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Kolumnen

Jeff-Jas-Kolumne: Game Of Goats

Beim 1. FC Köln ist offensichtlich die nächste Staffel des Intrigantenstadls angelaufen, während der DFB um Reinhard Grindel wieder einmal nur Laienschauspiel anzubieten hat. Die neue Ausgabe der Jeff-Jas-Kolumne!

COLOGNE, GERMANY - AUGUST 22: 1.FC Koeln mascot Geissbock Hennes looks on during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and VfL Wolfsburg at RheinEnergieStadion on August 22, 2015 in Cologne, Germany. (Photo by Mika Volkmann/Bongarts/Getty Images)
Foto: Mika Volkmann/Bongarts/Getty Images

Leev Lück,

da ist man einmal über Fastelovend beschäftigt und schunkelt sich die Seele gesund, da zerlegt sich der glorreiche 1. FC Köln einmal mehr in seine berühmten Einzelteile. Und das nicht wie einst an einem Karnevalssonntag im beschaulichen Essen sportlich, sondern trotz drei Siegen in Serie innerhalb des feinen Vereins, der dann offensichtlich doch weit entfernt davon ist, intern das zu sein, was er nach außen gerne darstellen möchte.

Die Revolte verlief zwar unblutig und gewaltlos, niemand wurde mit Schuhen von Louis Beton im Fühlinger See versenkt. Doch irgendwie wirkte es, als sei der effzeh eine billige Seifenoper mit Anleihen an irgendwelche schlecht gescripteten Politthriller und Mafiastreifen. Game Of Goats: Die neue Staffel – jetzt auf Sky!

Freund, Feind, Vereinskollege

Doch statt George R.R. Martin schienen eher die semi-begabten Schreiberlinge einer ARD-Vorabendserie ihre Finger im Spiel gehabt zu haben: Da lässt es sich der Sportchef nicht nehmen, nach dem Mitgliederrat im Oktober nun auch den Präsidenten öffentlich anzuzählen und ihm praktisch sein Misstrauen auszusprechen. Im Vorstand sind sich die drei Beteiligten schon seit längerem alles andere als grün, die Geschäftsführung kocht unterdessen ihr eigenes Süppchen und versucht den eigenen Einfluss auszubauen.

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Die Fassade, die bislang zumindest größtenteils gewahrt werden konnte, zerbröselt in einem Sturm der Eitelkeiten. Intrigen, Durchstechereien, Verrat und Meuterei: Das Geißbockheim scheint eher eine Schlangengrube zu sein. Freund, Feind, Vereinskollege – der kölsche Klüngel zeigt sich einmal mehr von seiner schäbigen Seite. Das alles ist sicherlich nichts Neues rund um den 1. FC Köln, dessen Umfeld schon oft zu solcherlei Geschichten neigte.

COLOGNE, GERMANY - AUGUST 02: Werner Spinner, president of Koeln looks on prior to the Colonia Cup 2015 match between 1. FC Koeln and FC Valencia at RheinEnergieStadion on August 2, 2015 in Cologne, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Getty Images)

Foto: Christof Koepsel/Getty Images

Schon in den achtziger Jahren bemühte der einstige effzeh-Ersatztorwart Gerry Ehrmann beim Beschreiben des Arbeitsklimas am Geißbockheim einen Vergleich mit einer US-Hitserie und sagte in Anspielung auf den durchtriebenen Bösewicht der Sendung: „Beim 1. FC Köln ist es wie bei ‚Dallas‘, nur gibt es da sechs J.R.“, wusste der nach Kaiserslautern abgewanderte Schlussmann über die Atmosphäre bei den „Geißböcken“ zu berichten.

Die Suche nach dem Bösewicht geht weiter

Der ihn zitierende Spiegel-Artikel schloss mit der Vermutung: „Historisch aufgeklärte Kölner werten das keineswegs als üble Nachrede. Ihre Stadt wurde von der schönen Kaiserin Agrippina gegründet, der größten Intrigantin des ersten Jahrhunderts nach Christus. Warum, so sagt man in Köln fröhlich, sollten die Kinder wohl anders sein als die Mutter.“

Beim 1. FC Köln ist es wie bei ‚Dallas‘, nur gibt es da sechs J.R.!

Viel scheint sich seitdem nicht verändert zu haben – außer, dass wahrscheinlich kein Mensch, der diese Kolumne liest, noch J.R. Ewing, den Jo Gerner der achtziger Jahre, kennt. Beim 1. FC Köln derweil ist noch gar nicht klar, wer überhaupt der Bösewicht ist. Der Präsident, der angeblich Trainer oder Geschäftsführer schassen wollte und angeblich andauernd Interna an die Presse gab. Oder doch seine beiden Stellvertreter, beide vermutlich versessen auf den Chefposten und längst nicht mehr loyal zum Vereinsoberhaupt.

