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Nachspiel

Der 1. FC Köln verliert das Pokalspiel beim SSV Jahn Regensburg: Fatale Inkonstanz

Durch die unnötige und selbstverschuldete Pokalniederlage bei Zweitligist SSV Jahn Regensburg vergibt der 1. FC Köln die Chance auf zwei Erfolgserlebnisse am Stück und verspielt obendrein eine Menge Geld. Im Bundesligaalltag wird absehbar nicht weniger Last auf den Schultern aller Beteiligten hängen.

REGENSBURG, GERMANY - FEBRUARY 03: Scott Kennedy of Jahn Regensburg celebrates with team mates after scoring their side's first goal during the DFB Cup Round of Sixteen match between Jahn Regensburg and 1. FC Köln at Continental Arena on February 03, 2021 in Regensburg, Germany. Sporting stadiums around Germany remain under strict restrictions due to the Coronavirus Pandemic as Government social distancing laws prohibit fans inside venues resulting in games being played behind closed doors. (Photo by Adam Pretty/Getty Images)

Als die Spieler des 1. FC Köln um kurz vor halb 12 enttäuscht und mit hängenden Köpfen den Rasen des Jahnstadions in Regensburg verließen, wussten sie vermutlich selber nicht so recht, warum und wie genau sie dieses Spiel verloren hatten. Vielleicht waren sie auch ein wenig sauer auf den Schiedsrichter. Hauptsächlich aber ärgerten sie sich hoffentlich über ihre eigene Leistung. Denn eigentlich muss allen Beteiligten auf Kölner Seite schnell klargewesen sein: Die Sehnsucht, einmal im Pokal weit zu kommen und die Expresslinie nach Europa zu betreten, wurde schon wieder auf fürchterliche Art und Weise weggeworfen. Dieses Pokalspiel war ein Spiel, dass man als Bundesligist einfach nicht verlieren darf!

Und das alles, obwohl es zunächst so vielsprechend losging: Die „Geißböcke“ führten nach frühen Toren von Jakobs (4. Spielminute) und Dennis (22. Minute) komfortabel mit 2:0 und nutzten dabei die Fehler der Gastgeber ungewohnt effizient. Dann aber verloren sie im Laufe der Partie immer mehr Faden, Souveränität und die Ausstrahlung des eigentlich klassenbesseren Teams.

Dass nach dem Anschlusstreffer von Kennedy in der 35. Minute das vermeintliche 3:1 von Benno Schmitz aus äußerst streitbaren Gründen nach gefühlt minutenlangem Check aberkannt wurde, darf dabei als Ausrede nicht gelten, auch wenn Manager Horst Heldt auch am Tag nach dem Ausscheiden etwas frustriert noch nicht über die Situation hinweg war: „Auch nach mehrfachem Austausch ist für mich nicht wirklich greifbar, warum wir dieses Tor aberkannt bekommen haben“, erklärte er und säuerlich fügte an: „Ich habe mich auf dem Weg in die Kabine, in der Halbzeit und auch nach der Pause mit dem Schiedsrichtergespann unterhalten. Sie haben sich Mühe gegeben, mir das zu erklären. Ich habe mir aber auch Mühe gegeben, das zu verstehen, tue es aber immer noch nicht.“

Der FC versäumte es im Anschluss der Partie allerdings schlichtweg mehrfach, das Pokalspiel zu seinen Gunsten zu entscheiden: Ein Elfmeter zum möglichen 3:2 wurde von Dennis in der 77. Minute verschossen, in der Verlängerung war man gegen einen müden Jahn das bessere Team und im Elfmeterschießen führte man zu allem Überfluss ebenfalls, weil Regensburgs Albers als dritter Schütze an Timo Horn scheiterte. Danach verschossen jedoch nacheinander Jorge Mere und Jannes Horn und weil die letzten beiden Schützen der Oberpfälzer jeweils trafen steht jetzt der Zweitligist im Viertelfinale des diesjährigen DFB-Pokals.

Köln spielt nach dem 2:0 zu passiv

Wer sich das Spiel noch mal in Erinnerung ruft, für den muss folglich schnell feststehen: Dies war eine komplett unnötige Niederlage. Und sie dürfte noch länger nachwirken. Nicht nur wäre das Viertelfinale im Pokal für die klammen Rheinländer monetär lukrativ gewesen, nach dem Ausscheiden der Bayern in Kiel in der letzten Runde wäre die Tür für ein machbares oder zumindest nicht auswegloses Los in der nächsten Runde nicht so schlecht gewesen. Regensburg darf jetzt zumindest davon träumen, gegen Kiel oder Essen zu spielen und aus einer sehr guten eine legendäre Pokalsaison zu machen. Für Köln bleibt nur der Alltag namens „Bundesliga“ und ein doch etwas tief sitzender Frust, gegen einen Zweitligisten ausgeschieden zu sein.

