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Kolumnen

Eine Lanze für Yuya Osako

In der effzeh.com-Kolumne „Real Madrid des Westens“ blickt Arne Steinberg auf Entwicklungen rund um Taktik und Spielweise des effzeh.

MUNICH, GERMANY - OCTOBER 24: Yuya Osako of Koeln warms up prior to the Bundesliga match between FC Bayern Muenchen and 1. FC Koeln at Allianz Arena on October 24, 2015 in Munich, Germany. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)
Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Als eine der wesentlichen Neuerungen rund um den effzeh gilt im Sommer 2016 die verbesserte Konkurrenzsituation im Kader. Diese äußert sich in einem umkämpften Rennen um die wenigen verbleibenden Startplätze, wenn man die wenigen Spieler heraussiebt, die wirklich als „Stammspieler“ gelten. Ich würde dafür allerdings eher die Beschreibung einer „Achse“ wählen, die für das Konstrukt einer Fußballmannschaft wesentlich bedeutsamer ist. Beim effzeh besteht diese Achse aus den Fixpunkten Horn, Maroh, Hector, Lehmann, Bittencourt, Risse und Modeste, die durch wechselnde Akteure zu einer Elf ergänzt wird. Es lässt sich erkennen, dass das Gros dieser Achse seit Jahren zusammenspielt und ihre Interaktionsbeziehungen auf und neben dem Spielfeld organisch gewachsen sind. Dass mittlerweile die Qualität im Kader so hoch ist, dass fast beliebig viele Spieler die Achse ergänzen können, ist definitiv ein Meilenstein in der Entwicklung des Klubs. Manchmal bleiben allerdings auch Spieler auf der Strecke, obwohl sie eigentlich das Potenzial dazu hätten, eine größere Rolle zu spielen – ein gutes Beispiel dafür ist Yuya Osako.

Von Teilen der Fans wird er sehr kritisch gesehen

COLOGNE, GERMANY - MARCH 19: Yuya Osako of koeln looks dejected after defeat in the Bundesliga match between 1. FC Koeln and FC Bayern Muenchen held at RheinEnergieStadion on March 19, 2016 in Cologne, Germany. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Osako in der letzten Saison (Symbolbild)
Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Die Saison 2015/2016 lief für den Japaner nicht zufriedenstellend. Der 26-Jährige kam lediglich auf einen Torerfolg, verlor seinen Platz in der Nationalmannschaft und hatte einen schweren Stand bei den Fans. Dass die Kombination aus mangelndem Selbstvertrauen, hohem Druck und wenigen Einsatzzeiten dann nicht zwingend dazu führt, dass man sich schnell aus einer solchen sportlich unschönen Situation herausarbeitet, konnte der Stürmer am eigenen Leib erfahren. Es wurde sogar darüber gemutmaßt, ob Stöger den Japaner lieber auswärts bringt, um ihn vor dem Druck des heimischen Publikums zu schützen. Im Laufe der diesjährigen Sommervorbereitung bringt sich Osako allerdings wieder ins Geschäft, er scheint ein veritabler Startelf-Kandidat für das Spiel gegen Darmstadt 98 am Samstag zu sein.

Sein hohes Standing innerhalb der Mannschaft wird von vielen sportlichen Verantwortungsträgern beim 1.FC Köln seit jeher oft betont, vielfach wurde bereits davon gesprochen, dass Yuya Osako ein ganz wichtiges Element im effzeh-Spiel werden könnte. In der Vorbereitung und im anschließenden Pokalauftritt gegen BFC Preußen Berlin stellte Osako seine ansteigende Form unter Beweis, traf gegen Mainz einmal und in Berlin doppelt. Peter Stöger hofft darauf, dass die Rückendeckung, die er dem Japaner zuteil werden ließ, in dieser Saison ihre Früchte trägt. Dem Österreicher ist bewusst, dass die Durststrecke von Osako auch daran lag, wie er eingesetzt wurde. Die Polyvalenz der Nummer 13 im Kölner Kader ist nämlich Fluch und Segen zugleich.

