Folge uns
.

Interviews

Comeback des FC-Stammtisch Talks: „Ich sehe wieder einen Sinn für eine neutrale Dialogplattform“

Nach einem Jahr Pause wird der FC-Stammtisch Talk Anfang September zurückkehren. Wir haben mit Initiator Ralf Friedrichs über die Gründe, das Konzept und die Suche nach Partnern gesprochen.

Foto: privat

Im vergangenen Jahr verkündete Ralf Friedrichs: Nach 184 Ausgaben ist es genug mit dem FC-Stammtisch Talk. Seit 2009 hatte er all die Diskussionen um den 1. FC Köln aufgearbeitet, bereichert und zeitweise sogar geprägt. Nach acht turbulenten Jahren sagte der Grandseigneur des kölschen Fußballtalks zum Ende „Tschö“ – auf dem Höhepunkt des Europapokal-Einzugs nahm Friedrichs den Hut. Jetzt – nach über einem Jahr – kommt es zum großen Comeback: Am 4. September wird der FC-Stammtisch Talk zurückkehren – zu besprechen gibt es nach der Abstinenz mit dem Abstieg, seinen Folgen und den aktuellen Entwicklungen so einiges.

Im traditionsreichen „Brauhaus Stüsser“ auf der Neusser Straße wird Ralf Friedrichs mit seinen Gästen über den effzeh-Saisonstart, die derzeitigen Geschehnisse in und um den Verein und vieles mehr reden. Auch effzeh.com wird dabei sein – denn wir können stolz verkünden, bei der Neuauflage als Medienpartner am Start zu sein. Bevor die große Rückkehrsause startet, haben wir mit Ralf Friedrichs über das fulminante Comeback, die Reaktionen darauf und seine Suche nach Unterstützung für das Format gesprochen.

Auch interessant
Hans-Schäfer-Südkurve: Ehre, wem Ehre gebührt

Die gute Nachricht zuerst: Der FC-Stammtisch unter deiner Leitung ist zurück. Wie sehen die Pläne für das große Comeback aus?

Da bin ich noch mittendrin, die grundsätzliche Entscheidung für die Fortsetzung ist gerade erst gefallen. Als erstes habe ich nun den 1. FC Köln offiziell informiert, so wie sich das gehört. Wir wollen ja nicht nur über den Verein reden, sondern auch mit ihm. Es wäre also toll, wenn jemand vom effzeh am 4. September im „Brauhaus Stüsser“ dabei wäre. Wir werden dann den Monat August sportlich bewerten, aber sicher auch die Vereinspolitik besprechen. Es steht ja einiges an in den nächsten Monaten.

In der Diskussion über Mitgliederratsthemen, die Stadionthematik oder 100% FC gibt es derzeit viel extremes Schwarz-Weiss-Denken. Hier will ich ansetzen, das Bewusstsein für die Grautöne schärfen und herausarbeiten, dass es eben nicht nur „Dafür“ und „Dagegen“ gibt. Das ist auf Dauer schädlich für die Vereinskultur!

Auf was dürfen wir uns generell gefasst machen?

Neben der natürlich immer wichtigen aktuellen sportlichen Entwicklung wird der Schwerpunkt zusätzlich in der Beziehung zwischen Fan und Verein gesetzt. In der Diskussion über Mitgliederratsthemen, die Stadionthematik oder 100% FC gibt es derzeit viel extremes Schwarz-Weiss-Denken. Hier will ich ansetzen, das Bewusstsein für die Grautöne schärfen und herausarbeiten, dass es eben nicht nur „Dafür“ und „Dagegen“ gibt. Das ist auf Dauer schädlich für die Vereinskultur und wenn der FC-Stammtisch Talk da ein kleines Mosaiksteinchen zum besseren Verständnis untereinander beifügen könnte, wäre das schon ein Gewinn. Also werde ich wieder in die Rolle des weitgehend neutralen Moderators zurückzukehren, um hoffentlich fruchtbare Diskussionen zu führen.

Foto: privat

Wie kommt es überhaupt dazu, dass du mit dem Format nach einem Jahr Pause wieder zurückkehrst?

