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Rezensionen

Gelesen: „Das einzig wahre Rheinische Derby“ gibt es nur zwischen Gladbach und Köln

Heinz-Georg Breuer legt mit „Das einzig wahre Rheinische Derby“ ein Werk vor, das deutlich mehr bietet, als nur alle 123 Begegnungen (1959-2019) zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach zu sammeln. Unsere Rezension.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

„Niemals geht man so ganz“, mit dem berühmten Lied von Trude Herr, gesungen von der Künstlerin selbst, Wolfgang Niedecken und Tommy Engel, den kölschen Volkshelden schlechthin, leitet Gladbach-Fan Heinz-Georg Breuer sein neues Werk ein. Schnell wird klar: Auch wenn „die Fußball-Landkarte im Westen randvoll ist“, so gibt es für die Anhänger der Borussia nur einen wahren Derbygegner und das ist der 1. FC Köln. Manche Derbys seien auch einfach erfunden – Breuer nennt das sogenannte Karnevalsderby zwischen dem 1. FC Köln und Mainz 05 als Beispiel. Das Ziel: die Attraktivität der Begegnung künstlich zu erhöhen. Dem bleibt nichts hinzuzufügen.

Und das beruht auf Gegenseitigkeit. Die einen können nicht ohne die anderen, verbunden in gegenseitiger Abneigung und doch Respekt vor dem jeweils anderen. „Kein Fußballspiel elektrisiert den Fohlen-Anhänger wie den FC-Fan damals wie heute mehr als dieses Derby“, stellt Breuer fest. Eine Symbiose, die allerdings nur funktioniert, wenn beide Mannschaften in derselben Liga kicken: „Man vermisst sich, wenn einer gerade mal weg ist in der Zweiten Liga. Geradezu komplementär“, wie Heinz-Georg Breuer attestiert. Der muss es wissen, kann der 1953 in Rheydt geborene Autor schließlich auf über 60 Jahre Fandasein zurückblicken. Auch darüber hat er bereits ein Buch verfasst.

Betrachtung aller 123 Begegnungen zwischen Geißbock und Fohlen

Martialische Choreos gehören zum Derby dazu | Foto: Dirk Unschuld

Mit einer Mischung aus persönlichen Erinnerungen und den nötigen Zahlen, eingewoben in aktuelle gesellschaftliche Ereignisse, liefert Breuer in seinem Buchs namens „Das einzig wahre Rheinische Derby“ (Arete Verlag, 192 Seiten, 16 Euro) einen Überblick über alle 123 Begegnungen, die Geißböcke und Fohlen in den Jahren von 1950 bis 2019 gegeneinander austragen haben.

Breuer begibt sich mit Liebe zum Detail auf historische Spurensuche und erklärt, wie es zu dieser ausgeprägten Rivalität zwischen den beiden doch eigentlich so ungleichen Städten und Vereinen gekommen ist, auch wenn sich die Rivalität beider Vereine weder historisch, sozial, wirtschaftlich oder politisch noch religiös herleiten lässt.

Hennes Weisweiler als unangefochtener Derby-Stifter

Und doch treffen seit 1950 zwei Clubs aufeinander, von denen sich einer stets besser fühlt. Besonders im Vergleich zum Gegenüber, wie Breuer feststellt. Kölsche „Geißböcke“ gegen den „provinziellen Emporkömmling aus Ostholland“, deren Anhänger ausschließlich aus Bauern bestünden. Dabei – und darauf weist Breuer wohl nicht ohne Muße hin – waren es die Kölner, die den ersten Spieler aus dem nahen Ausland verpflichteten – Frans de Munck, Nationalkeeper der Niederländer, den man von den Sittardse Boys aus der Provinz Limburg in die Domstadt lotste. Einen zumindest in Frage kommenden Aspekt der Rivalität findet Breuer dann doch noch: „die Arroganz der Metropolen gegenüber ihrem Umland.“ Während die Borussia mit ihren Ursprüngen im Arbeiter-Stadtteil Eicken nicht die feinste Adresse war, präsentierte sich der 1. FC Köln ab der Blüte der Franz-Kremer-Zeit als „feiner Club“ und „Real Madrid des Westens“.

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Spätestens aber in der Person und Vita von Hennes Weisweiler findet Breuer auf der Suche nach dem Ursprung der Rivalität letztendlich den maßgeblichen Grund, warum Geißbock Hennes und Fohlen Jünter einfach nicht miteinander können: „Hennes Weisweiler ist der unangefochtene Derby-Stifter, mit unverwechselbarer Handschrift inmitten verschiedenster rheinischer Mentalitäten.“ Weisweiler war in 41 Duellen der beiden Clubs zwischen 1950 und 1980 als Trainer beteiligt, 27-mal in den Diensten der Borussia, 14-mal auf der Kölner Bank. Während Weisweiler in der Saison 1950/51 als FC-Coach debütierte, überwarf er sich mit dem Club-Boss Franz-Kremer und war forthin als Trainer der Borussia gegenüber dem 1.FC Köln bis zu seiner Rückkehr in die Domstadt 1976 besonders motiviert.

Spagat zwischen beiden Lagern, untermalt mit Analysen und fundierter Recherche

Obwohl der Autor Breuer bekennendes „Fohlen“ ist, so gelingt dem Gladbacher, der nach seiner Station im Harz seit seiner Pensionierung auch wieder am Niederrhein lebt, der wertfreie Spagat zwischen beiden Lagern. Analytisch und akribisch recherchiert, präsentiert er viele Fakten und Gedankengänge rund um das Rheinische Derby, die beide Fanlager wohl unterschreiben und die den Austausch bereichern können.

Auch effzeh.com, das sei natürlich erwähnt, ist im Buch vertreten: Breuer nimmt einen effzeh.com-Artikel zum Anlass, die Rolle von Rivalität im Fußball zu eruieren. Wir sprachen damals mit Fanforscher Johannes Behrend von der Kölner Sporthochschule, der im Rahmen seiner Dissertation dazu forschte. Außerdem kommt die Kölner Perspektive nicht zu kurz, denn effzeh.com-Autorin Sarah Peters steuerte das Schlusskapitel bei. Zudem bietet das Buch einen einzigartigen Überblick und lässt so das Herz von Statistik-Fans höher schlagen: Aufstellungen, Ein- und Auswechslungen, Torschützen, Karten, Zuschauerzahlen, Schiedsrichter und besondere Vorkommnisse aller bisherigen 123 Derbys auf einen Blick.

INFOS ZUM BUCH: „Das einzig wahre Rheinische Derby – 123 x Kölner Geißbock gegen Gladbacher Fohlen: Alle Spiele von 1950 bis 2019“ von Heinz-Georg Breuer ist im Arete Verlag erschienen (ISBN : 978-3-96423-027-0) und kann im Buchhandel oder hier bestellt werden.

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