie Bayer Leverkusen, TuS Höhenhaus und dem 1. FC Köln.

Von klein auf hatte ich immer schon den Traum, einmal mit Littbarski auf dem Platz zu stehen.

Seine guten Leistungen bleiben nicht unbemerkt. „Eines Tages stand Michael Reschke vor unserer Haustür und wollte mich zu Bayer Leverkusen holen“, sagt Ploeger. „Nur wenige Tage später erschien dann Frank Schaefer bei uns zu Hause und unterbreitete ein Angebot des 1. FC Köln.“ Der junge Defensivakteur muss nicht lange überlegen, ist doch Pierre Littbarski, FC-Kapitän und 73facher Nationalspieler sein großes Idol. „Von klein auf hatte ich immer schon den Traum, einmal mit Littbarski auf dem Platz zu stehen“, erklärt er.

Foto: Bongarts/Getty Images

So stößt Ploeger zu Beginn der Saison 1989/90 zur B1-Jugend des 1.FC Köln. Sein Trainer ist Frank Schaefer, dem Martin Siegbert als Co-Trainer zur Seite steht. „Die Beiden waren sowohl menschlich als auch fachlich mit Abstand die besten Trainer, die ich während meiner Laufbahn hatte“, schwärmt Ploeger noch heute. „Frank Schaefer war und ist auch heute noch eine absolute Respektperson für mich“, ergänzt er. „Er hat mir schon unzählige Male das Du angeboten, aber wenn ich ihn heutzutage treffe, sage ich immer noch ‚Herr Schaefer‘ zu ihm.“ Schaefers Einfluss geht weit über den Fußballplatz hinaus, so achtet er auch auf die schulische Entwicklung seiner Schützlinge und hilft bei der Suche nach Lehrstellen. „Er wollte immer wissen, wie unsere Leistungen in der Schule waren, und wenn wir schlechte Noten bekamen, erhielten wir ein Trainingsverbot“, erläutert der frühere „Geißbock“.

Wechsel zum 1.FC Köln und erste Länderspiele

Frank Ploegers schulische Leistungen sind in Ordnung, er macht die mittlere Reife. Fußballerisch bringt er gute Voraussetzungen mit, um den Anforderungen an einen Nachwuchsspieler beim 1. FC Köln entsprechen zu können. Er ist energisch und bissig im Zweikampf und verfügt über eine gute Technik. „Als ich zum FC kam, mahnte Frank Schaefer an, dass ich an meiner Schnelligkeit arbeiten müsse“, erinnert er sich. „Durch regelmäßige Koordinationsübungen habe ich mich dann nach einiger Zeit soweit verbessert, dass ich bei unseren Sprinttests im ersten Drittel landete, allerdings das Sprinttempo von Joschi Chang, unserem schnellsten Spieler, nie ganz erreichen konnte.“ Der ehemalige Ehrenfelder fügt hinzu: „Meine Ausdauerwerte waren ebenfalls recht gut, bei den Laktattests landete ich immer unter den besten Drei. Nur Sascha Koobs Werte waren unerreichbar, er hätte auch drei Spiele hintereinander spielen können, so gut war seine Ausdauer.“

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