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Ehrentribüne

Jhon Cordoba und der 1. FC Köln gehen wohl getrennte Wege: Ich hab‘ dich treffen geseh’n!

Erst 17 Millionen Euro teurer Fehleinkauf, dann fair kaum zu stoppende Lebensversicherung des 1. FC Köln: Jhon Cordoba ging bei den „Geißböcken“ durch ein Wechselbad der Gefühle. Eine Ode zum voraussichtlichen Abschied.

FC Cologne's Colombian striker Jhon Andres Cordoba Copete (R) celebrates after scoring his long-range opening goal during the UEFA Europa League Group H football match between Arsenal and FC Cologne at The Emirates Stadium in London on September 14, 2017. / AFP PHOTO / Adrian DENNIS (Photo credit should read ADRIAN DENNIS/AFP via Getty Images)
Foto: ADRIAN DENNIS/AFP via Getty Images

I remember how we danced through the towns on the Thames
For one little night I felt like I could be made new again
And you stayed here with me while I lost nearly everything
But „what do you really love?“ I heard you say

(Brian Fallon – Watson)

Es waren gerade einmal etwas als acht Minuten im Emirates gespielt, da stand das Stadion im Norden Londons schon gefühlt kurz vor dem Einsturz. Matthias Lehmann, Kapitän des glorreichen 1. FC Köln, schickte Simon Zoller auf die Reise, doch David Ospina, Ersatzkeeper des FC Arsenal, eilte heraus und klärte resolut. Allerdings nur bis in die Füße (oder besser: die Schienbeine) Leonardo Bittencourts, der so Jhon Cordoba an den Ball brachte. Der Kolumbianer fackelte nicht lange und schoss aus 30 Metern die „Geißböcke“ in Führung. 1. FC Köln 1. FC Arsenal 0. Bei den knapp 20.000 Gästefans im Stadion: Pure Eskalation. Ungläubiges Staunen. Jubelschreie, Gänsehaut, Tränen.

Es sollte das einzige Tor an diesem Abend für den FC bleiben. Es sollte das größte Erlebnis einer an Highlights armen, aber Tiefpunkten umso reicheren Saison bleiben. Es sollte aber auch Jhon Cordobas letztes Tor in einem Pflichtspiel in dieser vermaledeiten Spielzeit bleiben. Abgesehen von diesem 14. September 2017 erlebte der bullige Angreifer, den FC-Sportchef Jörg Schmadtke für exorbitante 17 Millionen Euro vom 1. FSV Mainz 05 loseiste, in Köln wie der gesamte Verein ein Jahr zum Vergessen. Als Nachfolger des nach China gewechselten Anthony Modeste, der die „Geißböcke“ mit 25 Toren in den Europapokal geballert hatte, eingeplant hatte Cordoba in vorderster Front einen enorm schweren Stand bei seinem neuen Club.

https://twitter.com/UEFAcom_de/status/1305421173698818054

Beim 1. FC Köln ein Büffel ohne Herde

Schon der Einstand hätte besser geraten können: Wer die Verkündung des Transfers des damals 24 Jahre alten Angreifers genau studierte, konnte mit etwas Glück eine Panne des 1. FC Köln ausmachen. Unterschrieb der Kolumbianer doch auf dem beigefügten Foto zur Pressemitteilung seinen tatsächlichen Vertrag statt eines Musterkontrakts wie üblich. Die Folge: Mit Argusaugen waren einige Details aus der Abmachung zwischen dem neuen Sturmstar des Clubs und den „Geißböcken“ ersichtlich. Doch das war eigentlich nur eine Petitesse auf dem steinigen Weg, den dieser Jhon Cordoba in seiner Zeit bei diesem komischen Verein in dieser komischen Stadt am Rhein erlebte.

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Eine Mannschaft, die deutlich über ihrem Zenit war. Verletzungspech, Schiedsrichterpech, Spielpech. Untereinander zerstrittene Verantwortliche, die bald den Abflug machten. Eine Vereinsführung, die im Clinch mit ihren Kritikern lagen. Und mittendrin: Ein schüchterner Kolumbianer, der wenig Deutsch verstand und noch weniger sprach, auf dem das Gewicht der Erwartungshaltung lag. Rekordablöse, Modeste-Nachfolger. Mit den Vorleistungen von zwei Spielzeiten in Mainz mit jeweils fünf Saisontoren. Ein Himmelfahrtskommando, das durch zwei schwerere muskuläre Verletzungen nicht einfacher wurde. Torgefahr? Außer an diesem Abend in London: Mangelware. Keine Physis, keine Bindung, keine Form. Ein Büffel ohne Herde. Ein Stürmer, der nicht unverschuldet in der Luft hing.

