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Kurz & Knapp

FC-Stammtisch nach der Mitgliederversammlung: „Werner Spinner hat Anstand bewiesen“

Am Tag nach der Mitgliederversammlung lud Moderator Ralf Friedrichs erneut zum FC-Stammtisch ein. Neben Hannes Linßen gaben Mitgliederrat Ho-Yeon Kim und der Chef vom Dienst von effzeh.com, Arne Steinberg, ihr Debüt vor der Stammtischkamera.

Wichtigstes Thema beim FC-Stammtisch war natürlich die Vorstandswahl beim 1. FC Köln. „Damals bei der Fortuna hatten die Vorgänge mit Vereinsdemokratie nichts zu tun“, ordnete Hannes Linßen direkt einmal ein. „Es hatte nur einer etwas zu sagen, das war Jean Löring. Er erhielt bei jeder Vorstandswahl auch nur eine Gegenstimme – und die kam von seiner Frau. Mit heute ist das gar nicht vergleichbar.“ Ein nahezu einstimmiges Ergebnis bei der Mitgliederversammlung? Tatsächlich ein Szenario, dass man sich nach den letzten Wochen nur schwerlich vorstellen kann. Dennoch war der Mitgliederrat mit dem Wahlergebnis zufrieden, wie Ho-Yeon Kim erklärte, aber hinzufügte, dass es „nicht sein dürfe, dass der Umgang auf der Mitgliederversammlung unter der Gürtellinie“ ablaufe. „Ich bin froh, dass Karl-Ludwig Kley das in der Sitzungsleitung so souverän und gut gelöst hat.“

Dass schlussendlich nur etwas mehr als 3.000 Mitglieder in die Halle gekommen sind, sorgte derweil bei Linßen für Verwunderung: „Es sind über 100.000 Mitglieder, warum gehen nur 3.000 da hin? Die Mitglieder haben doch heute deutlich mehr Macht als früher, wieso nutzen sie diese nicht?“, fragte sich der ehemalige FC-Sportchef. „Das ist wirklich unerfreulich.“ An Antworten auf die Frage probierten sich sowohl Arne Steinberg als auch Kim. „Man sollte den Termin nicht unterschätzen“, erklärte der effzeh.com-Redakteur. „Es gab eine Länderspielpause und es war ein Sonntag, das wird einige davon abgehalten haben. Zudem stellt sich ja auch die Frage, wie viele der über 100.000 Mitglieder auch wirklich aktiv sind und sich vereinspolitisch engagieren.“ Mitgliederrat Kim vermutet in der erneut langen Dauer der Veranstaltung ebenfalls einen Grund: „Viele Mitglieder bringen nicht die Geduld auf, um sechseinhalb Stunden an einer Sitzung teilzunehmen.“

Geringe Beteiligung – Online-Wahl eine Option?

Dass eine Online-Abstimmung in der Zukunft da Abhilfe schaffen könnte, glaubt Kim derweil nicht. „Online ist nicht so einfach, wie es gern gemacht wird. Es wird mit einer Parlamentswahl oder einer Briefwahl verglichen. Aber das ist nicht vergleichbar: Wir treffen uns nur einmal im Jahr und hören dort Rechenschaftsberichte, können dann zur Aussprache kommen. Das ist einfach etwas ganz anderes.“ Zusätzlich müsste man sich technischen und rechtlichen Diskussionen stellen. „Ich finde, Mitglieder sollten sich auf den Weg machen und vor Ort ihre Meinung sagen“, pflichtete Linßen diesem Standpunkt bei. „Allerdings bin ich auch ein älterer Mann, der weitgehend abgekoppelt vom Internet lebt.“

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Dass die Mitgliederversammlung in diesem Jahr nicht einmal als Livestream zur Verfügung stand, sorgte für Kritik von Steinberg. „Andere Vereine streamen über Youtube und barrierefrei. Wir sollten ohne Zwischeninstanz verfolgen können, was passiert. Nicht nur aufgrund der technischen Möglichkeiten sollte ein Verein wie der 1.FC Köln einen Livestream anbieten.“ Obwohl es vom 1. FC Köln gegenteilig kommuniziert wurde, sei der Mitgliederrat an der Entscheidung gegen einen Livestream nicht beteiligt gewesen, stellte Ho-Yeon Kim bei dieser Gelegenheit noch einmal klar. „Wir wurden am Freitag informiert und konnten dann nicht mehr reagieren, weil das zu kurzfristig war.“

