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Interviews

Investition in den E-Sport: „Der 1. FC Köln hat sich in eine optimale Lage gebracht“

Vor einer Woche gab der effzeh bekannt, in das E-Sport-Team SK Gaming investiert zu haben. Doch was soll das überhaupt? Worin liegt der Nutzen, worin das Potential? In unserem Experteninterview haken wir bei Christopher Kraft nach, der seit einigen Jahren in der E-Sport-Nachwuchsförderung engagiert ist.

FC-Finanzgeschäftsführer Alexander Wehrle (l.) mit SK-Gaming-Gründer Alexander Müller | Foto: 1. FC Köln
FC-Finanzgeschäftsführer Alexander Wehrle (l.) mit SK-Gaming-Gründer Alexander Müller | Foto: 1. FC Köln

Seit einem Jahr ist der 1. FC Köln auch im Bereich E-Sport unterwegs. Ende Januar 2018 wurde eine Vereinbarung mit dem E-Sport-Team „SK Gaming“ geschlossen, an dem man seit kurzem auch Anteile besitzt. Aktuell läuft der Wettbewerb der „Virtuellen Bundesliga“, in der der 1. FC Köln mit einigen Spielern an den Start geht. Das Zocken an der Konsole ist deswegen zu einem Thema geworden, das rund um den effzeh eine große Rolle spielt. Bereits im vergangenen Jahr haben wir mithilfe von zwei Texten versucht, die Thematik einzuordnen: Zuerst stand uns E-Sport-Experte Malte Hedderich für ein Interview zur Verfügung, danach widmeten wir uns der Thematik in einer größeren Reportage. Ein Jahr später ist das Thema immer noch relevant, weil der Verein nun ein finanzielles Investment getätigt hat und noch mehr im E-Sport aktiv ist.

Nun haben wir einen weiteren kompetenten Gesprächspartner zu dieser Thematik gefunden: Christopher Kraft (25) ist in der IT-Branche selbständig unterwegs und seit Jahren in der Ausbildung und Nachwuchsförderung in verschiedenen Bereichen des E-Sport engagiert. Mit ihm sprachen wir über den Kauf von Anteilen, die Zielsetzung des effzeh und die Faszination am E-Sport.

Der 1. FC Köln hat bekannt gegeben, gemeinsam mit Mercedes-Benz Anteile am E-Sport-Team SK Gaming erworben zu haben. Wie beurteilst du das grundsätzlich?

Es ist definitiv ein interessanter Schritt, mit dem ich so nicht gerechnet habe, aber ihn dennoch sehr begrüße. Die Partnerschaft zwischen dem 1. FC Köln und SK Gaming begann ja bereits im Januar 2018. Man hat sich damals zusammengeschlossen, um voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen. Da ging es vor allem um Wissensaustausch. Der effzeh half SK Gaming vor allem bezüglich leistungssteigernder Ernährung und körperlichem Training. Im Gegenzug wurden dem effzeh E-Sport-Konzepte gezeigt und Hilfestellung bei der Vorbereitung für die anstehende virtuellen Bundesliga (VBL) gegeben.

Schon damals wurden zwei Spieler unter Vertrag genommen. Für den Verein aus der Domstadt war die Eröffnung der VBL übrigens ein voller Erfolg: Der Auftakt bestand in einem 7:1-Sieg gegen Wolfsburg und der zwischenzeitlichen Tabellenführung. Insgesamt ist dieser Schritt für mich ein Zeichen dafür, dass der 1. FC Köln das erste Testjahr als Erfolg verbucht hat. Zudem signalisiert er, dass man in Köln dazu bereit ist, digitale Ligen ernsthaft anzugreifen.

Der effzeh betreibt sein E-Sport-Engagement offenbar nicht nur als Fassade.

Was heißt “anzugreifen” in diesem Fall?

Ganz einfach: Der effzeh betreibt sein E-Sport-Engagement offenbar nicht nur als Fassade. Es geht nicht nur darum, dass irgendwo der Name “1. FC Köln” auftaucht. Man ist gewillt, oben in der Liga mitzuspielen und sie zu gewinnen.

Wie steht der FC mit diesem Investment im Vergleich zu anderen großen Fußballclubs da?

Der einzige bekannte deutsche Fußballverein, der sich bisher so tief in den E-Sport gewagt hat, ist der FC Schalke 04. In Gelsenkirchen integrierte man im Jahr 2016 als erster traditioneller Sportverein den E-Sport tief in die Vereinsstruktur. Damals hat der Verein ein bestehendes „League of Legends“-Team erworben und spielt seitdem auf hochklassigem Niveau mit. Ansonsten wagte sich der VfL Wolfsburg 2016 in den E-Sport – allerdings nur im Spiel „FIFA“, das nun auch für die virtuelle Bundesliga verwendet wird. Mit dem Anstoß dieser virtuellen Bundesliga bekommt der E-Sport in Deutschland wahrscheinlich etwas mehr Aufmerksamkeit. Vor deren Start hat sich das Interesse von deutschen Sportvereinen stark in Grenzen gehalten.

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Schaut man auf das internationale Parkett, sieht das Ganze schon anders aus. Paris Saint-Germain betreibt auch seit 2016 eine ganze E-Sport-Abteilung, die sich in der Zwischenzeit in nahezu allen bekannten Disziplinen phänomenal weiterentwickelt hat und in den meisten hohen Ligen mitspielt. Das funktionierte natürlich nur, weil die Investitionen in den E-Sport regelmäßig stiegen. Offenbar war man bei PSG also mit der Entwicklung hoch zufrieden. Ansonsten könnte man als prominente Beispiele noch Manchester City, Valencia, Ajax, Celtic oder West Ham nennen, die den Schritt in den E-Sport bereits gemacht haben.

Auf der nächsten Seite: Die Ziele des 1. FC Köln.

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