Cordoba wühlt sich in die Herzen der FC-Fans

So wurde aus dem Hoffnungsträger im Angriff das Gesicht einer komplett verkorksten Saison, die mit dem sechsten Abstieg der Vereinsgeschichte endete. Jhon Cordoba, der 17-Millionen-Euro-Fehleinkauf. Der Frust der FC-Fans entzündete sich an den schwachen Leistungen des Rekordeinkaufs, der Frust entlud sich am kolumbianischen Sturmtank. Im eigenen Stadion von den eigenen Fans ausgepfiffen. Häme und beißender Spott gesellten sich zu berechtigter Kritik. In einer Reihe mit Stolperkönigen wie Lilian Laslandes, Marco Reich, Alexandru Ionita oder Chong Tese. Nur deutlich teurer. Der 1. FC Köln und Jhon Cordoba: Das schien einfach nicht zu passen. Der 1. FC Köln und Jhon Cordoba: Dieses Kapitel schien spätestens nach dem Abstieg endgültig geschlossen zu sein.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Doch der bullige Angreifer wühlte sich zurück ins Team – und endgültig in die Herzen der FC-Fans, die ihn zuvor noch teilweise unter der Gürtellinie angegangen waren. Zwar brauchte der Kolumbianer in der 2. Bundesliga etwas Anlaufzeit, doch dann zeigte Jhon Cordoba, warum der 1. FC Köln ihn ans Geißbockheim geholt hatte. Mit einer unglaublichen Physis ausgestattet war er von den Verteidigern der Konkurrenten irgendwann nicht mehr fair zu stoppen. Und der Knoten vor dem gegnerischen Tor platzte dann auch endlich: Bei der 3:5-Heimniederlage gegen Paderborn netzte Cordoba erstmals auch in einem Ligaspiel für den FC (ein Jahr und zwei Tage nach London!) und war fortan nur noch schwerlich zu bremsen. Am Ende standen 20 Zweitliga-Tore für ihn zu Buche – und ein eigener Gesang von den Rängen, die den Kolumbianer nun für seinen Einsatz und seine Treffer feierten. Cordoba Jhon – ich hab‘ dich treffen geseh’n!

Das Tor im Emirates bleibt ewig in Erinnerung

Auch nach dem Aufstieg, an dem Cordoba neben seinem noch torhungrigeren Sturmpartner Simon Terodde einen gehörigen Anteil hatte, machte er im FC-Trikot in der Bundesliga weiter, wo er eine Klasse tiefer aufgehört hatte. Mit unbändigem Einsatz, einer nicht zu verteidigenden körperlichen Robustheit und dazu dem notwendigen Torriecher: Der Stürmer der „Geißböcke“ avancierte zu einer der imposantesten Erscheinungen der vergangenen Spielzeit. Spätestens unter Markus Gisdol lief es für Cordoba wie am Schnürchen: Zwölf seiner 13 Saisontore erzielte er, nachdem der einstige Hoffenheim- und HSV-Coach das Ruder beim FC übernahm. Für den Angreifer ein Formhoch zum richtigen Zeitpunkt, läuft sein Vertrag in Köln doch nur noch bis Sommer 2021. Für die Kaderplanungen des 1. FC Köln ein Formhoch zum falschen Zeitpunkt, läuft Cordobas Vertrags am Geißbockheim doch nur noch bis Sommer 2021.

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Und so werden sich die Wege der „Geißböcke“ und ihres Topstürmers, der am Rhein vom 17 Millionen Euro teuren Fehleinkauf zur umjubelten Tormaschine wurde, bald trennen. Drei Jahre nach diesem Highlight im Emirates. Als der 1. FC Köln in der Europa League dank eines Traumtors von Jhon Cordoba beim FC Arsenal führte. Ein kurzer Moment des Glücks. Damals schon unvorstellbar, heute noch viel mehr. Demnächst wird der Kolumbianer seine kaum zu bremsende Physis für Hertha BSC in die Waagschale werfen. Der FC könnte seine damalige Investition wieder hereinholen, der mittlerweile 27-Jährige sein jährliches Salär noch einmal nach oben schrauben, die Berliner erhalten einen der spektakulärsten Bundesliga-Stürmer. In Erinnerung wird in Köln vor allem dieses Traumtor am 14. September 2017 in London bleiben: Cordoba Jhon – ich hab‘ dich treffen geseh’n!

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