Guter Auftakt in Deutschland

Bevor Osako Anfang des Jahres 2014 nach Deutschland kam, reifte er in Japan zu einem begehrten Offensivspieler, der mit 94 Torbeteiligungen in 188 Spielen für seinen Verein Kashima Antlers zurecht auch für die Nationalmannschaft nominiert wurde. Den Schritt nach Europa wagte Osako dann erst einmal in die zweite Liga zum TSV 1860 München, wo er mit sechs Toren und drei Vorlagen sofort zu einem Leistungsträger avancierte. Dem effzeh, damals noch Ligakonkurrent der 60er, blieb das Ganze nicht verborgen, Osako wurde für knapp anderthalb Millionen Euro Ablöse verpflichtet und durfte sich fortan in der Bundesliga beweisen.[perfectpullquote align="left" cite="" link="" color="" class="" size=""]Osakos Beidfüßigkeit macht ihn zudem wohl zum komplettesten Angreifer im Kader des effzeh.[/perfectpullquote]Für [/perfectpullquote]das Geschäft relativ profitabel, innerhalb von sechs Monaten konnte man eine Million Euro Gewinn mit Osako erzielen.  Trotzdem verloren sie einen sehr fähigen Spieler, der seine Tauglichkeit in der ersten Bundesliga sofort unter Beweis stellen sollte. Einem guten Auftakt mit einem Tor am zweiten Spieltag in Stuttgart ließ Osako jedoch eine längere Durststrecke folgen: Erst im März gegen Frankfurt und zum Saisonabschluss gegen Wolfsburg sollte er wieder treffen. In der vergangenen Saison traf Osako sogar nur einmal, erneut in Stuttgart. Es lässt sich nicht wegdiskutieren, dass eine Quote von sechs Toren in 57 Spielen nicht unbedingt dafür spricht, dass man einen echten Torjäger verpflichtet hat. Doch wie so oft im Leben sind Dinge weder eindeutig schwarz noch eindeutig weiß – auch im Falle des japanischen Offensivmanns muss differenziert werden.

Osakos Polyvalenz ist das „Problem“

Sein „Problem“ stellt sich demzufolge wie folgt dar: Während er in Japan im Sturmzentrum eingesetzt wurde und auch regelmäßig traf, nutzt Peter Stöger seine Stärken in Ermangelung eines echten Spielmachers (oder etwa nicht, Milos Jojic?) im Kader eher anders. In der letzten Saison wurde Osako häufig als Zehner, zweiter Stürmer, eingerückter Flügelspieler eingesetzt, der aus der Tiefe das Spiel machen und aufbauen sollte – dies setzt natürlich ein gewisses Maß an Übersicht, Technik und vor allen Dingen Ballsicherheit voraus. Osakos Präsenz, die er im Zehnerraum unter hohem Gegnerdruck entfalten kann, hinderte ihn also im Wesentlichen daran, in torgefährlicheren Räumen aufzutauchen und seine Torquote hochzuschrauben.

Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Der Fluch der guten Tat sorgte also dafür, dass Osako bei vielen Fans einen schweren Stand hat. Und das trotz seiner unbestrittenen Stärken: Osakos Bewegungen mit und ohne Ball sind gut und technisch anspruchsvoll, ebenso seine Fähigkeiten in der Ballverarbeitung und –weiterleitung. Wenn er einen langen Ball mit der Brust annimmt und kontrolliert, dabei seinen Gegenspieler davon abhält, ihm den Ball klauen, erkennt man zumindest ein bisschen Robert Lewandowski in ihm. Seine gute körperliche Balance ermöglicht es ihm, den kontrollierten Ball durch eine schnelle, technisch meist saubere Drehung Richtung Tor zu bewegen und aufzudrehen, was ihm häufig einen Fortschritt gegenüber den Verteidigern einbringt. Im Testspiel gegen Mainz offenbarte sich diese Stärke sehr deutlich, als er die langen Longline-Bälle von Dominique Heintz im Raum zwischen linkem Innenverteidiger und Linksverteidiger erlief, kontrollierte und verarbeitete.

Bei aller (natürlich teils berechtigter) Kritik seitens der Fans muss dementsprechend immer darauf geachtet werden, in welcher Position ein Spieler ein bestimmtes Aufgabenprofil erfüllen muss. Osako wird selbst am besten wissen, dass er eher ein Zentrumsstürmer ist. Wenn der Trainer meint, dass er seine Stärken für die Mannschaft in der jetzigen Situation eben auf der Zehner-Position einbringen soll, dann wird ein Spieler wie Osako das immer erfüllen.

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Osako bringt sich wieder in die Verlosung

Seine Fähigkeit, Bälle unter Druck zu sichern, schafft also beste Voraussetzungen für ein eher ballbesitzorientiertes Spiel. Anthony Modeste, ein gänzlich anderer Spielertyp als der Japaner, ist abschlussfixierter und weiträumiger, immer lauernd an der Grenze zum Abseits und auf den öffnenden Pass. Osakos Beidfüßigkeit macht ihn zudem wohl zum komplettesten Angreifer im Kader des effzeh, obwohl sich dies bislang in absoluten Zahlen noch nicht zwingend ausdrückt. Osako bringt darüber hinaus nämlich auch Qualitäten in der Balleroberung mit, die seinem Portfolio sicher nicht schaden. Dementsprechend ist es sehr wohltuend zu sehen, dass sich Osako mit den Toren gegen Mainz und BFC Preußen Selbstvertrauen holen konnte; wohlwissend, dass diese beiden Spiele wohl kaum als sportliche Gradmesser gelten können. Dennoch bleibt zu hoffen, dass Osako in dieser Saison leistungsmäßig einen Sprung nach oben macht – die Voraussetzungen dafür bringt er zweifelsohne mit.

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