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Nachspiel

Souverän mit Luft nach oben

Eine Standortbestimmung war es wohl nicht, dennoch gibt es einige Lehren, die man aus dem Erstrundenauftritt des effzeh beim BFC Preußen Berlin ziehen kann.

© effzeh.com

Nein, stark mit Ruhm bekleckert hat sich der 1.FC Köln anlässlich seines Auftritts in der ersten Pokalrunde in Berlin wahrlich nicht. Doch wie sollte das auch möglich sein, wenn fünf Ligen Differenz zwischen beiden Mannschaften bestehen und der Ausgang eigentlich schon vor dem Spiel feststeht: entweder steht am Ende des Spiels ein deutliches Resultat oder die größte Blamage der jüngeren Vergangenheit wirft einen extrem dunklen Schatten auf den Saisonauftakt. Dass der effzeh zwischenzeitlich das ein oder andere Mal wackelte, war insgesamt wohl weniger mangelnder Qualität als eher mangelnder Konzentration geschuldet: nach wenigen Sekunden manövrierte sich Sven Müller mit seinen ersten Ballkontakten als Profi in eine schwierige Situation, schoss den Stürmer der Berliner an und hatte Glück, dass das Spiel nicht mit einem echten Paukenschlag begann. Nach einer halben Stunde führte der BFC Preußen einen Freistoß schnell aus und überraschte damit die Hintermannschaft des effzeh, doch Dominique Heintz konnte den Schuss von Robben auf der Linie klären. Doch auch der effzeh arbeitete sich genügend Chancen heraus, ohne allerdings in der ersten Halbzeit im Abschluss konsequent zu sein. Mal fehlte die Präzision im Abschluss, mal das Auge für den Nebenmann.

Erst gegen Ende wird es deutlich

[perfectpullquote align="left" cite="" link="" color="" class="" size=""]Milos Jojic und Artjoms Rudnevs scheinen wohl noch am ehesten Wackelkandidaten für die Startelf zu sein. [/perfectpullquote]

D[/perfectpullquote]ine 2:0-Führung heraus: Konstantin Rausch mit seinem linken Fuß, der in dieser Saison in Hinblick auf Standardsituationen wohl eine echte Waffe werden dürfte und Anthony Modeste in typischer Manier erzielten die Tore im ersten Durchgang. Das große Feuerwerk blieb allerdings nach der Pause aus, vielmehr hatten die Preußen die Chance auf den Anschlusstreffer, als der 1.FC Köln bei einem langen Ball etwas zu sorglos agierte und René Robben aus unverständlichen Gründen so lange wartete, bis Matze Lehmann ihm gerade noch so den Ball vom Fuß grätschte. Dies war bis zu einem Dreifachwechsel nach knapp einer Stunde auch der einzige Aufreger in einer ansonsten langweiligen zweiten Hälfte, in der der effzeh nicht wirklich vor Spielfreude sprühte. Erst die Einwechslungen von Zoller, Höger und Osako belebten das Spiel auch nochmal, gegen zunehmend müde werdende Preußen wurde es dann allerdings auch ein wenig einfacher. Der effzeh fand immer mehr Räume vor, wusste diese aufgrund der physischen Überlegenheit zu nutzen und schoss letztendlich ein standesgemäßes Ergebnis von 7:0 heraus, was in der ersten Halbzeit so noch nicht abzusehen war. Peter Stöger gab nach dem Spiel auf der Pressekonferenz zu, dass sich seine Mannschaft das Leben selbst schwergemacht habe. Dennoch sei das Weiterkommen „verdient, obwohl es unser Gegner sehr gut und vor allen Dingen mutig gemacht hat. Das verdient Respekt.“

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BFC Preußen: kein normaler Sechstligist