REGENSBURG, GERMANY – FEBRUARY 03: Salih Ozcan of 1. FC Koeln heads towards goal during the DFB Cup Round of Sixteen match between Jahn Regensburg and 1. FC Köln at Continental Arena on February 03, 2021 in Regensburg, Germany. Sporting stadiums around Germany remain under strict restrictions due to the Coronavirus Pandemic as Government social distancing laws prohibit fans inside venues resulting in games being played behind closed doors. (Photo by Adam Pretty/Getty Images)

„Es ist sehr viel gegen uns gelaufen“ versuchte sich Timo Horn nach dem Spiel an einer Erklärung. Und das stimmt auch zu einer gewissen Weise: Der vermeintliche Treffer zum 3:1 hätte durchaus zählen können und die Verletzung von Marius Wolf am Ende der Halbzeit störte den Spielfluss erkennbar. Dies war besonders ärgerlich, da sich mit Dennis endlich ein Zielspieler im Sturmzentrum befindet, der diesen Namen auch verdient und Abwehrspieler bindet. Aber Timo Horn hätte den Satz in Anbetracht der vergebenen Möglichkeiten auch anders und weniger passiv mit einem „Wir haben es uns selbst schwer gemacht“ formulieren können.

Eine eigene Teilschuld räumte, so fair muss man natürlich sein, auch der Kölner Torhüter anschließend ein: „Wenn wir hier 2:0 führen gegen einen Zweitligisten, dann müssen wir den Anspruch haben das Ergebnis über die Zeit zu bringen und das Ding ganz klar mit nach Köln zu nehmen.“

Wer übernimmt beim Elfmeterschießen die Verantwortung?

Es ist diese sprunghafte Wechselhaftigkeit und der oftmals krampfhafte Versuch, die Schuld passiv bei äußeren Einflüßen zu suchen, die den FC diese Saison in der Liga wertvolle Punkte kostet und vielleicht auch dieses Pokalaus irgendwie erklärbar macht. Durchaus passablen bis ordentlichen Auftritten wie gegen Bielefeld und den ersten dreißig Minuten gegen Regensburg folgen 90 grausame Minuten bis zum Elfmeterschießen, die es diese Saison unter anderem so schwer machen, sich mit dem FC 20/21 gemein zu machen, sich mit ihm zu freuen und mit ihm zu leiden. Weil die nächste Enttäuschung immer wartet, man weiß als Fan und Beobachter bereits, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit noch in diesem Spiel, und wenn nicht dann spätestens im nächsten Spiel im übertragenen Sinne auf die Fresse gibt.

„Elfmeterschießen ist immer ein Stück weit Glückssache. Soweit hätten wir es heute aber nicht kommen lassen dürfen. Für die Spieler, die nicht getroffen haben, gibt es keinen Vorwurf.“

Die Probleme sind selbstgemacht, die Kölner stehen sich in dieser Saison zu oft selbst im Weg. Beispielsweise ist die Frage, warum man Regensburg so ins Spiel kommen ließ von außen naturgemäß schwer beantworten, die Antwort liegt aber vermutlich irgendwo in der Psychologie einer Mannschaft und zeigte sich beim Elfmterschießen, wo sich wichtige Führungsspieler beim Elfmeterschießen wegduckten: Von Drexler, Skhiri oder offensiv denkenden Spielern wie Meyer oder Jakobs war nichts zu sehen, während Öczan, der erst 20-jährige Neuzugang Tolu Arokodare, Jannes Mere oder Jannes Horn den Gang zum Punkt antreten mussten. In einer einwandfrei funktionierenden Mannschaft ist es vermutlich andersherum.

Trainer Markus Gisdol ließ nach dem Spiel mit zwei Sätzen auch etwas tiefer blicken: Satz Nummer 1 lautete: „Wir haben vor dem Elfmeterschießen gefragt, willst Du schießen? Ja oder nein? Und dann fünf Schützen nominiert.“ Und Satz Nummer 2: „Ich hoffe immer, dass man eine mündige Mannschaft hat, die auch entscheidet.“ Als letztverantwortlicher kann sich Markus Gisdol von seiner versteckten Kritik an der Auswahl der Elfmeterschützen natürlich nicht ausnehmen.

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Die gute Nachricht für die Mannschaft ist: Bis zu einem möglichen Elfmeterschießen in der Relegation (Gott bewahre!) im Mai muss man sich keine Gedanken mehr über ein mögliches Elfmeterschießen machen. Die schlechte ist: Am Samstag wartet mit Borussia Mönchengladbach das Derby gegen einen äußerst starken Gegner. Ein Pokalsieg in Regensburg hätte geholfen, Druck vom Kessel zu nehmen. Jetzt kann man sich sicher sein, dass bei einer Niederlage wieder die Frage nach Markus Gisdol gestellt wird und dieser sein dann 126. Endspiel bekommt. Endlos geht dieses Spielchen sicher nicht gut.

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