Es fühlte sich Ende Mai 2017 total richtig an, den Talk nach über acht Jahren und 184 Ausgaben zu beenden und ich stehe auch heute noch zu 100 Prozent hinter dieser Entscheidung. Aber niemand konnte den Absturz voraussehen, der dann folgen sollte. Die Abstiegssaison war für die Fans und damit auch für mich eine einzige Katastrophe, trotz der kurzfristigen Europa-Freuden. Auch wenn der Verein es nun anders propagiert, viele in der Fanszene sind der Meinung, dass längst nicht alle Umstände des Untergangs trotz bester Voraussetzungen richtig aufgearbeitet wurden. Meines Erachtens rumort es im Umfeld, entgegen der vorwiegend positiven Selbstdarstellung des Vereins. Als ich dann im Schwarzwald-Urlaub über all das nachdachte, reifte erstmals der ernsthafte Gedanke an eine Rückkehr des Formats. Ich sah wieder einen Sinn für eine neutrale FC-Dialogplattform zwischen Fans, Vereinsvertretern und Medien. Daher wollte ich wissen, wie die FC-Community zu einem Comeback steht und habe in den sozialen Netzwerken nachgefragt.

Es gab niemanden, der gesagt hat, „Ach, lass den alten Kram doch ruhen“. Im Gegenteil: Es wurde eher gefragt, warum ich überhaupt aufgehört habe.

Wie war die Rückmeldung, nachdem du deine Gedanken zu einem Comeback öffentlich gemacht hattest?

Die war überragend, denn ich kann bei der Masse, die sich über alle möglichen Kanäle geäußert haben, auf 100 Prozent Zustimmung verweisen. Es gab niemanden, der gesagt hat, „Ach, lass den alten Kram doch ruhen“. Im Gegenteil: Es wurde eher gefragt, warum ich überhaupt aufgehört habe. Insofern war dies schon mal der erste wichtige Ansatzpunkt für meine Entscheidung, das „Sabbatical“ zu beenden.

Auch interessant
Vereine, Sponsoren, Fans: Statista-Umfrage zur Bundesliga 2018

Du suchst noch nach Partnern, die den ganzen Spaß unterstützen und finanzieren können. Wie weit bist du dabei?

Das ist natürlich wie immer eine andere Sache, denn wer hat heutzutage schon Geld zuviel übrig? Doch es gibt bereits erste Ansätze und Termine. Dennoch rufe ich hier gerne weitere Unternehmen mit Herz für den effzeh auf, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Infos dazu findet man übrigens auf meiner Website.

Foto: Thomas Reinscheid/effzeh.com

Gibt es Gedankenspiele, dass auch Einzelpersonen dem FC-Stammtisch unter die Arme greifen können?

Klares Ja! Alternativ oder zusätzlich zum Partnerprogramm denke ich darüber nach, ob man nicht ein relativ einfaches „Fan-Sponsoring“ entwickeln kann. Man könnte den Talk über Monatsbeiträge zwischen einem und drei Euro finanzieren, bräuchte naturgemäß eine gewisse Masse an Leuten, die mitmachen. So etwas müsste aber zunächst strukturell aufgebaut werden, eventuell sogar mit einem der Partnerunternehmen. Allerdings braucht so etwas Zeit, bis dahin würden auch Einzelspenden helfen. Am Ende stünde dann vielleicht der erste Fan-eigene Talk über einen Verein der 1. und 2. Bundesliga. Ich halte so etwas für machbar und zukunftsorientiert. Fanmedien werden allgemein immer wichtiger und relevanter. Grundsätzlich kann sich jeder mit unterstützenden Ideen oder Vorschlägen diesbezüglich mit mir in Verbindung setzen.

Ich denke darüber nach, ob man nicht ein relativ einfaches „Fan-Sponsoring“ entwickeln kann.  Am Ende stünde dann vielleicht der erste Fan-eigene Talk über einen Verein der 1. und 2. Bundesliga. Ich halte so etwas für machbar und zukunftsorientiert.

Wir mit effzeh.com werden an Bord sein und dir in Sachen Medienpräsenz zur Seite stehen. Eine bewusste Entscheidung deinerseits?

Auch hier ein eindeutiges Ja! Schließlich entstammt ihr – wie der FC-Stammtisch Talk – aus der FC-Online-Fanszene und habt euch eine hohe Relevanz im nicht ganz einfachen Kölner Medienumfeld erarbeitet. Dazu seid ihr in meinen Augen einerseits jecke FC-Fans und eurem Verein verfallen, andererseits aber Journalisten, die sich auch konstruktiv-kritisch mit dem effzeh auseinandersetzen. Insofern passt dies doch bestens zusammen und ich freue mich auf die Zusammenarbeit.

Mehr aus Interviews

.