Spinner Schumacher

Toni Schumacher und Werner Spinner | Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Oder vielleicht sogar der Sportgeschäftsführer, der abermals eine Attacke in der Öffentlichkeit ritt und seine Machtposition im Gerangel der letzten Woche komfortabel ausbaute. Im Hintergrund ist dann noch der als Bad Boy verschrieene Mitgliederratschef, dessen Wirken im Verein manchem suspekt erscheint. Genug Stoff für eine weitere Staffel – spätestens noch im Sommer dürfte es in dieser Serie weitergehen.

DFB-Präsident Grindel wird zur Loriot-Figur

Ähnliches Laienschauspiel wie in Köln führte derweil auch die DFB-Spitze auf: Reinhard Grindel, seines Zeichens Präsident des Ladens, sorgte bei einem Interview mit der „Deutschen Welle“ für einen Eklat. Nach Rückfragen zur von der FIFA angedachten Reform der Klub-WM und zu den Planungen für eine weltweite Nations League suchte der einstige CDU-Hinterbänkler noch während des Gesprächs das Weite. Loriot’eske Dialoge inklusive.

„Herr Bauer, drei Fragen zu Katar, sonst stehe ich auf“, versuchte sich der DFB-Boss aus dem hartnäckigen Interview des Kollegen zu lavieren. Als dieser auf seiner Frage bezüglich einer 25-Milliarden-Offerte beharrte, war Grindel nicht mehr zu halten. „Aber Herr Grindel“, versuchte Bauer den Chef des größten nationalen Sportfachverbands noch zurückzuholen. Ein harsches „Lassen Sie mich jetzt in Ruhe“ beendete das Unterfangen.

Herr Grindel? Lassen Sie mich jetzt in Ruhe…

Es spricht Bände über die Kommunikationsfähigkeiten, die an der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt vorherrschen. Ähnlich misslungen wie das Grindel-Interview, das in den sozialen Medien sofort für einige herausragende Postings genutzt wurde, war die Ausbootung der verdienten Weltmeister Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller durch Bundestrainer Joachim Löw und seinen Kompagnon Oliver Bierhoff.

Darf ich mit Ihnen über die Nationalmannschaft sprechen?

Im Stile der Zeugen Jehovas („Darf ich mit Ihnen über die Nationalmannschaft sprechen?“) kam das DFB-Duo ohne Vorwarnung in München vorbei und eröffnete den Bayern-Stars ihr Aus. Kann man sportlich über die Entscheidung noch streiten, machen Stil und Zeitpunkt nahezu sprachlos. Das haben die drei aufgrund ihrer Leistungen so nicht verdient. Doch es passt zum aktuellen Eindruck, den der DFB auf nahezu allen Ebenen hinterlässt. So hölzern wie Grindel & Co. derzeit auftreten, reicht es nicht einmal für eine Rolle in einer Nachmittagstelenovela.

Bis dahin: Maat et joot!
Euer Jeff Jas

Einmal im Monat schreibt Jeff Jas an dieser Stelle über die groben Fouls und versteckten Nickligkeiten im Fußball, die Diskussionen auf dem Platz, an der Seitenlinie, in der Kabine, auf der Tribüne und an der Theke. Er fühlt sich überall zuhause, wo der Ball rollt: Vom Aschenplatz auf der Schäl Sick über das Müngersdorfer Stadion im Kölner Westen bis zu den Hochglanzarenen dieser Welt.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Rolf

    15. März 2019 an 13:24

    Lieber Jeff Jas, das hast du auf den Punkt gebracht. War für mich amüsant zu lesen. Aber ich kenne ja noch die Ewings, werde nämlich bald 70. Die Ähnlichkeiten sind verblüffend. Nur bei Dallas gab es auch Gute, Bobby,und der alte Ewing..wie hieß der noch? Glaube auch Jeff.

  2. Avatar

    Till

    15. März 2019 an 12:21

    Möglicherweise sollte unserem Super-Armin aufgrund seiner Aussagen im „NITRO-Interview“ einmal einer einen diskreten Tipp geben, dass nicht der Geschäftsführer Sport den Vorstand leitet und beaufsichtigt und daher auch nicht schon wieder öffentlich diskreditierten darf, sondern dem Vorstand der Geschäftsführer Sport beim Verein Effzeh immer noch unterstellt ist.

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