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Vorspiel

Heimspiel gegen Leipzig: Der Gipfel des Absurden

Montagabends ohne Publikum gegen Leipzig – es ist ein absurder Rahmen für das nächste Spiel des 1. FC Köln. Wir blicken trotzdem voraus auf die Aufgabe gegen den Champions-League-Aspiranten.

Foto: THILO SCHMUELGEN/POOL/AFP via Getty Images

Der Fairness halber möchten wir an dieser Stelle einen Disclaimer vorausschicken: Das anstehende Heimspiel gegen Leipzig stellt, so ehrlich möchten wir sein, für uns eine große Herausforderung dar. Dabei geht es nicht darum, dass der 1. FC Köln gegen eine der besseren Mannschaften in der Bundesliga antreten muss. Vielmehr haben wir ein Problem damit, dass das Spiel überhaupt in dieser Form stattfindet. Wir wissen, dass wir daran vorerst nichts ändern können, aber man muss es sich nochmal vor Augen führen. Der FC trifft auf eine Karikatur eines Vereins, der sich allein wegen großer finanzieller Unterstützung durch einen Konzern in die Bundesliga einkaufte und nunmehr seit 4 Jahren dort unterwegs ist. Das alleine war bei uns und auch bei der aktiven Kölner Fanszene in der Vergangenheit schon Auslöser für Proteste und Texte über Organisation und Struktur des Bundesligisten aus Leipzig.

Doch das allein ist nicht das Problem: Der Termin am Montagabend steht sinnbildlich für eine weitere Entwicklung, die der Fußball in Deutschland in den vergangenen Jahren genommen hat. Fairerweise wurden die Spieler aufgrund der Corona-Zwangspause neu terminiert, aber dass es allein schon im Bereich des Möglichen ist, Fußballspiele am Montagabend anzusetzen, spricht Bände. Damit wären wir schon beim dritten Punkt: Seit zwei Wochen läuft die Bundesliga wieder, teilweise überschlagen sich die Menschen in ihrer Begeisterung für ein Szenario, das an sich nicht absurder wirken könnte. Der DFL geht es nicht um Sport, sondern um Business – das ist deutlich geworden. Und das viel zitierte Hygienekonzept, das häufig als Grundlage für den „Erfolg“ der Bundesliga herangezogen wird, funktioniert auch nur, weil die DFL sich selbst kontrollieren darf. Gibt es Verstöße, darf sich der deutsche Fußball selbst sanktionieren. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie strikt dann nach möglichen Schlupflöchern für die Verein gesucht wird.

Zum Sportlichen: Gisdols Team erwartet eine schwierige Aufgabe

Doch das alles ist eine Realität, die wir nicht ändern können – wir haben aber das Recht, diese Entwicklungen allesamt problematisch zu finden. Und damit auch genug der einleitenden Worte, kommen wir zum Sportlichen, das ja im Normalfall im Zentrum unserer Berichterstattung rund um die FC-Spiele steht. Die Mannschaft von Markus Gisdol ist mittlerweile vier Spiele ohne Sieg, unter der Woche ging das Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim (einen Exkurs sparen wir uns jetzt) mit 1:3 verloren. Es scheint so, als würden sich die Ergebnisse des 1. FC Köln nach dem starken Zwischensprint vor und nach der Winterpause mittlerweile wieder auf dem wahren Leistungsniveau der Mannschaft einpendeln. In Sinsheim hatte der FC durchaus vernünftige Phasen, war aber in den entscheidenden Situationen jeweils nicht auf der Höhe, sodass eine nicht ganz unverdiente Niederlage zu Buche stand.

Sebastiaan Bornauw fehlt dem FC rotgesperrt| Foto: Ronald Wittek/Pool via Getty Images

Gegen den Champions-League-Aspiranten aus Leipzig wird der 1. FC Köln sich in jedem Fall steigern müssen, um konkurrenzfähig zu sein. In den letzten Spielen gelang des den Kölner Gegnern zu häufig, in Abschlusssituationen zu kommen – meistens bedingt durch erzwungene Kölner Fehler. Und für eine Mannschaft wie den FC muss schon sehr vieles passen, damit sie Punkte gegen ein Topteam der Bundesliga holen kann. Bei den Leipzigern sind die Probleme derzeit ein wenig anders gelagert: Zuletzt gab es nur einen Sieg aus den jüngsten fünf Pflichtspielen, wenngleich die Partien gegen Freiburg und Hertha, die jeweils unentschieden endeten, eigentlich hätten gewonnen werden müssen. Doch zu häufig war bei der Mannschaft von Julian Nagelsmann die Effizienz das Problem. Dass es aber auch anders gehen kann, zeigen die Auswärtsauftritte auf Schalke und in Mainz – dort standen für die Ostdeutschen jeweils zwei 5:0-Erfolge am Ende der 90 Minuten.

Bornauw fehlt, Hector kehrt wohl zurück

FC-Coach Markus Gisdol äußerte sich respektvoll gegenüber dem Gegner: „Leipzig ist eine Mannschaft mit ganz viel Tempo. Sie waren auch nach der Corona-Pause in jedem Spiel dominant und hatten eine Vielzahl an Chancen. Wir sind gewarnt.“ Seiner Mannschaft dürfte es nicht helfen, dass mit Sebastiaan Bornauw eine Stammkraft wegen Rotsperre fehlt – der Belgier dürfte höchstwahrscheinlich von Jorge Meré ersetzt werden. Kapitän Jonas Hector wird höchstwahrscheinlich in die Startelf zurückkehren, ein Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Dominick Drexler, der gegen Hoffenheim verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste.

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Viel wird in diesem Spiel für den FC darauf ankommen, Entlastung zu schaffen – diese Rolle kommt in erster Linie Jhon Cordoba zu, der mit seiner Wucht und Dynamik schon mehrere Abwehrreihen in dieser Saison vor Probleme gestellt hatte. Gegen Leipzig erwartet ihn mit Gegenspieler Dayot Upamecano einer der besten Innenverteidiger der Liga und es wird interessant zu sehen sein, welche Akzente der Kolumbianer für den FC setzen kann.

So viel zum Sportlichen. Die Bedingungen rund um die Partie haben wir eingangs bereits erläutert und wir können es ehrlich gesagt kaum abwarten, bis die Geisterspiele in Müngersdorf ohne Unterstützung der FC-Fans endlich vorbei sind. Der richtige Fußball beginnt erst wieer, wenn das Stadion voll ist – und dann lohnt es sich auch wieder, gegen Auswüchse der Kommerzialisierung wie das Konstrukt aus Leipzig zu protestieren.

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