Lob für Werner Spinner

Während Toni Schumacher und Markus Ritterbach mit ihren Reden bei der Mitgliederversammlung für Wirbel sorgten, bliebt Ex-Präsident Werner Spinner der Veranstaltung fern, ließ jedoch einen Brief an die Mitglieder des Clubs verlesen. „Im Vergleich zu den Vizepräsidenten war der Brief klasse“, lobte Steinberg die Worte des Ex-Präsidenten. „In der Form war es deutlich stilvoller als das, was Schumacher und Ritterbach in ihren ‚Rechenschaftsberichten‘ ablieferten. Sie bedienten nur ihr eigenes Ego. Da hatte es Werner Spinner gestern vielleicht etwas einfacher und es war eine gute Möglichkeit, sich zu verabschieden, die er auch genutzt hat.“ Auch Kim pflichtete bei: „Werner Spinner wird maßlos enttäuscht gewesen sein, als er damals zurücktrat. Ich halte sein Schreiben für sehr stilvoll und richtig. Schon bei seinem Rücktritt agierte Spinner sehr professionell. Er hat damit sehr viel Ruhe hereingebracht und auch gestern Anstand bewiesen, wofür wir ihm dankbar sind.“

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Zum Abgang der beiden nunmehr ehemaligen Vizepräsidenten herrschte in der Runde weitestgehend Einigkeit. „Toni Schumacher wollte sich über die Mannschaft profilieren, was nicht geklappt hat – und dann wurden eben andere gewählt“, erklärte Linßen, während Steinberg sich vor allem am Verhalten im Vorfeld der Wahl störte. „Es waren ja nicht nur die Reden, die übel waren. Der Spinner-Rücktritt im März und die Erklärung im Mai sprachen eine deutliche Sprache. Und ihren Ankündigungen, nicht nach zu treten, sind sie niemals nachgekommen.“ Die vielen Aussagen in der Presse seien störender als die Reden am Sonntag gewesen. „Toni ist einer der beliebtesten Torhüter gewesen und nach wie vor unser Rekordspieler“, ordnete Mitgliederrat Kim derweil ein. „Aber vielen fällt es schwer, das zu trennen. Er hat immer Vollgas gegeben und teils auch aggressiv dazwischengegrätscht. Das hat ihn als Vizepräsident dann leider irgendwann behindert.“

Neuer Vorstand: „Anfang war etwas schwerfällig“

Die Redebeiträge des neuen Vorstands bei der Mitgliederversammlung sorgten in der Stammtisch-Runde allerdings auch nicht unbedingt für Begeisterungsstürme. „Der Anfang war etwas schwerfällig“, resümierte Kim. „Aber gerade als es darum ging, die Fragen aus dem Publikum zu beantworten, haben sie sehr gut und ehrlich geantwortet.“ Es sei auch nicht immer wichtig, ein „emotionaler Redner“ zu sein, erklärte Steinberg. „Werner Wolf kam etwas schwer in seine Rede, Eckhard Sauren halfen seine kleinen Jokes und Jürgen Sieger kann sich sowieso sehr gewählt ausdrücken.“ Hannes Linßen pflichtete bei: „Es ist doch auch nicht so wichtig, wie die Trikots aussehen – es kommt nur darauf an, zu gewinnen.“

Dass mit Erich Rutemöller ein weiterer Berater für das Kompetenzteam des Vorstands gefunden wurde, begrüßte die Runde. „Rutemöller war bis vor drei Jahren weltweit in der Trainerausbildung aktiv, er war bis zuletzt im Vorstand bei Fortuna Düsseldorf. Er ist 74 Jahre alt, aber auf dem allerhöchsten Stand. Ich finde die Wahl sehr gut, sein Abgang wird den Düsseldorfern wehtun“, erklärte Linßen, fügte aber auch an: „Allerdings fände ich es auch besser, jemanden wie ihn direkt im Präsidium zu platzieren.“ Mitgliederrat Kim gab daraufhin noch einmal einen Einblick in die Überlegungen des Mitgliederrats: „Wir hatten lange überlegt, ob wir jemanden aus dem Fußballgeschäft mit dazu nehmen. Aber dazu muss man sagen: Die Schnittmenge, die da benötigt wird, ist sehr gering. Die meiste Arbeit im Vorstand ist nun einmal nicht die Sportliche. Zudem muss die finanzielle Unabhängigkeit gewährleistet sein – das ist bei allen drei Präsidiumsmitgliedern der Fall.“

Alle weiteren Themen und Aussagen vom FC-Stimmtisch mit Ho-Yeon Kim, Hannes Linßen, Arne Steinberg und Moderator Ralf Friedrichs findet ihr im kompletten Video oben hier im Artikel. 

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