Dem kann man sich nur vollumfänglich anschließen, denn der gemeine effzeh-Fan erwartete wohl eher ein lockeres Scheibenschießen, bei dem man den Sechstligisten in Adiletten zweistellig aus dem Stadion fegt. Ohne jetzt die vielleicht nur befriedigende Leistung der Profimannschaft des effzeh überstrapazieren zu wollen: man muss Preußens Trainer Andreas Mittelstädt und seiner Mannschaft ein Kompliment zollen, da sie es als Amateurmannschaft immer wieder versucht haben, einen Bundesligisten durch frühes Anlaufen unter Druck zu setzen. Es mag Spiele in der jüngeren Vergangenheit gegeben haben, in der sich unterklassige Mannschaften im besten Mourinho-Stil hinter dem Mannschaftsbus verschanzt haben, was allerdings nicht dem Stil der Preußen zu entsprechen scheint. Mittelstädts Mannschaft stellte im Gegensatz dazu unter Beweis, dass der vollmundigen Ankündigung, mittelfristig in die Regionalliga aufsteigen zu wollen, auch auf dem Trainingsplatz Folge geleistet wird. Wenn dann die Spieler nur drei- bis viermal trainieren können und am Ende eine solche Leistung steht, kann man aber wirklich nur den Hut ziehen.

Was nimmt man aus dem Spiel mit?

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Die großen taktischen Lehren lassen sich aus dem ersten Auftritt des effzeh in der Spielzeit 2016/2017 jetzt wohl eher nicht ziehen, obwohl schon einige Dinge erkennbar waren, über die bereits seit Beginn der Vorbereitung gesprochen wurde: Konstantin Rausch scheint auf dem besten Weg dahin zu sein, die seit Jahren von Jonas Hector monopolisierte Position des linken Verteidigers zu übernehmen, damit der Nationalspieler mit seinem Raumgefühl und seiner Ballsicherheit im defensiven Mittelfeld spielen kann. Vor dem Bundesligaauftakt am kommenden Samstag gegen das Darmstadt 98 von Norbert Meier scheint neben der Rückkehr des Silbermedaillen-Gewinners Timo Horn auch die Besetzung der Viererkette festzustehen. Da davon auszugehen ist, dass das Pärchen Olkowski-Risse auf der rechten Seite nur gegen dem effzeh deutlich überlegene Mannschaften zum Tragen kommen wird, wird wohl der gebürtige Kölner an der Seite von Dominic Maroh auflaufen. Die Doppelsechs bestehend aus Lehmann und Hector scheint ebenso fix zu sein wie der Platz für Leonardo Bittencourt und Anthony Modeste. Milos Jojic und Artjoms Rudnevs scheinen wohl noch am ehesten Wackelkandidaten für die Startelf zu sein, gerade auch weil mit Yuya Osako und Simon Zoller zwei qualitativ gleichwertige Spieler auf ihren Einsatz drängen. Damit wären wir bei einem weiteren Aspekt, den es so beim effzeh schon seit längerem nicht gab: der Konkurrenzkampf ist so hoch wie nie. Die lange Zeit von der sportlichen Führung postulierte,  von der Öffentlichkeit allerdings kritisch gesehene Ausgeglichenheit des Kaders könnte für den effzeh im Laufe der Saison tatsächlich einen Unterschied dahingehend machen, sich von einer durchschnittlichen in eine gute Bundesliga-Mannschaft zu entwickeln.

Doch nach mehr als 50 Tagen und acht Wochen Vorbereitung wird alles Makulatur sein, selbst das Ergebnis gegen BFC Preußen, wenn am Samstag der Anpfiff in Müngersdorf ertönt. Da nicht davon auszugehen ist, dass Darmstadt sich in der Sommerpause zu einem ballbesitzorientiertem Team aus filigranen Technikern gewandelt hat, erwartet den effzeh ein Abnutzungskampf, in dem man die wenigen Möglichkeiten, die man bekommt, tunlichst nutzen sollte. Der Pokalauftritt in Berlin diente somit als Pflichtaufgabe, die sehr gewissenhaft, aber nicht fehlerlos erledigt wurde. Die kommende Trainingswoche dient dazu, die nötige Wettkampfhärte für Samstag aufzubauen, denn das Niveau in der Bundesliga ist trotz allem ein anderes.

Am Tag zuvor wird dem effzeh noch die übliche Auswärtspartie bei einem Bundesligisten (wahrscheinlich in München oder Dortmund) in der zweiten Runde des Pokals zugelost werden, sodass man sich ab Oktober dann wieder auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren kann.

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